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Dass Frau Knowles für ungewöhnliche Album-Veröffentlichungen zu haben ist, davon konnte man sich bereits einen Eindruck beim Vorgänger „Beyonce“ machen. Das durchaus außergewöhnliche R’n’B-Album, veröffentlicht ohne jegliche Vorankündigung oder Promotion, führte das weiter, was der Wiederum-Vorgänger „4“ bereits versucht, aber noch nicht so ganz hinbekommen hat: Die Sängerin, die als einflussreicher als Barack Obama gilt, gab sich um vieles kantiger als bisher, die Songs waren weit weg vom Mainstream angesiedelt und kamen zuweilen durchaus experimentell daher. Kritiker waren begeistert, die Fans ließ sie großteils mit verwirrtem Kopfschütteln zurück. Die großen Radiohits fehlten, dafür gab es einzelne Musikvideos en masse und irgendwie fühlte man sich einfach überfordert von diesem Puzzle, von dem Queen Bey erwartete, dass ihre Gefolgschaft es schon irgendwie zusammensetzen würde.

2 Jahre und 4 Monate später geht es nun in Runde sechs. „Lemonade“ ist erneut ein Puzzle, aber diesmal eines mit Eckstücken, mit denen man sich langsam und konzentriert von außen nach innen arbeiten kann. Es ist ein sehr detailliertes und vielschichtiges Konzeptalbum, das aber gleichzeitig rund und wie ein großes Ganzes wirkt. Während die fünf Vorgänger – inklusive „Beyonce“! – allesamt einfach zu perfekt daherkamen, ein bisschen zu rund und zu glatt und Bey sich nie so ganz entscheiden konnte, ob sie nun das All-American-Girl oder die Ghetto-Power-Bitch sein sollte, macht „Lemonade“ das erste Mal wirklich alles richtig – und ist trotzdem (oder gerade deshalb) weit weg von Perfektion. Multitalent Beyonce bringt auf ihrem neuen Album genau das auf den Punkt, was auf den vorigen Alben immer nur streckenweise funktioniert hat: „Lemonade“ besitzt Hits, die ins Ohr gehen. „Lemonade“ besitzt hervorragende und interessante Gastkünstler, die sich ins Gesamtbild einfügen, statt zu stören. „Lemonade“ besitzt Beats, die jede Disko zum Beben bringen. „Lemonade“ besitzt ruhige Balladen, die ans Herz gehen. „Lemonade“ besitzt Soundexperimente.

„Lemonade“ besitzt ein Konzept.

„Lemonade“ ist im Grunde also die Quintessenz aller bisherigen Beyonce-Alben.

Eine Quintessenz, die auf mehreren, ineinander verschlungenen Ebenen funktioniert. Diese runter zu brechen ist nicht ganz so einfach. Versuchen wir es trotzdem. Was tut man nicht alles für die Königin.

Den gesamten Artikel plus viele Fotos findest du hier – viel Spaß!

Lemonade-6-Inch

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