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Ein popkultureller Rückblick auf das Jahr 2013.

Für Medien und Journalisten gehört es sich einfach so, auf das sich zu Ende neigende Jahr einen Blick zuwerfen, es Revue passieren zu lassen. Da kann man dann oft wahnsinnig kreativ sein oder auch nur wahnsinnig langweilig, man kann die großen Themen, die das Jahr bestimmt haben, nochmal durchkauen oder sich an den Randthemen orientieren, um zu zeigen, wie sehr man sich nicht von der Masse abhebt und wie sehr man sich nicht eigentlich in intellektuellen Kreisen aufhält und das der Leserschaft auch unter die Nase reiben will.

Also war’s für mich ganz klar.

ICH MACHE AUCH EINEN JAHRESRÜCKBLICK!

Ob der kreativ, originell, langweilig oder beinahe sträflich gewöhnlich ist, weiß ich nicht. Ist mir auch egal, wenn ich an dieser Stelle mal so ehrlich sein darf. Das hier ist der ganz persönliche „New Shit“-Jahresrückblick. Was also alles so an Hot Shit abgegangen ist 2013, wie man auf Neudeutsch so sagen würde (oder auch nicht). „Old Shit“ also, eigentlich. Dieser Rückblick stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder will sonst irgendwie einen Querschnitt durch die gesamten vergangenen 12 Monate machen. Er soll einfach nur eine kleine Revue sein, eine Tanzrevue, eine Showrevue, eine Obskurität-Revue, eine Zirkus-Revue, eine Chanson-Revue, eine Pop-Revue, eine Lebens-Revue. Denn eins, das kann man mit ziemlicher Gewissheit sagen: 2013, das war ein aufregendes Jahr. Ein emotionales Jahr. Ein aufwühlendes Jahr. Es ist viel passiert.

 
Das Jahr der Gegensätze

Was waren wir alle stolz, als die diesjährige Academy Awards-Verleihung ganz in Zeichen von Österreich stand. Zumindest redeten wir uns das ein und besonders die Medienlandschaft fühlte sich gleich mal besser. Christoph Waltz räumte seinen zweiten Oscar ab (schon wieder für eine Rolle in einem Tarantino-Film) und Michael Haneke gewann mit „Amour“ den Auslands-Oscar. Wow, was sind wir nur für ein außergewöhnliches Filmland. „Österreichisches Filmwunder“ und so. Am Ende des Jahres ist davon aber nicht viel zu spüren: Die Besucherzahlen der diesjährigen heimischen Filmproduktionen sind wiedermal katastrophal, trotz einiger Sowas-wie-Rausreißer wie eben „Amour“, „Alphabet“ oder auch ein bisserl „Paradies: Hoffnung“. Hoffnung versprach auch Barack Obama, der zum zweiten Mal ins Präsidentenamt gewählt wurde, seitdem aber nicht allzu Weltbewegendes zustande gebracht hat. I love him anyway. Lieben tu ich auch die Aguilera Christina, die sich im Jänner noch rund und g’sund präsentiert hat, im Oktober aber plötzlich um gefühlte 100kg schlanker war – und keiner wusste, wie die Gute das gemacht hat. Dann lieferte sie im Dezember auch noch eine MirbleibtderMundoffenstehen-Performance mit Eigentlich-Konkurrentin Lady Gaga ab, was so gegensätzlich eigentlich gar nicht ist. Davor kreierte sie zusammen mit A Great Big World noch den wunderschönsten Lovesong des Jahres. Was schon gar nicht gegensätzlich ist. Sehr gegensätzlich zum bisherigen Image auch Miley Cyrus, die sich durchs Jahr ge-twerkt und gesexelt hat, und nun sicher mit Zungen-Muskelkrampf und Blasenentzündung im Bett liegt, weil sie dauernd halbnackt auf einer Abrissbirne herumgeschaukelt ist. Halbnackt ist auch Adam Levine gern, dessen „Sexiest Man Alive 2013“-Titel sehr gegensätzliche Meinung in der um Schönheit bemühten Gesellschaft hervorgerufen hat. Und weil man sich ja so sehr um Schönheit sorgt, gab’s dieses Jahr das erste Mal eine Barbiepuppe mit realistischen weiblichen Maßen. Und, ach ja, Justin Bieber nervte auch 2013. Das ist nicht ungewöhnlich, gegensätzlich schon gar nicht, soll aber nicht unerwähnt bleiben.

Das Jahr der Abschiede

Ich weiß ja nicht, was los war, aber dieses Jahr sind sehr, sehr viele große Menschen gestorben. Von uns gegangen. Marcel Reich-Ranicki, Margaret Thatcher, Paul Walker, Cory Monteith, Lou Reed, Brigitte Neumeister, James Gandolfini, Tom Clancy, Peter O’Toole, Lynne Kieran und natürlich Nelson Mandela. Nun ist auch noch Michael Schuhmacher schwer verunglückt und kämpft um sein Leben. Natürlich, jedes Jahr sterben Millionen an Menschen, viele von ihnen herzensgut, viele von ihnen ihrem Schicksal überlassen, wie all die Armutsopfer in der Dritten Welt. Und natürlich fragt man sich, wieso hier die Welt nicht genauso Anteil nimmt wie am Tod von SchauspielerInnen. Das mag oberflächlich, fast schon sarkastisch sein, aber auch erklärbar: Zu Walker, Reich-Ranicki, Monteith oder Gandolfini (und ich nenne sie absichtlich in einem Atemzug) haben wir eine Verbindung, sie haben uns zu irrwitzigen Abenteuern eingeladen. Sie sind näher an unserer Lebensrealität als die Menschen in Afrika, und wir können auch ohne schlechtes Gewissen trauern, weil „wir konnten ja eh nix tun“ (im Gegensatz zum Afrika-Thema, aber über das reden wir ja nicht gerne). Mandela aber, der hat immer alles getan, was er konnte, und hat bis zuletzt nicht aufgehört, für eine bessere Welt zu kämpfen. An eine bessere Welt zu glauben. Dass da die Menschen über Nationalitäten hinweg trauern, ist dann nicht mehr sarkastisch. Sondern der Sache gebührend. Wenn Österreich dem Begräbnis eines Helden aber fernbleibt, fragt man sich einmal mehr, wo die Prioritäten bei Staatsoberhäuptern wirklich liegen.

Das Jahr des Heimatgefühls

Und nochmal frage ich mit völliger Überzeugung: WTF?! Schlager- und Volksmusik erlebten 2013 ein Revival, das bereits 2012 begann, dieses Jahr aber seinen Höhepunkt fand. Unter-30-Jährige pilgern mit immer größerer Begeisterung zu Konzerten von Helene Fischer, Beatrice Egli und – eh kloa! – Andreas Gabalier. Und das ohne Mama und die Oma. Fischer ist die Lady Gaga der Schlagerbranche, wird gern gesagt, und die sonnt sich unter diesem Titel. Gabalier kommt immer noch notstandig wie eh und je rüber und versprüht soviel Sex, dass man keine Alm mehr mit denselben Augen sieht wie früher. Andrea Berg verkauft bei uns mehr Platten als…naja…Lady Gaga, hüllt sich gern in Lack und Leder, spricht aber trotzdem vom Weltfrieden. Sie ist die Protofrau dieses Genres: Irgendwo zwischen Verruchtheit und Niedlichkeit, zwischen Schunkeln und Abtanzen. In den USA macht man schon lange keinen großen Unterschied zwischen Pop- und Countrymusik mehr und auch in Deutschland und Österreich verschwimmt diese Grenze immer mehr. Früher hat man Schlager heimlich gehört, heute trägt man die Sehnsucht nach Texten zum Mitsingen und nach einem Idol, das dieselbe Sprache spricht wie man selbst, stolz in die Welt hinaus. Von daher: Ich versteh’s dann doch. Nachvollziehen kann ich’s aber nicht. Weil die Musik einfach nicht besser wird, auch wenn die Interpreten immer sexier werden.

Das Jahr der Outings

Über die Homo-Ehe und das Adoptionsrecht von Homosexuellen wurde viel, sehr viel dieses Jahr diskutiert. Putin verhängte über Russland ein Anti-Schwulenpropaganda-Gesetz und wurde dadurch noch sympathischer, als er eh schon war. Und zwischen all dem Geschimpfe, Gekreische, Geheule und (zu Recht!) Aufgeschreie haben etliche Stars heuer erkannt, dass es nichts gibt, was versteckt werden müsse. Nichts, was man nicht der Welt mitteilen könne. Also outete sich als erstes „Prison Break“-Star Wentworth Miller als schwul, unter großer medialer Aufmerksamkeit natürlich. Ihm folgten Andrew Scott („Sherlock“), Jodie Foster, Maria Bello, Michelle Rodriguez, Clive Davis, Voctor Garber, Robin Roberts und nicht zuletzt Olympia-Sieger Tom Daley, dessen süße YouTube-Videobotschaft so viel mehr war als ein weiteres Outing: Daley weigert sich nämlich, sich als „schwul“, „bisexuell“ oder „hetero“ zu bezeichnen, lebt sein Leben außerhalb dieser Kategorien (und ist der Gesellschaft somit weit voraus) und liebt einfach den Menschen, der sein Herz zum Hüpfen bringt. Unerheblich des Geschlechts. Wie es eigentlich auch sein soll. Vielleicht hat ja das homophobe Gesetz in Russland dazu beigetragen, dass das Private wieder Politisch wird und man wieder mehr über die eigene Sexualität spricht. Denn wenn man das schon nicht in Russland darf, dann wenigstens im Rest der Welt. Und auch gerne via Medien: Für die deutsche GQ küssten sich männliche Promis wie Herbert Grönemeyer und Johannes Strate, um auf gesellschaftliche (und insbesondere russische) Homophobie hinzuweisen. Die Kampagne stieß auf große internationale Resonanz.

(Christiano Ronaldo ist auch schwul. Sagte Rihanna. Ronaldo sagte dazu nichts. Ich also lieber auch nicht.)

Das Jahr des Comebacks

Justin Timberlake hat 2013 gezeigt, dass man sich einfach nur einen Suit und eine Tie anziehen, zehnminütige Songs, die sich jedem Genre entziehen, aufnehmen und mit Jay-Z kollaborieren muss, um auch nach einer sieben-jährigen Pause wieder on top zu sein. Vorbei die Zeiten des Popboy-Images, Timberlake ist tatsächlich erwachsen geworden. Das Doppelalbum „The 20/20 Experience“ ist eine mutige Konzeptplatte und das Beste, was uns heuer musikalisch geboten wurde. Auch Robbie Williams und sogar der verschollen geglaubte Eminem wollten es dieses Jahr nochmal wissen und knüpften für ihr Comeback an alte Zeiten an: Eminem stürmte mit „The Marshall Mathers LP 2“ die Charts, Williams lieferte mit „Swings Both Ways“ eine Fortsetzung seines Swing-Erfolgsalbums aus 2001. Hat funktioniert, das (gesetztere) Publikum kreischt immer noch. Und auch Lady Gaga schaffte es mit ihrem lang erwarteten Album „Artpop“ an die (beinahe) weltweite Chartsspitze, Kritiker und Fans waren aber nicht begeistert von dem, was sich ihren Ohren da auftat. Nicht mehr als Mittelmaß sei die Platte, so der Kanon. Gaga ist’s wurscht und verkleidet sich immer noch gern. Weil jeder Tag halt Fasching ist. Auch 2013. Beyonce hatte zwar kein Comeback, weil die Gute sowieso nie weg ist, überraschte dafür jeden mit ihrer neuen selbstbetitelten Scheibe, die sie vollkommen überraschend auf iTunes veröffentlichte – 13 Musikvideos inklusive. Sehr g’scheit, sehr innovativ. Oder der Frau ist einfach nur langweilig.

Das Jahr der außergewöhnlichen Schauspielerinnen

Es begann, als sie bei den Oscars stolperte, als sie sich ihren Award für die Beste Schauspielerin abholen durfte: seitdem erobert Jennifer Lawrence die Welt und unsere Herzen im Sturm. Frei und ohne Scham spricht sie über persönliche Makel, über Butt-Plugs, schert sich nicht um Haute Couture und isst das, worauf sie Lust hat. Ihr Lachen ist dreckig und entwaffnend zugleich, sie ist das Girl von Nebenan, ohne aber den Fadheits-Faktor. Soviel Lockerheit kennt man sonst nur von (sorry!) Lawrences männlichen Schauspielkollegen. Und von Sandra Bullock. Mit „Gravity“ ist der 39-Jährigen nach „Blind Side“ der zweite Kritiker- und Publikumshit innerhalb kurzer Zeit gelungen. Was Bullock da allein im All herumschwirrend uns, die wir an die Erde gefesselt sind, fühlen lässt, ist mindestens eine weitere Oscar-Nominierung wert. Und auch Angelina Jolie bewies dieses Jahr einmal mehr, was für eine außergewöhnliche Frau sie ist: Aus Angst, an Brustkrebs zu erkranken, ließ sie sich beide Brüste abnehmen. Und sprach öffentlich über diese Entscheidung. Die polarisierte zwar, machte vielen Frauen aber auch Mut und lenkte mediale Aufmerksamkeit auf das wichtige Thema der Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchung. Zwar vollkommen anderes Thema, aber trotzdem: Es hat mich auch 2013 gewundert, wie konsequent der Mainstream über die Ausnahme-Schauspielerin Amy Adams hinwegsieht. Die Gute heimst eine Oscar-Nominierung nach der anderen ein, spielte in den wichtigsten und erfolgreichsten Filmen der letzten Jahre mit (u.a. „The Fighter“, „The Muppets“, „Man of Steel“, „Doubt“), gehört zu den bestverdiendsten Schauspielerinnen Hollywoods, lieferte auch in „American Hustler“  2013 eine tadenlose Performance ab – und ist immer noch zu keinem Household-Name geworden. Wahrscheinlich, weil sie den Gossip-Magazinen keinen Stoff bietet. Und nur Kunst und Talent, tja, das reicht halt leider doch nicht.

Das Jahr der seriellen Kreativität

Schon 2012 übertrumpften sich TV-Serien mit immer spektakuläreren Plots, 2013 ging’s genauso innovativ und kreativ weiter. Was war das nicht für ein Jahr für Serienjunkies! Die Überdrüber-Serie „Breaking Bad“ ging mit ihrem Finale in die Annalen der TV-Geschichte ein (meist ge-tweetete Serie!), „Downtown Abby“ begeisterte weiterhin, Stephen King’s „Under the dome“ polarisierte zwar, war aber alles in allem feine TV-Unterhaltung. Und dann, natürlich, Netflix: Serien wie „Orange is the new black“ und „House of Cards“ bewiesen, dass es keinen großen TV-Sender im Rücken braucht, um spannende, innovative, qualitätsvolle und neuartige Geschichten zu erzählen. „How I met your mother“ musste für seine finale Staffel (die immer noch läuft, no worries!) herbe Kritik einstecken, für mich gehört die Story rund um Ted Mosby jedoch immer noch zu den besten Sitcoms der letzten Jahre. Genauso wie „Modern Family“, die im fünften Jahr nichts von ihrem Charme verloren hat. Über „Game of Thrones“ kann ich leider nix schreiben, weil’s mich so gar nicht interessiert, aber, so habe ich mir sagen lassen: Gute Story, gute Schauspieler, gute Dialoge. Ach ja, „Private Practice“ ging dieses Jahr auch zu Ende. Hat aber irgendwie keinen so richtig interessiert. Dafür startete „Arrow“ höchst erfolgreich im deutschen TV, was ich auch nicht nachvollziehen kann, weil die Serie meiner Meinung nach außer den Körper von Stephen Amell nicht viel bieten hat. Am schwersten unter den TV-Serien hatte es dieses Jahr sicherlich „Glee“, die plötzlich ohne Hauptdarsteller auskommen musste und noch immer nicht so recht weiß, wie sie mit dem Splitting NYC/McKinley umgehen soll. Emotionen weckt die Serie dafür immer noch in mir wie nur wenig andere.

Das Jahr des Shoppens

Wer gerne shoppt, der hat das auch 2013 weiter gerne getan. Wer gerne fernschaut, hat das dieses Jahr (wahrscheinlich) auch gerne getan. Wer gerne shoppt UND fernsieht, der war 2013 im siebten Himmel. Das VOX-Format „Shopping Queen“ mit Knuddelbär `(und ja, Modedesigner) Guido Maria Kretschmer wurde heuer endgültig zum Kult, zum Gesprächsthema in der Mittagspause, in Schulhöfen, in Kaffeehäusern, in Schwulenbars, beim Frisör und sowieso überall. Nur nicht in Shops selbst, denn da ist man seitdem voller Hektik damit beschäftigt, innerhalb von vier Stunden 500 Euro auszugeben. Oder innerhalb von einer Stunde 50 Euro, das Geld ist ja dieses Jahr nicht mehr geworden. Shopping ist zum Sport geworden, Fashion und Stil einmal mehr zur Lebenseinstellung. Auf diesen Zug wollte auch ProSieben mit „Fashion Hero“ aufspringen, hat aber, zumindest quotenmäßig, nicht ganz so geklappt (vollkommen zu Unrecht, wie ich finde). „Shopping Queen“ hat mich auf jeden Fall verändert. Das habe ich das erste Mal gemerkt, als ich beim Shoppen meiner Freundin von den beäugten Klamotten abriet – mit den Worten: „Dieses Outfit tut so gar nichts für dich.“

Und, weil ich es gerade im Internet gefunden habe: Die beliebtesten Stars auf tumblr im Jahr 2013:

Actors
Benedict Cumberbatch
Jensen Ackles
Matt Smith
Jared Padalecki
Misha Collins

Actresses
Jennifer Lawrence
Emma Watson
Vanessa Hudgens [Official Tumblr]
Lea Michele
Kaya Scodelario

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