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Das war’s nun also mit 16 Tage Dschungel-Abenteuer. Oder Nicht-Abenteuer, wenn man Tanja S. heißt (die paradoxerweise wegen ihrem Nichts-Tun, neben Larissa, am besten in Erinnerung bleiben wird). Ich muss mich erst wieder daran gewöhnen. Das erste Mal bin auch ich in den Dschungel gezogen, das erste Mal ewa ewaa ewwwaaa hab ich am Busch-Treiben teilgenommen. Ansonsten eigentlich angeekelt (im wahrsten Sinne des Wortes) von solch einer Art von TV-Unterhaltung (Was für ein Niveau! Was für Leute! Was für arme Tierchen!) bin diesmal auch ich der Faszination verfallen. Dem Wahnsinn. Oder, um es mit den Worten von stern.de-Journalisten Mark Stöhr zu sagen: dem „Dada, [der] Kunst“.

Und tatsächlich, „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ glich dieses Jahr ganz stark (und mehr denn je, wie ich mir hab sagen lassen) einem Theaterspiel, vielleicht sogar einem Lars von Trier-Movie. Erinnert sich wer an „Dogville“? Da wurde, ganz von Trier-mäßig, auch eine Studie menschlichen Verhaltens auf engem Raum betrieben, mitten in einem Fake-Dorf, umgeben von Fake-Bäumen und Fake-Bergen (ich bin ja immer noch nicht überzeugt, ob der Dschungel dort wirklich so der Dschungel ist, also der echte und so). Auch dort haben alle Bewohner ihre zugedachte Rolle gespielt, auch dort gab es eine (blonde) Sündenböckin mit Model-Maßen, auch dort gab’s den Hobby-Psychologen. Und sogar jemanden (oder eigentlich mehrere), der gegen die „eigenartige“ Sündenböckin die Hand erhoben hat. Oder auch nicht, ist ja alles nicht so klar. Wegen Bohnen und so. Eh schon wissen.

Ad absurdum auf höchstem Niveau

Nein, ich war tatsächlich fasziniert. Weil der Mix der Kandidaten stimmte. Weil jeder der Kandidaten wusste, was für eine Rolle er zu spielen hatte. Bendel, der fürsorgliche, aber auch strenge Papa und Hobby-Psychologe. Gabby, die falsche Schlange. Wendler, der Möchtegern-Macho. Melanie, der Pornostar mit versteckten Talenten (sozusagen). Schumann, die Comedy-Schlaftablette. Mola, das Weichei. Winfried, der cholerische Opa. Larissa, die durchgedrehte Zicke. Gekonnt eingesetzte Strategien, gekonnte Schauspielerei, die oft gar nicht so gewollt versteckt wurde. Das war tatsächlich Echtzeit-Theater.

Es ist vollkommen egal, ob die Teilnehmer berühmt sind oder nicht – eigentlich lebt das Format ja mittlerweile davon, Wannabe-Promis von vorne bis hinten zu verarschen. Weshalb in dieser Staffel auch verstärkt quasi hinter die Kulissen geblickt wurde, als Larissa unverhohlen (klar, was sonst?!) zugab, es wäre vielleicht nicht so blöd gewesen, den Vertrag vorher im Detail zu lesen. Als wirklich jeder der Dschungel-Kämpfer vom RTL-Gehalt quasselte und dass dies der einzige Grund ihrer Teilnahme sei (denn wann, bitte schön, kriegt man das in einem Reality-Format zu hören?!). Als Tanja sogar vom kostenlosen Urlaub mit Ehemann redete. Als Winfried immer wieder betonte, sie alle würden hier Abend-Unterhaltung für 8 Millionen Zuschauer machen. Auf faszinierende Weise nahm sich dabei IBESHMHR (hehe) selbst aufs Korn, hob sich auf eine Metaebene und führte sich dabei, gleichzeitig, irgendwie, selbst ad absurdum. Während andere Reality-Formate No Names als Big Names verkaufen und das Gespielte mit aller Kraft als das Echte verkaufen, wird hier mit der Unbekanntheit der Teilnehmer gespielt, sogar darauf gesetzt, und der Aspekt der Fake-Reality sogar noch betont (wenn auch mit Maßen, zugegeben). Was machen Menschen, die mal ganz oben waren, um wieder Erfolg zu haben? Was sind Menschen bereit zu tun, wenn man ihnen nur eine große Menge an Geld anbietet? Anscheinend tierische Arschlöcher essen, tierische Körpersäfte trinken und absurde Geschicklichkeits-Übungen vollführen.

Larissa, die fleischgewordene Dschungelprüfung

Aber, ich geb’s zu: Wäre Larissa nicht gewesen, ich wäre auch dieses Jahr nicht in den Dschungel gezogen. Eigentlich bisher maßlos genervt von der selbstverliebten Kärntnerin, konnte ich jetzt nicht umhin, sie doch irgendwie ins Herz zu schließen. Sie schimpfte, heulte, lachte hysterisch, stolperte über alles, was ihr im Weg oder nicht im Weg stand. Klar, das war alles gespielt, was die Neo-Schauspielerin da abzog. Aber mit Bravour und einer furchtlosen Ausdauer, vor der man den Hut ziehen muss. So radikal, so zielgerichtet und so geschickt hat das vor ihr niemand hinbekommen. Noch nie zuvor hat ein einzelner Teilnehmer die gesamte Staffel getragen. Das muss man, Trash hin oder her, mal schaffen. Vor allem dann, wenn die Kandidaten eigentlich den ganzen Tag nichts zu tun haben. Es gab diese Staffel Folgen, die vollends auf Larissa aufgebaut waren – und es wurde keine Minute langweilig. Larissa weiß, dass man polarisieren muss, um anzukommen. Um im Gespräch zu bleiben – ein Muss bei einem Format wie IBESHMHR. Und weil das Dschungel-Theater dieses Jahr eben wirklich ein Theater war, hat sich Larissa als Method Actor perfekt eingefügt. Und die Rolle der fleischgewordenen Dschungelprüfung und zugleich des armen Mobbing-Opfers perfekt gespielt.

Melly, ich gönn’s dir!

Dass am Ende doch Melanie gewonnen hat, hat eigentlich nicht sonderlich überrascht. Eine Österreicherin siegt in einer deutschen TV-Sendung? So weit sind wir dann doch noch nicht. Und weil Melly bei den Prüfungen ja wirklich bewiesen hat, dass sie die „größten Eier“ der Dschungel-Chuzpe hat, hab ich’s ihr auch vergönnt. Und weil sie ohne Make-up um so viel besser aussieht. Und sie das hoffentlich auch bald sieht. Dass auch sie ihre Rolle perfekt gespielt hat (Gouvernante des ungezogenen Kindes Larissa), hat wohl auch zum Sieg verholfen. Melanie hat (genau wie Larissa) das immer transparenter werdende Dschungel-Spiel verstanden.

Was es Kandidaten der kommenden Staffeln schwer machen wird. Melanie kann man vielleicht noch toppen, Larissa nicht mehr. Weshalb auch diese Staffel die erfolgreichste ewa ewaa ewwwaaa war. Besser wird’s nicht mehr. Weshalb man nun vielleicht besser aufhören sollte. Es gibt schon genug Sendungen im deutschen TV, die ihren Zenit längt überschritten haben – weil ihnen die Selbstironie fehlt. DSDS ist nur eine davon.

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