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„Wetten, dass…?“ wird nun also endgültig abgesetzt. „Der Rückgang der Zuschauerzahlen zeigt, dass sich die Sehgewohnheiten verändert haben und das Format an Anziehungskraft verloren hat“, begründete ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler den Schritt seines Senders, den 33-jährigen Show-Dino zu Grabe zu tragen. Wirklich überraschend an der Absetzung war eigentlich nur, wie Moderator Markus Lanz diese bekanntgab: knapp, kurz und bündig und ohne große Emotionen brabbelte er am Ende der Sendung vom 5.4. in den Abschlussapplaus, dass es nur noch drei Sendungen geben werde. Und das war’s dann. Ganz unspektakulär. Man könnte jetzt meinen: wie die Moderation vom Lanz halt.

Den Niedergang der Show nur an Lanz festzumachen ist natürlich naiv und tut dem ach so korrekten Lanz (der Gute wollte doch so gern alles richtig machen!) auch unrecht. Klar, Lanz war der Falsche für den Job, manche sagen jetzt, sie hätten das von Anfang an gesagt (und nur zur Info: Ich hab das von Anfang an gesagt!), aber auch die vom Publikum damals so ersehnte Anke Engelke oder auch Barbara Schöneberger hätten die Show nicht retten können. Nicht mal Joko und Klass. Schon gar nicht Joko und Klaas.

Wenn in Zeiten von „Schlag den Raab“ (eigentlich das neue „Wetten, dass…?“) oder sonstigen Action-Samstagabend-Shows (von denen mir im Moment pikanterweise keine einzige einfällt) die Wetten immer unspektakulärer werden, die Stars ausbleiben und der Moderator – da ist er nun doch wieder – immer blasser wird, dann fallen natürlich auch die Quoten. Wenn Gottschalk nun meint, er hätte das Ding „gleich selbst an die Wand fahren können“ und Show-Erfinder Frank Elstner das Ende seines Babys „an die Nieren geht“, dann sprechen hier vor allem enttäuschte Egos und keine Medien-Spezialisten, die wissen sollten, wann es an der Zeit ist, aufzuhören. Denn „Wetten, dass…?“ hat seinen Zenit schon lange überschritten – noch bevor Lanz auf die Bühne trat. Traditionen kann man eben nicht mit aller Kraft am Leben erhalten.

Aber, bei allem „Wetten, dass….?“—Bashing, muss man auch sagen: Die Show, die hatte auch ihre guten Seiten. Durchaus. Nicht immer war alles schlecht, alles langweilig, alles erzwungen, alles ohne die richtige Richtung. „Wetten, dass….?“ hat uns in seinem 33-jährigen Bestehen einige unvergessliche (Promi-)Momente beschert – zumindest mir. Und vielleicht auch Ihnen.

 

–  1997 zeigten Thomas Gottschalk und Patrick Lindner den Spice Girls ihre Unterhosen. Und Christiane Hörbiger saß mit respektvollem Abstand daneben und wusste nicht, ob sie weinen oder lachen sollte.

–  Das erste Mal wurde die Show von Demonstranten im Jahr 1984 unterbrochen. Aktivisten rannten mit einem Transparent mit der Aufschrift „Nicht wetten, Donauauen retten!“ auf die Bühne. Als die Security einschreiten wollte, ging der damalige Moderator Frank Elstner mit den Worten „In meinem Studio wird keiner rausgeschmissen!“ dazwischen und ließ den Demonstranten ihre Sache nicht nur vortragen, sondern organisierte auch eine Aussprache hinter den Kulissen.

–  Samuel Koch verunglückte 2010 bei einem Stunt schwer und ist seitdem vom Hals abwärts gelähmt. Die geschockten Moderatoren Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker brachen die Live-Sendung ab und verkündeten kurz darauf ihren Ausstieg. (Achtung: Video ist „nicht leicht“ zum Anschauen!)

–  Cher singt „Stille Nacht, Heilige Nacht“, Gottschalk begleitet sie auf der Flöte. Das war 1995.

–  Und nochmal Cher: 1987 tritt sie mit einem Hauch von Nichts auf die Bühne. Und erregt die Gemüter. Gottschalk wusste das erste (und einzige Mal) nicht, was er sagen sollte: „Das war vorher nicht geplant!“

–  1998 ist Götz George nicht wirklich gut gelaunt und gerät in Streit mit Thomas Gottschalk – vor einem Millionen-Publikum. Apropos Publikum: Der Saal buhte, als George Gottschalk wiederholt beleidigte.

–  1999 ist mit Gerhard Schröder der erste deutsche Bundeskanzler zu Gast. Viele fragen sich: Verträgt sich Politik mit Entertainment?

–  Madonna zeigt 1995 Gottschalk Yoga-Übungen. Vielleicht habe das aber auch nur ich lustig gefunden.

–  Christina Aguilera zeigte 2003 und 2006, wie göttlich sie einfach ist. Aber das sind wahrscheinlich auch wieder nur ganz persönliche Highlights.

–  Inge Meisel, damals stolze 85 Jahre alt, ließ sich in ihr Adressbuch blicken. „Sie sind auch drin“, meint sie zu Gottschalk. „Und der Jauch nicht, haha!“, freut der sich. Daraufhin Meisel schlagfertig: „Nein, den kann ich auswendig!“

–   Am 9. Februar 1985 lief die erfolgreichste „Wetten Dass…“-Ausgabe aller Zeiten mit einer Quote von 23,42 Millionen ZuseherInnen in Deutschland.

–   Michael Jackson trat 1995 das erste Mal bei „Wetten, dass…?“ auf. Und der Saal war im Ausnahmezustand. 1999 war er nochmals da, aber irgendwie war da alles schon trauriger.

–  Sogar Bill Gates war Gast in der Show. Das war im Jahr 2000. Und weil die Show halt abwechslungsreich war, zumindest damals, nahm in derselben Ausgabe Pamela Anderson auf der Wettcoach Platz. Im ultra-knappen Bikinioberteil. Woraufhin sich weder Gottschalk noch Gates weiterhin konzentrieren konnten.

–  Das waren noch gute Zeiten: 2003 waren sowohl Leo DiCaprio, Tom Hanks als auch Steven Spielberg zu Gast – alle in derselben Ausgabe! Respekt.  Übrigens: damals lästerte Hanks noch nicht über die Show. Bei Lanz 2013 dann schon. Hm.

–  Frank Elstner empfing 1983 Country-Legende Johnny Cash. Der bei seinem Auftritt total besoffen war.

https://www.youtube.com/watch?v=8KJ2knJaujc

–  Ebenfalls in der Elstner-Ära seilte sich Actionstar Jean Paul Belmondo ungesichert an einer Strickleiter hängend von einem Helikopter ab, mit dem er in der Halle eintraf. So ein Luftikus aber auch.

–  1990 rauchte Mickey Rourke während der Show Kette. Ein Skandal in der deutschen TV-Landschaft.

–  Horst Schlämmer alias Hape Kerkeling schmeißt sich ungeniert an die sichtlich geschockte Claudia Schiffer ran – 2006.

–  Bernd Fritz, der Schlingel, schummelte ungeniert bei der Buntstift-Wette 1988. Fritz war Redakteur des Satiremagazins „Titanic“. Und wollte doch nur die Show bloßstellen. Ach so.

–  Sogar Lanz hat es zu einem unvergesslichen Moment gebracht: nämlich 2013, als sich Gerard Butler Eiswürfel in die Hose schüttete. Nur war das leider so peinlich, dass man diesen Moment am liebsten vergessen würde.

–  1994 waren Take That da. Mehr muss nicht gesagt werden.

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