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Pic of the Day: Julianne Moore (und ein kleines Loblied)

Für mich gehört Julianne Moore zu den faszinierendsten SchauspielerInnen nicht nur ihrer Generation, sondern der ganzen Geschichte Hollywoods. Sie ist nicht ganz so vielseitig wie Kollegin Meryl Streep, streng genommen spielt Moore meist sogar nur zwei Arten von Charakteren: die starke Frau mit dem weichen (und neurotischen) Kern oder die sanfte Frau mit dem taffen (und neurotischen) Kern. Aber eigentlich ist das egal, denn jede ihrer Rollen füllt sie mit einer Art von Leben aus, wie es eben nur der Moore möglich ist. Ihr porzellanhafter Teint lässt sie derart zerbrechlich wirken, als wäre sie ein Engelswesen, das irgendwie nicht so richtig zu uns Mitmenschen passt, aber gleichzeitig derart menschlich ist, dass sie uns einen Spiegel vorhält. Moore ist von derart zeitloser Schönheit, gepaart mit einem zeitlosen Talent und ein Gespür für die richtige Mischung aus Arthouse- und Mainstreamfilmen, dass sie seit Jahrzehnten zu den Big Playern Hollywoods gehört. Und liest man mal auf IMDB nach, fällt auf, dass sie tatsächlich in den besten (oder zumindest bedeutendsten) Filmwerken der letzten Jahrzehnte mitgespielt hat – ohne sich jeweils in den Vordergrund zu drängen, ohne zur Diva a la Julia Roberts zu mutieren, ohne sich den „Schaut mich an, ich bin soooo avantgardistisch“-Umhang von Tilda Swinton umwerfen zu lassen: „Boogie Nights“, „The Big Lebowski“, „Hannibal“ und „Far From Heaven“ gehören genauso zu ihrer Filmographie wie „The Hours“, „The Kids Are Allright“, „Crazy Stupid Love“ oder „I’m not there“. „Magnolia“ und „A Single Man“ rettete sie zudem vor pseudo-künstlerischer Langeweile. Moore, die Hollywoodlegende, und jetzt wird’s zwar kitschig, aber weniger wahr, lässt die Leinwand mit ihrem Auftreten – nein: ihrem Erscheinen – erstrahlen. Sie spricht nicht, sie haucht, sie geht nicht, sie schreitet. Wenn sie weint, glauben wir, es zerspränge uns selbst das Herz in der Brust. Wenn sie lacht, dann tut sie dies aufrichtig, weil mit ihr in diesem Moment die gesamte Welt zu einem besseren Ort wird. Julianne Moore beweist Mut für außergewöhnliche und vor allem intelligente Rollen und gibt zwar dem Publikum immer das, was es von ihr erwartet, verharrt aber nicht zu sehr in der „Julianne Moore-Rolle“, dass es langweilig werden könnte. Es tut jedes Mal aufs Neue gut, Moore auf der Leinwand zu sehen. Weil wir dann wissen: Es gibt noch reine Schönheit und wahre Intelligenz. Weil wir dann wissen, dass es Engel gibt.

Was das alles mit dem neuesten (und atemberaubenden!) Net-A-Porter’s The Edit-Cover mit Julianne Moore zu tun hat? Eigentlich nix. Aber für ein Loblied bedarf’s auch nicht immer einen Grund.

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