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Es ist ein bisschen schade. Da trifft man die erfolgreichste Sängerin aller Zeiten, die vielleicht letzte lebende Legende, und die Reaktionen darauf sind …naja, sagen wir mal verhalten. „Die schaut aber künstlich aus!“ ist eine der netteren Aussagen, die ich zu hören bekomme, als ich stolz mein Foto mit Diva Mariah Carey herzeige. Klar, vereinzelt sind Begeisterungsjauchzer dabei (wenn auch sehr verhalten), aber irgendwie … irgendwie hat’s was mit Europa und der Mimi. Oder vielleicht nur mit Österreich und Mimi. Kann auch sein. Weil: Da beehrte sie die österreichische Hauptstadt wieder mal nach Jahrzehnten – und die Begeisterung, ja das Interesse gar, hielt sich in Grenzen. Und auch das ist nett ausgedrückt.

Besser als der Ruf

Nur 3.500 (!!) Fans fanden sich am 19. April in der Halle D der Wiener Stadthalle ein, deren oberen Ränge verhängt und die Sitzplätze vor der Bühne sehr – SEHR – großzügig verteilt wurden. „Da ist aber wenig los!“, dachten wir uns noch, als wir (meine Begleitungen und ich) ankamen, und der erste Eindruck hat sich auch leider bestätigt. Noch nie war man aus der Stadthalle nach einem Konzert so schnell draußen wie nach der Mimi. Und die Kritiken danach … reden wir besser nicht drüber. Oder okay, vielleicht doch, ganz kurz, weil’s so ganz fair war das nicht immer, was hier über das Goldkehlchen geschrieben wurde: Groß wurde ihr angekreidet, dass sie gute 25 Minuten Verspätung hatte – ganz ehrlich, unter 45 Minuten bemerke ich sowas ja gar nicht. War die Bühnenshow fad? Ja, man hätte mehr rausholen können. War die Tour vor allem auf Nostalgie getrimmt? Sicher, aber das stört einem ja bei Celine, Cher oder irgendwie sogar bei Britney ja auch nicht (und bei Madonna würde man es sich sogar wünschen, würde die ihren neuen Songs ein bisserl weniger Beachtung schenken). War das Konzert mit runden 90 Minuten kurz? Ja, geht so – dass die Sängerin selbst aufgrund von Kostümwechsel oder vielleicht auch nur Faulheit bloß bisserl mehr als 60 Minuten netto auf der Bühne zu sehen war, ist schade und tatsächlich bisschen ärgerlich; genauso, dass sie aus unerfindlichen Gründen ihre Show in Wien gekürzt hat („Vision of Love“, „Against all odds“ anybody?!) – all das geb ich ja zu.

Aber: „The Sweet Sweet Fantasy Tour“ (fragt mich nicht nach dem tieferen Sinn des Titels?!) war eindeutig als Comeback-sehr-her-wie-toll-ich-noch-singen-kann-Tour angelegt. Und diesen Zweck hat sie eindeutig erfüllt. Keine Sekunde lang patzte Mariah stimmlich, setzte immer noch glanzvoll und diva-liscious ihre acht Oktaven unter Beweis und ließ keinen Zweifel daran, dass sie auch noch bald 30 Jahren (!) im Showgeschäft immer noch zu den ganz großen Stimmen gehört, die vielleicht nur von der guten alten Whitney in die Schranken gewiesen werden kann. Mimi hat das geliefert, was man von ihr erwartete und was vor allem die Fans von ihr wollen: Glitzer, Glamour, große Stimme, sexy Tänzer, viel Gefühl, ganz viel Diva, ein bisserl Selbstironie. Zwar bleibt bei eigentlich großen musikalischen Nummern wie „Without you“, „Emotions“ oder „Hero“ ein bisserl das ihnen zustehende Gänsehautfeeling aus, weil man diese Songs nach all den Jahrzehnten einfach zu sehr mit schlechten Karaoke-Abenden verbindet, aber dafür kann die Mimi ja nix (also so quasi). Im Grunde macht sie sich das sogar zunutze: Wenn plötzlich die Legende selbst „Hero“ trällert und nicht mehr der besoffene Typ in der Bar von nebenan, dann bekommt das gesamte Ereignis etwas Surreales – und man muss sich in Erinnerung rufen, dass da vor einem tatsächlich die Diva herself steht, die im Grunde nichts anderes tut, als Mariah Carey zu sein. Das kann man mögen oder nicht – stimmlich gesehen ist das Konzert jedenfalls sicherlich jetzt schon das beste dieses Jahres.

Den ganzen Artikel findest Du hier – viel Spaß!

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