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Ich gebe zu, ich bin um einen Tag zu spät dran. Erstens, weil Fußball und ich nicht die besten Freunde sind, obwohl, das muss ich ehrlich zugeben, die WM schon seinen Reiz hat und sogar gewisse Regungen in mir auslöst. Zweitens: Ich musste den Schock erst überwinden.

Jennifer Lopez, Pitbull und so eine Sängerin, die Leitte heißt, waren der einzige Grund, wieso ich mir die Eröffnungsfeier der WM in Brasilien gegeben habe. Nicht, dass ich ein großer Fan der drei wäre, aber naja, man ist halt dann schon neugierig, was die so zusammenbringen vor einem Milliardenpublikum.

Und diese Frage ist schnell beantwortet:

Nichts.

WTF?! Was war das denn bitte? Wenn man nicht schon im Vorfeld wusste, dass Jenny from the Block, Hochwasser-Boy und Who the Fuck-ist-dieses-Mädel den WM-Song „We are One“ (sind wir nicht übrigens, gerade bei einer WM nicht, wo sich Fans gegenseitig die Köpfe einschlagen) performen würden, man hätte es nicht gewusst. Weil die Akustik wirklich sehr schlecht war (viel schlechter als im obigen Video). Dafür können die Guten zwar nichts, klar, aber Professionalität sieht anders aus. Die Kameraführung und die Präsentation des eigentlichen Höhepunkts der Eröffnung hatte Life Ball 2014-Charme, was heißt: Erinnerte mehr denn je an einen Feuerwehr-Heurigen.

Weil, nochmal: Was war das denn bitte? Von Choreographie keine Rede, unmotiviertes Herumgetänzel auf einer so kleinen Bühne, dass man öfter mal das Gefühl hatte, die drei hauen sich gleich gegenseitig eine rein (und zumindest Lopez sah so aus, als hätte sie das wirklich gewollt). Da wurde herumstolziert, bissl mit dem Arsch gewackelt (nein, Jenny, das macht noch keine gute Performance aus!), ganz viel mit dem Armen ge-waved und seitens Pitbull wieder mal ganz viel Prolo-Macho-Charme versprüht (was, zugegeben, bei dieser Veranstaltung nicht völlig fehl am Platz war). Und von Taktgefühl scheinen alle drei SängerInnen auch noch nicht viel gehört zu haben.

Aber nicht nur die (nicht existente) Choreographie ließ einen verwundert und schockiert den Kopf schütteln. Auch die Töne (zumindest die, die man hören konnte) wurden in der Regel nicht getroffen und der Song hörte sich nicht wie ein Song an, sondern mehr wie eine lose Aneinanderreihung von halbwegs rhythmisch gesprochenen Wortfetzen. Dass „We are one“ per se ein grottenschlechter Song ist (wie so viele WM- und EM-Lieder, schon mal aufgefallen?) hilft da natürlich auch nicht.

Leitte sah ziemlich eingeschüchtert aus, Lopez war so narzisstisch-aggressiv, dass sie wohl am liebsten den Song in „We are Jenny“ umbenannt hatte, und Pitbull …. ja, der scheint plötzlich irgendwie zu glauben, dass Hochwasser-Hosen wieder in sind und dass man sich gackerl-gelbe Leiberl wieder brav in die Hose steckt. Auf Twitter fragte man sich bereits, ob Pitbulls Outfit in Wahrheit nicht das größte Problem (und Verbrechen) Brasiliens sei.

Wenn diese Performance tatsächlich ein Omen für die kommenden zwei Wochen war, dann bin ich froh, kein Fußball-Fan zu sein.

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