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Wir haben schon gar nicht mehr gewusst. Wie das ist. Wenn Europa uns liebt. Wenn wir begeisterte „Austria“-Sprechchöre hören. Wenn es Standing Ovations gibt, wenn wir vor die Masse treten. Wenn uns scheinbar die ganze Welt umarmen will.

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Conchita Wurst hat die Liebe nach (und für) Österreich zurückgebracht. Die „Queen of Austria“ hat Donnerstagabend beim zweiten Semifinale des Eurovision Song Contest 2014 die Halle in Kopenhagen im Sturm erobert. Und wurde prompt ins Finale geweht. In den letzten Sekunden. Kurz, bevor wir alle die Hoffnung schon aufgegeben hatten. Wir haben mit Conchita zusammen gezittert und mit ihr gleichzeitig aufgeatmet. Begeistert bin ich von der Coach gesprungen. Wie es mein Vater immer macht, wenn irgendein so ein österreichischer Fußballverein gewinnt (was irgendwie nicht oft vorkommt). Nur dass der Sieg von der in den letzten Wochen so sehr geächteten Frau mit Bart für Österreich mehr tut als ein paar (wenn auch knackige) Typen in (wenn auch knackigen) Fußballtrikots.

Conchita Wurst hat Donnerstagabend mit ihrem atemberaubenden Auftritt gezeigt, welches Talent in Österreich schlummert. Trotz zahlreicher Anfeindungen, trotz Unter-Der-Gürtellinie-Poier-Beschimpfungen, trotz Russland-Quasi-Boykott ist sie voller Stolz, voller Selbstbewusstsein, voller Glanz und voller Glamour auf die Bühne getreten. Sie hat der Welt (oder zumindest Europa, aber wer nimmt das schon so genau) die Facetten der menschlichen Seele gezeigt – und damit groß gepunktet. Das Publikum geriet jedes Mal, wenn die Kamera auf Conchita und ihrer Gold-Traumrobe hielt, förmlich in Ekstase; die Liebe zur Wurst, zur unserem Heimatland war sogar durch den Bildschirm bis in die heimischen Wohnzimmer zu fühlen.

Aber, ganz ehrlich: Auch wenn Conchita nicht ins Finale gekommen wäre: Ich war schon lange nicht mehr so stolz, Österreicher zu sein. Die Lady mit Bart hat für unser Land mehr getan als Gabalier, Stürmer, Rapid und Hermann Maier zusammen (oder so). Ich bin stolz, dass wir eine Vertreterin bei diesem kunterbunten Spektakel haben, die die gesellschaftliche Diversität mit erhobenen Hauptes in die Welt hinausschreit (oder eher singt, und das noch dazu mit Adele-mäßiger Stimme). Und ich bin stolz auf Europa, dass es Toleranz gezeigt hat, aber auch ein Ohr für musikalische Orgasmen, indem sie Conchita Wurst, die Shirley Bassey Österreichs, ins Finale gehievt hat. Das erste Mal seit 2011.

Egal, wie es am Samstag ausgeht: Seit Donnerstagabend weiß Europa, welch schillerndes, mutiges, tolerantes Land wir sind. Oder sein können. Wie viele plötzliche und bekehrte Wurst-Fans es ab morgen geben wird. Sollen sie. Müssen sie, sogar. Wie blöd all die HC’s, Poier’s und dicke Wirtshaus-Oldies morgen dastehen werden. Denn sie alle werden erkennen: Unsere Erziehung verbietet es, einer Siegerin die Hand zu schütteln. Und somit der Zukunft Europas.

Danke, Conchita. Für alles.

(c) ORF/MILENKO BADZIC

(c) ORF/MILENKO BADZIC

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