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Was eine kreative Pause nicht alles bewirken kann.

„Glee“ kehrte diese Woche nach fast dreimonatiger Bildschirmabstinenz zurück – mit einer Folge, die nicht nur zu den besten der gesamten Serie gehört, sondern sogar altes „Glee“-Feeling wieder aufleben ließ.

5 Gründe, wieso „Frenemies“ ein gelungenes „Glee“-Comeback ist:

1.       Tolle Story

Okay, zugegeben, die einzelnen Storyplots haben sich am Ende gar schnell aufgelöst und waren teilweise sogar etwas kitschig, auch der erhobene moralische Zeigefinger („Nur gemeinsam sind wir stark!“) fehlte zumindest bei Kurt-Starchild und Artie-Tina nicht. Aber genau das sind wir von „Glee“ gewöhnt, beinahe alle Folgen der ersten Staffeln waren nach diesem Muster aufgebaut, am Ende lernten die Zuschauer immer etwas (also so quasi). Auch ansonsten kam in „Frenemies“ wieder altes „Glee“-Feeling hoch, weil man zum einen nicht nur ein Thema strikt, aber nicht aufdringlich durchzog, zum anderen komplett auf die Newbies verzichtete (Ryder und Marley durften nicht einmal einen Satz sagen). Man konzentrierte sich voll und ganz auf die altbewährten und (mehr oder weniger) beliebten Charaktere, erinnerte sich an alte Freundschaften und nahm lose Storyfäden wieder auf. Und genau dieser Punkt war für mich das größte Vergnügen der Episode: „Glee“ zeigte endlich serien-internes Gedächtnis, fast vergessene Romanzen, aber auch Feindschaften wurden wieder aufgenommen. Man thematisierte endlich die starke Veränderung einzelner Figuren (allen voran jene von Tina und Rachel), kehrte aber auch zu alten Charaktereigenschaften zurück: So war Rachel wieder ganz die alte, war jene Rachel, die man aus Highschool-Zeiten kannte und zugleich liebte und hasste: Egoistisch, erfolgsorientiert, stark und verunsichert zugleich, Diva (man erinnere sich auch an ihren Streit mit Kurt in der vierten Staffel, der große Ähnlichkeiten mit ihren Zwist zu Santana aufzeigt). Der von vielen Fans kritisierte Streit zwischen Rachel und Santana (keiner hasst „Glee“ mehr als die Gleeks) ist durch und durch nachvollziehbar: Rachel ist ihrem Traum näher als jemals zuvor und reagiert nun panisch, diesen Traum kurz vorm Ziel zu verlieren. Santana, selbst den großen Erfolg suchend, ist eifersüchtig auf Rachel – klar, dass da alte Hass-Gefühle, die spürbar in den letzten Folgen unterdrückt wurden, wieder aufkochen. Die Fans spalten sich in „Team Rachel“ und „Team Santana“ – kurz: über „Glee“ wird endlich wieder gesprochen.
„Frenemies“ bescherte uns sogar sehr seltene, aber umso spannendere Cliffhanger, die (endlich wieder) Lust auf mehr machen. Wie wird’s mit Rachel weitergehen? Wird Santana zum neuen Star in New York? Und auch Klaine bekommen anscheinend endlich wieder etwas zu tun, was hoffentlich die Beziehung zwischen ihnen etwas edgier und vor allem realistischer werden lässt, als sie es bisher ist.
Selbst die Lima-Story überzeugte diesmal und zeigte Artie und Tina endlich mal wieder von einer interessanten Seite. Insgesamt wurden in der Episode alle Figuren mit Ecken und Kanten präsentiert – ein Aspekt, der eine Serie erst zum Erlebnis werden lässt. Auch in „Glee“ ist nicht jeder nur weichgespült und hat das Herz am rechten Fleck. Das sollten einige Fans endlich mal verstehen.

2.       Neue Wege

Man bekam endlich, ENDLICH, einen Blick hinter die Kulissen von „Funny Girl“ – eine Richtung, die „Glee“ unbedingt bis zum Serienfinale beibehalten sollte. Die ehemaligen Schulchor-Kids bei ihrem Aufstieg (oder Fall) im Showbiz zu verfolgen, wäre der einzig logische Schritt einer Serie, deren Grundprämisse es ist, Teens durch die Hilfe von Musik ihren Platz im Leben finden zu lassen. Und es bietet vor allem tolle Weiterentwicklungs-Möglichkeiten für die Charaktere. „Frenemies“ lieferte eine Story, die nicht mehr auf der Stelle stagnierte, sondern die Serie endlich ein ganzes Stück vorwärts brachte.

3.       Tolle Songs

Santana performt den Rachel-Song „Rain on my parade“?! Das absolute Highlight der Folge, das vor allem überraschend und auch etwas schockierend daherkam. Und auch, wenn Lea Michele diesen Song einfach rockt und Naya Rivera da nicht ganz mithalten kann, geht diese Perfomance in die Serien-Geschichte ein. Duette von Rachel und Santana waren ohnehin immer schon Highlights in „Glee“, und auch Artie und Tina endlich mal wieder gemeinsam auf der Bühne zu sehen machte richtig Spaß. Ein gänzliches anderes Highlight war das Rock-Duett von Kurt und Starchild, in dem Lambert (der ohne Make-up um so vieles besser aussieht) wieder mal seine grandiose Stimme unter Beweis stellte und Kurt auch mal seine rockig-verrucht-sexy Seite zeigen durfte (wir sind nicht mehr in der Highschoo, Folks!!). Vor allem gliederte sich jeder Song perfekt in die Story ein. Sogar der von mir so sehr verhasste Song „Every breath you take“ wurde in ein neues, edgy Gewand gesteckt und spiegelte die Beziehung zwischen Rachel und Santana perfekt wieder. Wieso nicht schon früher so?!

4.       Selbstironie

„Glee“ hat seine Schwächen, besonders, was Storytelling betrifft. Nämlich nicht nur Schnitzer, sondern richtige No-Gos, die viele Fans veranlassten, sich von der Serie abzuwenden. Zwischendurch aber beweisen die „Glee-Autoren immer wieder herrlich erfrischende Selbstironie, indem sie die Kritik der Fans und somit die eigenen Fehler in die Story einfließen lassen (und sich damit auf eine faszinierende Meta-Ebene begeben). Dass Tina mittlerweile die „biggest bitch in Highschool“ ist (und keiner eigentlich versteht, wieso), wurde ebenso klar und deutlich angesprochen wie Blaines oftmals schon irrwitziges Glück, dass ihm all die guten Dinge einfach so in den Schoß zu fallen scheinen. Am deutlichsten wurde dies jedoch bei Santanas Bemerkung, Rachel würde viel zu viel Make-up tragen und mittlerweile eher an eine „whore“ erinnern als an ein verunsichertes Highschool-Mädel: beinahe dieselben Worte sind auch in vielen „Glee“-Fanforen zu finden.

5.       Überzeugende Darsteller

Besonders in der fünften Staffel hatte man bisher das Gefühl, die Darsteller seien ausgebrannt und nicht mehr richtig bei der Sache. Der Spaß, die Lust, die „Glee“ immer ausmachten, war nicht mehr zu spüren – was wohl auch am Tod von Cory Monteith gelegen haben mag. In „Frenemies“ aber dominierte endlich wieder die Spielfreude wirklich aller (auch von Lea Michele, der man dafür absoluten Respekt zollen muss), was sich auch auf den Zuschauer übertrug. Schon lange machte es nicht mehr derart Spaß, 45 Minuten in die „Glee“-Welt einzutauchen. Eine Welt, die wir doch eigentlich alle so sehr lieben, es aber beinahe schon vergessen hatten. In einer fünfjährigen Beziehung braucht es halt zwischendurch diese ganz besonderen Momente, die uns wieder an die gemeinsame Liebe erinnern lässt.

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