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Verdammt, was ist denn da passiert?

Zugegeben, die Erwartungen an das Serienfinale von „How I Met Your Mother“, das gestern Abend in den USA von CBS ausgestrahlt wurde, waren unrealistisch hoch. Nach mutigen, kreativen und stets überraschenden neun Jahren haben sich Fans und Kritiker ein Finale erwartet, dass es so in der Form in der Welt der Sitcoms noch nicht gab. Dass uns trauernd, berührend, schockierend und glücklich zugleich zurücklässt. Das noch einmal unterstreicht: Ja, „HIMYM“, das war eine Serie, die das Sitcom-Genre neu definierte. Die uns zeigte, was in knapp 30 Minuten voll mit Hintergrund-Lachern alles möglich ist.

Okay, so gesehen haben Carter Bays und Craig Thomas, die kreativen Köpfe hinter der Serie, sehr viel richtig gemacht. Das Finale war mutig, kreativ, und, oh ja, überraschend. So ein Sitcom-Finale gab’s wirklich noch nie. Wir trauern, wir sind schockiert. Nur glücklich sind wir nicht.
Denn das Serienfinale von How I Met Your Mother lässt sich, zumindest für mich, auch so beschreiben: How I Met One Of My Biggest Disappointments in Television.

Darum geht’s gar nicht

Wo ich anfangen soll, weiß ich eigentlich gar nicht so richtig, denn auch das Finale packt so viel rein, wie nur geht und zieht sich gleich über mehrere Jahre. Womit Bays und Thomas der Serie nochmal würdig Tribut gezollt haben: Die für HIMYM so typischen Zeitsprünge werden beibehalten, man begleitet die Clique bis zum Jahr 2030 – also jenes Jahr, in denen die Serie eigentlich spielt, jenes Jahr, in denen Senior Ted seinen Teenager-Kindern die Story erzählt, wie er ihre Mutter – und seine Traumfrau – kennenlernte. Die übrigens Tracey heißt. Nur geht’s darum eigentlich nicht. Genauso wenig, wie es eigentlich darum geht, wie Ted die Mutter kennengelernt hat. Ein Running Gag unter Fans, der sich im Finale aber – schmerzlich, durchaus – bewahrheitet hat: Neun Jahre lang ging’s eigentlich nicht darum, wie Ted „Die Mutter“ kennenlernte. Oh, nein.

Es ging darum, wie er Aunt Robin kennenlernte.

Oh, ja.

Es war nicht alles schlecht

Aber bevor ich komplett meinen Glauben an das TV verliere: hier erstmal einige Aspekte, die das Finale mit dem viel sagenden Titel „Last Forever“ richtig gemacht hat:

Da wären eben mal die Zeitsprünge, die man sich beim Finale einer Serie wie HIMYM ja bereits erwartet hatte. Die Serie traut sich, wovor zum Beispiel „Friends“ bei ihrem letzten Auftritt vor zehn (!) Jahren großen Abstand genommen hat: Es wird gezeigt, wie sich das Leben der Freunde weiter entwickelt. Was aus ihnen wird, wenn der Hauptplot der letzten Staffel – in diesem Fall Robins und Barneys Hochzeit – zu Ende geht. Das machen nicht viele Sitcoms, eigentlich sehr wenige, denn: Bei Sitcoms, da will man ja lachen. Da will man ein „Happily ever after“ und nicht ein „Happily ever after … and then?“ HIMYM aber hatte immer schon einen ihrer stärksten Momente, wenn sie traurige Ereignisse in die Sitcom-Welt inkludierte, wenn sie die Lacher-Welt verließ und zeigte, wie das Leben wirklich ist: nämlich witzig, irrsinnig und todtraurig zugleich. HIMYM scheute sich seit der ersten Staffel nicht, das Leben so abzubilden, wie es ist, war herrlich sentimental, stellte – mitunter – lebensbewegende Fragen und war näher an der Realität, als es „Two and a half men“, „The Big Bang Theory“ und Konsorten je sein werden. All das spiegelte das Finale, indem es eigentlich mehr sentimentale Tränen als Lacher gab (hat wirklich irgendjemand da draußen herzhaft während der 45 Minuten gelacht?!), beinahe perfekt wieder. „Last Forever“ zeigte, dass auch ein Sitcom-Finale mehr als bittersüß sein kann. Dass sich Träume nicht immer erfüllen, dass Freundschaften nicht ewig halten, dass Pläne durcheinander gewirbelt werden. Chapeau!

Wie von HIMYM-Regisseurin Pamela Fryman schon im Vorfeld versprochen wurde, wurde tatsächlich jedes lose Ende der vergangenen Jahre aufgelöst, zum Teil sogar verknüpft. Keine Frage blieb unbeantwortet. Und es wurde sich erinnert. Es gab ein letztes episches High Five, ein letztes Mal ein „Haaave you met Ted?!“, ein letztes Mal die Slutty Pumpkin, ein letztes Mal das legendäre Playbook (Part 2), ein letztes Mal ein „legen…wait for it….dary!“, ein letztes Mal „you son of a biiitch!“, ein letztes Mal „Robots vs. Wrestlers.“ Das passiert zwar alles ein bisschen zu hektisch, sodass nicht jedes Mal, wenn es sein soll, sentimentale Gefühle aufkommen. Aber im Großen und Ganzen: passt.

Und zum Schluss, ich muss es einfach sagen: Alyson Hannigan. Die Schauspielerin, die, obwohl die schwächste Figur in der Serie, zu den Lieblingen unter den Darstellerin gehörte, hatte ihre großen Momente im Serienfinale – wenn nicht zugleich die stärksten Momente der gesamten 45 Minuten. Lily durfte nochmals das Herz der Serie sein, sie rührte uns zu Tränen und brachte uns zum Lachen. Fast war es so, als wollten sich Craig und Bays entschuldigen, dass sie Hannigan die letzten neun Jahre nie ihr gesamtes Talent haben ausspielen lassen. Es war uns eine Ehre.

Bye, bye Mother

Okay, passt also eh alles. Oder? Leider nein. Leider so gar nicht nein.

Zwar ist es nett, (wieder mal) in die Zukunft der Figuren zu blicken, aber insgesamt kamen die Flash-Forwards viel zu hektisch daher. Und man fühlt sich als (oft sehr geduldiger HIMYM-Fan) auch betrogen, irgendwie. Die gesamte letzte Staffel, und streng genommen auch schon die voran gegangen zwei Staffeln, hat man auf die Traumhochzeit von Robin und Barney hingearbeitet. Man hat uns deutlich gemacht, wie sehr die beiden füreinander geschaffen sind, wie sehr sie zueinander gehören. Dann wurde nicht nur die Hochzeit in ein paar Minuten abgehandelt, auch die gemeinsame Zukunft als Ehepaar war binnen weniger Minuten (!) schon wieder vorbei. Auseinandergelebt haben sie sich, folgerichtig gibt’s drei Jahre später die Scheidung. Das mag zwar hinsichtlich der beiden freiheitsliebenden und im Grunde narzisstischen Figuren Robin und Barney nachvollziehbar sein, wir Fans fühlen uns aber, ja, verarscht. Wozu der ganze Aufwand, wenn man nur Bruchteile des Ehelebens der beiden zu Gesicht bekommt? Und man hätte sich doch so eine Zukunft für die beiden gewünscht, Realismus hin oder her. Denn Barney und Robin, die beiden gehören zusammen wie Lily und Marshall (keine Angst, deren Familienlieben bleibt perfekt, mit vielen, vielen Kinderchen). So viel besser als Robin und Ted.

Ähm ….

Dass Barney endlich „seine große Liebe“ findet, da vergießt man zwar durchaus Tränen und ist ein schöner Abschluss für diese jetzt schon legendäre TV-Figur, ist aber respektlos Robin gegenüber, zumal die Mutter seiner Tochter nicht mal gezeigt wird (woraus man durchaus einen Spin-Off machen könnte: Wer ist denn nun die Mutter von Barneys Tochter?! Ist es am Ende gar etwas auch Robin?! Diese Auflösung scheint ja beliebt zu sein und für unmöglich halte ich mittlerweile nichts mehr)

Dann wurde auch beim Tribut-Zollen ein wenig gepatzt: Wo blieb die Entlein-Krawatte? Wo blieb Lilys Mörderblick? Und vor allem: Wo blieb Robin Sparkles?! Das hätten wir uns gewünscht. Sehr sogar.

How I Met Your Aunt Robin

All das könnte man aber verzeihen, wenn die letzten zwei Minuten des Finales nicht gewesen wären. Denn die lassen die gesamte Serie wie einen Betrug, wie einen wirres Umher-Schwimmen aussehen.
Ted und Tracey, die Mutter, dürfen nicht glücklich sein. Zumindest nicht für immer. Denn Tracey, die namensgebende Mutter, stirbt. Woran genau, wissen wir nicht, und wird auch nur in einer klitzekleinen Szene erzählt. Muss ja auch nicht mehr sein, anscheinend: Da baut man eine Spannung neun Jahre lang auf, bringt die Welt um den Verstand, weil man endlich wissen möchte, wer denn nun die Mutter ist, und dann bleibt uns ihr tragisches Ende vorenthalten. Nicht mal ihr Begräbnis wurde gezeigt – eigentlich einer dieser „big moments“, die die Gang zusammen teilen wollten. Fast ist es so, als würde man die Mutter schnell wieder weg von der Bildfläche haben wollen. Die stört eh nur (und wirklich warm wurde ich mit Cristin Milioti sowieso nie). Nicht mal Teds Sohn bekommt man wirklich zu Gesicht. Husch, husch, denn eigentlich geht’s ja um ganz was anderes.

Nämlich um Ted und Robin.

Denn Senior Ted geht’s gar nicht darum, seinen Kids die Geschichte zu erzählen, wie er deren Mutter kennenlernte. Er will von ihnen die Erlaubnis, neu anfangen zu dürfen. Will deren Segen, endlich mit Aunt Robin glücklich sein zu dürfen.

So steht Ted am Ende romantisch-verklärt lächelnd vor Karrierefrau Robins Fenster, mit dem blauen Horn der allerersten Episode in der Hand.

Ein rundes Bild zwar, das man aber so nicht haben möchte.

HIMYM meets The Sixth Sense

Dass die Mutter tatsächlich stirbt, wie im Vorfeld bereits vermutet wurde: damit kann ich leben (auch wenn ich unweigerlich an The Sixth Sense erinnert werde). Es gibt der Serie einen besonderen sentimentalen Touch, auch wenn rückblickend sehr viel so gar nicht mehr passt: Sollte Ted seinen Kindern nicht mit mehr Feingefühl die Story rund um ihr Kennenlernen erzählen? Sollten Tochter und Sohn nicht wenigstens ein paar traurige Gesichtsregungen zeigen, wenn ihnen jedes kleine Detail ihrer toten Mutter erzählt wird? Die stets gelangweilten Gesichter der beiden lässt sie nun, am Ende, zu den verhasstesten Kids der TV-Geschichte werden.

Aber, vor allem: Wirklich?! Ted und Robin?! Hat man das nicht längst, eigentlich schon in der ersten Episode der Serie vor neun Jahren, abgehakt?! War nicht gerade das der besondere Clou der Serie: Dass eben nicht die scheinbare Traumfrau Robin die Mutter ist, dass man auf eine – nun ebenfalls scheinbare – falsche Fährte gelockt wurde? Nun machen zwar die ewigen aufgewärmten Gefühle zwischen den beiden endlich Sinn, weniger nervend macht das diese Storyplots rückblickend trotzdem nicht. Und irgendwie gehören Ted und Robin auch nicht zusammen: zu perfekt sind sie füreinander. Zu langweilig. Zu durchschnittlich. Zu offensichtlich (also, eigentlich).

Das Leben, kein Ponyhof

Carter Bays und Craig Thomas rüsteten sich damit, die letzten Minuten des Serienfinales schon während der ersten Staffel gedreht zu haben – weil man eben nie wusste, wie lang die Serie laufen würde. Anscheinend zu lang, denn nach all den Wirrungen hat man kein Herz mehr für Ted&Robin. Und auch, wenn ich ein großer Verfechter von ins jede Detail durchgeplanten Storylines bin: bei HIMYM ging das kräftig nach hinten los. Zu früh setzte man sich auf den Ausgang fest, zu viel passierte seitdem, um dieses Ende noch plausibel zu machen.

Aber jetzt müssen wir damit leben.

Denn eins hat uns HIMYM zumindest gelehrt: Das Leben kann man nicht immer erklären. Und es verläuft nun mal nicht immer so, wie man es sich wünscht.

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(c) CBS

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(c) CBS

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Then and now. (c) CBS

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