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Es gab mal eine Zeit, da assoziierte man den Sender MTV nicht mit Reality-Shows zum Fremdschämen und Award-Shows, die ebenfalls zum Fremdschämen einladen, sondern tatsächlich mit Musik, mit Stars. Mit einer fremden, aber doch so bekannten Parallelwelt, die uns zum Tanzen, Feiern und Träumen einlud, die uns miteinander verband und die uns das Gefühl gab, genauso hip zu sein wie die hippsten Moderatoren der großen, internationalen MTV-Familie. MTV, das war nicht nur ein Sender einer neuen, selbstbewussten Generation, sondern auch ein Sender der Innovation: Charts- und Awardshows, dazu Musikclips Tag und Nacht – das gab’s noch nirgendwo davor. Man war ganz nah dabei bei seinen Stars, konnte sie sich plötzlich ins Wohnzimmer holen.

Ganz nah dabei sein bei den Stars, das war auch von Beginn an das Motto der 1989 gestarteten Reihe „MTV Unplugged“. Das Konzept war so simpel wie genial: Etablierte KünstlerInnen geben vor einem ausgewählten Publikum in Club-Atmosphäre (im Gegensatz zum Stadien-Charakter ihrer sonstigen Performances) akustisch ihre größten Hits sowie Coverversionen zum Besten, gerne mit Unterstützung befreundeter anderer Musiker. Die heute beinahe vollkommen in Vergessenheit geratene Band Squeeze waren die ersten, die sich vollkommen „unverstärkt“ ihren Fans präsentierten, ihnen folgten in den darauffolgenden Jahren Superstars wie Nirvana, Mariah Carey, Paul McCartney, Eric Clapton, Alicia Keys, Katy Perry (wer hatte denn bitte diese Idee?!) oder auch Herbert Grönemeyer und die Fantastischen Vier. Das Format ist heute Kult – weil im Rahmen der Konzertreihe das zusammenkommt, was zusammengehört: Musiker, die pur und unverfälscht ihre Songs spielen und Fans, die Musik hautnah und direkt erleben können. Und wohl auch, weil das Format an eine Zeit erinnert, in der es noch cool war, MTV zu gucken. Ganz ohne Fremdschämen.

Vielleicht wirkt Johannes Strate, Deutschlands sexiester Sänger, begnadeter Songwriter, mein zukünftiger Ehemann und Frontman der deutschen Erfolgsband Revolverheld, beim Auftaktsong „Bands deiner Jugend“ deshalb etwas nervös. Vielleicht haben Revolverheld in den vergangenen Monaten deshalb „mehr geprobt als in den gesamten Jahren davor“. Vielleicht liefen die Jungs in der Hamburger Friedrichs-Ebert-Halle am 9. und 10. April (!) deshalb aber auch zu Höchstform auf und lieferten an diesen beiden Abend nicht nur die besten Konzerte ihrer bisherigen Karriere ab, sondern der gesamten deutschsprachigen Pop-Geschichte. Weil sie an diesen Abenden ein Unplugged-Konzert gaben. Für MTV. Und nun Teil des „MTV Unplugged“-Formats sind. Als erst/bereits elfter deutscher Act. Nun gibt es das Konzert in Form eines Doppel-Albums sowie einer Doppel-DVD im Handel zu kaufen. Zum Immer-Wieder-Genießen. Zum Sich-Ins-Wohnzimmer-Holen, unsere Helden. Ganz im ursprünglichen MTV-Geiste eben.

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(c) Tim Kramer

Den ganzen Artikel – plus viele Fotos – gibt es hier. Viel Spaß!

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