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(c) ATV

Nun hat Österreich also endlich wieder seine ureigene Daily Soap: Nach dem Megaflog des ORF „Mitten im 8en“ aus 2007 hat’s nun ATV gewagt und lässt Montag bis Freitag in der „Todeszone“ Vorabend eine ordentliche Portion Seife auf und los. Wobei, ganz das große Wagnis ist „Wien – Tag & Nacht“, wie das ambitionierte Projekt des Kloiber-Senders heißt, dann auch wieder nicht: Quasi das österreichische Pendant des RTL 2-Hits „Berlin – Tag & Nacht“ (durchschnittlich 1,33 Millionen deutsche Zuseher) darf zumindest mit hohem Interesse gerechnet werden. Und mit respektabler Quote, zumindest in der jungen Zielgruppe der 14-29-Jährigen.

Wien - Tag und Nacht

(c) ATV / Jeff Mangione

Erster Eindruck

Gerade eben ging die erste Folge von „WTN“ zu Ende – und mein erster Eindruck: Es gab schon Peinlicheres im österreichischen Fernsehen. Modern und rasant inszeniert wird es zumindest nicht langweilig. Die Story ist, obwohl ja „so nah am Leben wie möglich“, natürlich arg konstruiert und die Darstellung der Laienschauspieler überzeugt auch nicht durch die Bank. Marlene, Willi, zum Teil Paul und allen voran Landpomeranze-Klischee Theresa sind zu gekünstelt und in den Dialogen noch zu gestelzt und übertrieben (Theresa: Wien ist nicht New York. Hast du in Oberösterreich in der Pampa zwischen Kühen gelebt?!). Im Großen und Ganzen sind die Figuren aber glaubwürdig und authentisch, wobei an dieser Stelle besonders Ober-Prolotante Vanessa und Hottie Chris (ja, okay, der ist wirklich sehr sehr süß) genannt werden sollen. Zwar kann (und soll?) „WTN“ in keiner Sekunde den Trash-Flair von ATV ablegen und erinnert in Teilen an Trash-Formate wie „Saturday Night Life“ oder „Das Geschäft mit der Liebe“, kommt aber tatsächlich genauso lebensecht bzw. sogar lebensechter rüber als die Konkurrenz. Vor allem aber: Von deutschen Peinlichkeits-Laien-Darstellung-Formaten wie „Verklag mich doch!“ (ATV) oder „Richter Alexander Hold“ (SAT 1) ist „WTN“ vielleicht nicht meilen-, aber doch kilometerweit entfernt.

WG Plan WienTN

(c) ATV / Jeff Mangione

Realitäts-Fiktion-Grenze verwischt

Zwischendurch werden genügend Wien-Bilder in die Handlung geschnitten, sodass das Social Media-geneigte Publikum Zeit hat, sich auf Facebook über die Handlung auszutauschen. Die realen Schauplätze in Österreichs Hauptstadt macht, ganz im Sinn dieses Formats, einen zusätzlichen gewissen Reiz beim Zusehen aus. Ob sich die Verknüpfung mit Facebook (hier posten die Figuren „selbst“ und verwischen so die Grenze zwischen Realität und Fiktion) den Unterhaltungswert von „WTN“ tatsächlich auf eine neue Ebene heben, da muss man erst abwarten. In Deutschland hat’s zumindest funktioniert. Was man aber nach der ersten Folge schon sagen kann: Das ewige Durcheinanderreden der Figuren (die Darsteller sprechen wie im wahren Leben; Dialoge sind nicht vorgegeben) samt den verschiedenen Dialekten ist nervig, anstrengend und verleitet einen beinahe zum Umschalten. Bitte in Zukunft davon Abstand nehmen!

Wien - Tag und Nacht

(c) ATV / Jeff Mangione

Fazit

„Wien – Tag & Nacht“ ist auf die Zielgruppe beinahe perfekt zugeschnitten, muss sich aber natürlich den direkten Vergleich mit dem großen Bruder „Berlin“ stellen. Auch wenn die österreichische Version tatsächlich „realistischer“ daherkommt, kann das zur Stolperfalle der Sendung werden. Und auch wenn „WTN“ den Eindruck vermittelt, Wien sei der melting pot für Prolos aus allen Bundesländern: als Vorabend-Unterhaltung eignet sich das Format durchaus. Und mehr muss es ja auch gar nicht sein.

Chris

Für Eyecandy….
(c) ATV / Jeff Mangione

Wien - Tag und Nacht

… ist bei „WTN“ gesorgt.
(c) ATV / Jeff Mangione

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