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„The Crazy Ones“ ist eine Sitcom mit ganz viel Potenzial. Potenzial, das wir nicht mehr erleben werden. Denn die Werbeagentur-Story rund um Robin Williams und Sarah Michelle Gellar wurde nach nur einer Staffel abgesetzt.

Ich habe es hier schon mal geschrieben: Hollywood und die TV-Welt können sehr grausam und ungerecht (geht das eine überhaupt ohne das andere?) sein. Grottenschlechte Serien werden fortgesetzt, während serielle Geschichten mit Potenzial nicht die Chance kriegen, ihre eigene Stimme zu finden und sehr schnell abgesetzt werden. Oder, noch schlimmer: Wenn diese Serie bereits ihre Stimme gefunden hat, und trotzdem keine Chance bekommt, ihr Können länger unter Beweis zu stellen.

Vielversprechender Start

Bei „The Crazy Ones“ hat alles so toll angefangen: Die Zugpferde Sarah Michelle „Buffy“ Gellar und Robin „Mrs. Doubtfire“ Williams fesselten bei der Pilotfolge sehr gute 15,52 Mio. US-Zuseher vorm Bildschirm – womit die Sitcom rund um ein Tochter-Vater-Gespann, das zusammen eine Werbeagentur leitet, jene neue Serie mit der höchsten Quote im Herbst 2013 war. Ironischerweise waren gerade die ersten beiden (vielleicht auch die ersten drei, vier) Episoden der Staffel die schlechtesten der gesamten Serie – was auch der Grund gewesen sein dürfte, dass sich die Zuseher nach und nach verabschiedeten. Aus Freude verlängerte der Sender CBS die Sitcom sehr schnell auf gesamte 22 Episoden – was ihnen dann wahrscheinlich leidgetan hat, denn am Ende waren von den rund 16 Millionen Fans nicht mehr viel übrig. Genau genommen nur mehr 5,23 Millionen US-Amerikaner wollten beim Finale dabei sein, das eindeutig nicht als Serien- sondern als Staffelfinale geplant war. Ein Verlust von 10 Millionen war dem Sender dann doch zu viel. Und „The Crazy Ones“ war nach nur einer Staffel Geschichte.

Zandrew, Sidney & Lauren

Fair ist das nicht. Denn auch wenn die Sitcom nicht in einer Liga wie „How I met Your Mother“, „Friends“ oder auch „The Office“ spielt und im Storytelling und in der Figurenzeichnung meist dann doch den sicheren und bekannten Weg geht, so war sehr schnell klar, dass „The Crazy Ones“ Potenzial zu vielen unterhaltsamen Stunden hat. Und wenn man den Autoren Zeit gelassen hätte, hätte sich eine ganz eigene Stimme entwickeln können, mit der sich die Serie von anderen Lach-Konkurrenten hätte absetzen können. Erfahren werden wir es leider nicht mehr.

Zum einen wäre hier mal der überaus gut funktionierende Cast – zumindest für mich der Hauptgrund, Woche für Woche wieder einzuschalten und in die verrückte Welt des Werbemachens (kommt dir bekannt vor? Dazu kommen wir noch…) einzutauchen. James Wolk, Hamish Linklater und Amanda Setton bilden einen starken Background für die beiden Hauptprotagonisten Williams und Gellar und harmonieren seit der ersten Episode mit einer angenehmen Leichtigkeit miteinander. Setton hat schon in „Gossip Girl“ gezeigt, dass sie witzige One-Liner unaufgeregt und mit der richtigen Dosis Humor transportieren kann – denn, ganz ehrlich, eine größere Rolle hatte Setton auch in „The Crazy Ones“ nicht. Ein Highlight in jeder einzelnen Folge sind Linklater und allen voran Wolk, die eine Bromance – „Zandrew!“ – präsentieren, die man in dieser Form schon sehr lange nicht mehr am TV-Bildschirm gesehen hat. Während Linklaters Andrew zwar der gute, gewissenhafte Freund ist, der bei Frauen aber nicht landen kann, ist Wolks Zac der allseits beliebte Womanizer, auf den aufgrund seines guten Aussehens und seines entwaffnenden Charmes niemand wirklich böse sein kann. Klar, das ist nicht neu, von Linklater und Wolk aber mit einer Hingabe und Sympathie gespielt, dass die Szenen mit den beiden bald zu den eigentlichen Highlights der Serie gehören. Besonders Wolk, der schon in „Mad Men“ auf sich aufmerksam machte, entwickelt sich im Lauf der Staffel mehr und mehr zum Scene-Stealer.

Dann ist da natürlich Sarah Michelle Gellar. Schon seit Jahren ganz hoch in der Publikumsgunst stehend – für „The Carzy Ones“ gewann Gellar gar einen People’s Choice Award für „Favourite Actress in a New TV Series – hat die Gute einfach kein Glück, seitdem 2002 die letzte Folge der Überdrüber-Mystery-Knaller-Serie „Buffy the Vampire Slayer“ über den TV-Bildschirm lief. In „Ringer“ konnte Gellar ihre Vielfältigkeit und ihr Talent, mit wenigen Gesten die Psyche ihrer Rolle dem Publikum zu offenbaren, zwar unter Beweis stellen, scheiterte aber an einem Drehbuch, das an Camp nur so triefte, und an der falschen Auswahl des TV-Senders. „The Crazy Ones“ ist, abgesehen von den beiden unterirdischen „Scooby Doo“-Filmen, Gellars erster Ausflug ins Comedy-Genre. Und nicht nur „Buffy“-Fans wissen, dass Gellar witzig ist und das richtige Gespür für Pointen besitzt. Dass sie eine ganze Serie tragen kann, daran zweifelt seit „Buffy“ (und auch seit den „The Grudge“-Filmen) sowieso keiner mehr. Und doch ereilt Gellar dasselbe Sitcom-Schicksal, mit dem sich auch Ex-„Buffy“-Kollegin Alyson Hannigan in „HIMYM“ neun Jahre lang herumschlagen musste: Anders als im Drama-Segment können die beiden Ausnahmetalente ihre Fähigkeiten in einer 20-Minuten-Comedy nicht vollends unter Beweis stellen, sind zum Teil restlos unterfordert. Es gibt Szenen, in denen Gellar nichts mehr tut, als Williams die Pointen-Bälle zuzuspielen, was mitunter schon sehr schmerzhaft anzusehen ist. Gellars Sydney zeigt Ansätze eines neurotischen Kontrollfreaks, der zwischen Powerfrau und liebesbedürftigem Mädel stets hin und her pendelt – leider bekommt die Schauspielerin nur selten die Chance, diese Aspekte ihrer Figur auch auszuarbeiten. Bezeichnend ist, dass Gellar sogar in den härtesten „The Crazy Ones“-Kritiken stets positiv hervorgehoben wird und ihre Solo-Szenen mitunter als „einzig witzige Momente der gesamten Serie“ bezeichnet werden.

Und ja… dann natürlich der Star der Serie, der Kultschauspieler, mit dem NBC „The Crazy Ones“ bis zuletzt beworben hat: Robin Williams. Natürlich, Williams gehört zu den ganz Großen des Comedy-Genres, seine tragisch-komischen Performances in „Good Morning, Vietnam!“ und „Mrs. Doubtfire“ sind Kult. Daran gibt es nichts zu rütteln. Und doch ist es Williams, der den größten Störfaktor in „The Crazy Ones“ darstellt. Anfangs zu sehr in den Mittelpunkt gestellt, wurde schnell deutlich, dass Williams nicht (mehr) in der Lage ist, eine neue Serie alleine aus der Taufe zu heben. Seine Grimassen, seine Stimmen-Imitationen, seine Zappeligkeit wirken auf den Zuseher ermüdend, zum Teil lässt sich auch ein gewisser Pathos nicht verbergen. Versucht Williams, an alte Erfolge anzuknüpfen? Dass es beim Publikum allerdings nicht allzugut ankommt, wenn sich ein Schauspieler nicht weiterentwickelt und seit Jahrzehnten mit Verzweiflung dieselben Gags abliefert, sieht man deutlich an Jim Carrey, Adam Sandler, Ben Stiller oder auch Sylvester Stallone, die allesamt nicht nur im Lebens-, sondern auch im Karriereherbst stecken. Williams scheint mit „The Crazy Ones“ in dieselbe Falle getappt zu sein. „Been there, done that“, denkt man sich immer häufiger, wenn er als Simon Roberts wieder mal den Kasperl runterreißt. Seine stärksten Momente hat Williams in der Serie dann, wenn er sich zurücknimmt, leise wird und auch mal Selbstironie zeigt: „These voices ARE really annoying!“, stellt er in einer der letzten Episoden selbstkritisch fest, als er wieder mal in allen möglichen Stimmlagen, nur nicht seiner eigenen, palavert. Schade, dass das die Autoren nicht schon viel früher erkannt haben.

Stolpersteine

Robin Williams, der Star der Serie, erweist sich letztendlich also als Stolperstein für „The Crazy Ones“. Hätte man seine Rolle etwas zurückgenommen – wie man es auch in einigen Episoden getan hat – und den anderen Darstellern mehr Raum gegeben (allen voran Setton und Gellar), vielleicht hätte die Serie dann Zukunft gehabt. Das Spiel mit dem offensichtlichen Product Placement funktionierte dank Werbeagentur-Setting prächtig, die Gags schlugen nach und nach immer mehr ein, die Figuren entwickelten einen starken Wiedererkennungswert und auch die richtige Mischung aus Drama und Comedy war in einigen Folgen schon deutlich zu spüren. „Lewis, Roberts + Roberts“ hatte Potenzial, eine ähnlich liebevoll-verrückte Arbeitsstätte zu werden wie einst die Anwaltskanzlei „Cage & Fish“. Dass sich hier auch Cameo-Auftritte von bekannten Gaststars perfekt eingliedern, haben die herrlich-selbstironischen Auftritte von Kelly Clarkson und Brad Paisley gezeigt.

Woran ist „The Crazy Ones“ letztendlich also gescheitert?

Sicher nicht allein an Robin Williams – das zu behaupten wäre unprofessionell und schlicht und einfach zu simpel. Vielmehr hat die Serie in unserer schnelllebigen Zeit einfach zu lange gebraucht, um zu überzeugen. Erst die sechste Folge zündete so richtig, erst hier hatte man das Gefühl, die Autoren wüssten, wohin die Reise gehen sollte. Im Jahr 2014, wo Serien schon weitaus früher wegen nicht überzeugender Qualität und Quoten abgesetzt werden, ein ganz klarer Fallstrick.

Klar, nicht jeder Gag saß und manchmal schmunzelte man mehr, als dass man wirklich von Herzen lachte – was aber zu Verzeihen wäre, denn ganz ehrlich: Wie oft lacht man bei „The Big Bang Theory“ wirklich ausgelassen? Ganz zum Schweigen von „Two and a half men“? Oder auch während der letzten Staffeln von „HIMYM“? Das Gefühl bei „The Crazy Ones“ aber stimmte, die Charaktere waren liebevoll gezeichnet. Was aber letztendlich nicht viel nutzte, da die Welt, die rund um Simon, Sidney und ihren Kollegen gezeichnet wurde, sehr oft zu inkohärent war. „Lewis, Roberts + Roberts“ schien allzu oft in einer eigenen Blase zu leben, in der die Ereignisse der letzten Woche keine Auswirkungen haben. Was auch bei einer Comedy stört. Nur sehr wenige rote Fäden – zum Beispiel die aufkeimenden Gefühle zwischen Sidney und Andrew – zogen sich durch mehrere Episoden. Das ist schade, nicht zuletzt deshalb, da „HIMYM“ in den letzten Jahren sehr prominent bewies, dass strenge Story-Continuity eine Serie in schwindelerregende kreative Höhen verhelfen kann.

Für einen Stolperstein kann die „The Crazy Ones“ aber nichts: Erfunden von David Kelley, der Mastermind hinter Genre-definierenden Serien wie „Ally McBeal“ oder „Boston Public“, wurde von „The Crazy Ones“ erwartet, ähnlich bahnbrechend zu sein wie frühere Kelley-Serien. Erwartungen, die in Zeiten von HBO und Showtime (fast) keine Serie eines öffentlichen TV-Senders erfüllen kann. Immer wieder wurde Kelly zum Vorwurf gemacht, keine Dramedy entwickelt zu haben – was natürlich nicht fair ist, denn wieso darf sich der Mann nicht auch mal im Comedy-Fach versuchen? Zudem wurden – mir vollkommen unverständlich – immer wieder Vergleiche zur Kultserie „Mad Men“ gezogen. Abgesehen davon, dass die beiden Serien beide um eine Werbeagentur handeln, haben sie nichts gemein. „Mad Men“ ist pures Drama, „The Crazy Ones“ reine Comedy. „Mad Men“ bietet eine Vielschichtigkeit, die so in einer Sitcom nicht möglich ist. „Man hätte sich einen ähnlichen Einblick in die Welt der Werbung erwünscht, wie sie uns bei ‚Mad Men‘ präsentiert wird“, meinte zum Beispiel ein US-amerikanischer Kritiker. Wie bitte?! Das wäre ähnlich, wenn man „Married…with children“ mit „7th Heaven“ vergleichen würde (was übrigens mal ganz witzig wäre, wenn ich mir das so überlege).

Wirklich verrückt

Kurz: „The Crazy Ones“ scheiterte an den großen Namen David Kelly, Robin Williams und „Mad Men“ – Aspekte, die eigentlich zum Erfolg der Serie beitragen hätten sollen.

Zandrew sind also Geschichte. Und die Glühbirne über Simon Roberts Konterfei wird nie mehr wieder aufleuchten.

Das einzig Verrückte an „The Crazy Ones“ ist die Absetzung dieser an Potenzial schwangeren Sitcom.

(c) CBS

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