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Es wäre so einfach, die Märchen-Fantasy-Serie „Once upon a time“ (ABC) zu kritisieren, schlecht zu reden. Sich gar über sie lustig zu machen. Schneewittchen und die böse Hexe sind die Hauptfiguren, die Dialoge kommen oftmals zu gestelzt daher und offensichtlich wurde beim Budget am meisten bei den Special Effects gespart. Es wäre so einfach. Nur: Diese Kritikpunkte kommen meist von jenen, die sich mit der Serie nur oberflächlich auseinandersetzen.

Denn spätestens nach der ersten Hälfte der ersten Staffel hat „Once upon a time“ („OUAT“) einen an der Angel. Hat einen in seine fantastische Märchen-Welt hineingezogen, in der man Kind und Erwachsener gleichzeitig sein darf. Mittlerweile läuft in den USA höchst erfolgreich die dritte Staffel, im deutschen TV dümpelt gerade die zweite Season nur ganz knapp oberhalb der Wahrnehmungsgrenze dahin. Wieso? Weil hier derselbe Fehler wie bei „Glee“ gemacht wurde: Weil auf den ersten Blick nur die ganz junge Zielgruppe angesprochen wird, werden beide Shows am Kinder-Sender Super RTL abgespeist. Und da schaut natürlich keiner zu, auch nicht in der Prime Time. Schon gar nicht die Kleinen, denn: „OUAT“ ist genauso wenig wie „Glee“ eine Kinderserie. Sondern überrascht mit düsteren Storyplots, überraschenden Twists und einem komplizierten Serienuniversum.

Weshalb ich hier mal offiziell eine Lanze für „OUAT“ brechen möchte. Und fünf Gründe nenne, wieso die Serie rund um Jennifer Morrison und Ginnifer Goodwin zur derzeit besten TV-Unterhaltung gehört.

1. A Land, a fairy tale-land. Far far away.

Die besten Serien sind jene, die eine dichte, verzweigte und immer größer werdende Welt kreieren, die Woche für Woche immer spannender und faszinierender wird und uns mit ihren ganz eigenen Regeln in ihren Bann zieht. Man denke natürlich an „The X-Files“ und „Supernatural“, beides Koryphäen in diesem Gebiet, aber auch an „Buffy“, „Charmed“ oder „Fringe“. Während bei diesen Serien die Welt rund um den Figuren immer verrückter und fantastischer wird und wir mit ihnen gemeinsam diese Welt entdecken, geht man bei „OUAT“ einen etwas anderen Weg: hier besteht der Suchtfaktor darin, die Vergangenheit der Figuren mehr und mehr zu erkunden. Während Flashbacks allerdings sehr schnell billig und unmotiviert wirken können („Arrow“, hellooo!), greift „OUAT“ zu einem sehr klugen Trick: Die Figuren wissen selbst nicht, wer sie sind. Amnesie?! Been there, done that?! Nicht ganz: Wenn Schneewittchen oder Rotkäppchen nicht wissen, wer sie wirklich sind (wir aber schon) und sich in unserer Welt, einer Welt ohne Magie, herumschlagen müssen – mit einer Identität, die gar nicht die ihre ist – ja, dann hat das schon was. Die Flashbacks in „OUAT“ funktionieren deshalb, weil wir durch sie erfahren, wer die Figuren „wirklich“ sind, welche Ereignisse zu ihrem aktuellen Schicksal beitrugen und welche Charaktereigenschaften einfach nicht tot zu kriegen sind. Auch wenn die Prämisse der „vergessenen Vergangenheit, des vergessenen Ichs“ ab der zweiten Staffel aufgehoben wird, tragen die Flashbacks weiter dazu bei, das Seelenleben von Rumpelstilzchen, Pinocchio und Co., aber auch das fremde Märchenland zu erkunden.

2. When Snow White meets Little Red Riding Hood meets Cpt. Hook meets Rumpelstiltskin

Mal ganz ehrlich: Wer von uns hat nicht Spaß daran, sich Märchenfiguren in unserer modernen, ach so aufgeklärten Welt vorzustellen? Auch Fotografen erregen immer wieder mit Sujets Aufmerksamkeit, die Dornröschen als Crack-Nutte oder Schneewittchen als frustrierte Hausfrau abbilden.

Und genau mit diesem Vergnügen arbeitet „OUAT“. Die Serie katapultiert berühmte Märchenfiguren in unsere Zeit, ohne aber die wahre Identität von Schneewittchen und Co. zu vergessen. Eben diese ist plötzlich eine pazifistische Grundschullehrerin, die Menschen und Tiere gleichermaßen liebt, im Grunde ihres Herzens aber eine tapfere Kriegerin ist. Prince Charming ist der Traummann schlechthin, um den sich die Frauen streiten, das sexy Rotkäppchen jobbt im Café ihrer Grams, die gute Fee ist die Dorf-Nonne und die Böse Hexe agiert nun als intrigante Politikerin, die nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Das macht Spaß.

Wäre aber für eine langfristige befriedigende Serienunterhaltung zu wenig. Also nehmen es die Autoren von „OUAT“ mit dem Grundplot der diversen Märchen nicht so genau und erlauben sich hier große (sehr große!) kreative Freiheit. Rotkäppchen zum Beispiel ist hier selbst der böse Wolf, in den sie sich zu Vollmond verwandelt, Peter Pan ist auch böse, die Herzkönigin aus „Alice in Wunderland“ ist in Wahrheit die Mutter der Evil Queen aus „Schneewittchen“ und Rumpelstilzchen zieht die Fäden hinter eigentlich allen bekannten Märchengeschichten. Die jahrhundertealten Geschichten bekommen ein neues, modernes, aufregendes Gewand, die verschiedenen Märchen verstricken sich von Staffel zu Staffel immer mehr ineinander. So wie es auch seinen Reiz hat, sich Crossover von verschiedenen Serien vorzustellen, so macht es auch Spaß, Pinocchio mit Rumpelstilzchen, Captain Hook mit Belle oder Schneewittchen mit Rotkäppchen (die übrigens BFF sind, klar!) agieren zu sehen. Und: Von Staffel zu Staffel bereichern immer mehr Märchenfiguren das „OUAT“-Universum. Ein bisserl wie eine einzige große Themen-Party.

3. Whaaaat?!

Zumindest für mich ein Hauptgrund, wieso ich mich bei „OUAT“ bestens unterhalten fühle, sind die vielen, wirklich vielen, und wie aus dem Nichts kommenden und überraschend düsteren Plottwists, mit denen die Serie beinahe jede Episode aufwartet. Als geübter Serienliebhaber weiß man recht schnell, wie sich eine Story entwickelt. Wenn sie bekannten Pfaden folgt. „OUAT“ schafft es aber, diese ausgetretenen Pfade zu verlassen und mich beinahe wöchentlich so zu überraschen, dass ich all zu oft mit offenem Mund dem Geschehen verfolge. Und nicht glauben kann, was da gerade passiert ist. Hat Captain Hook wirklich … Ist Archie tatsächlich … wie kann Schneewittchen … und ist Rumpelstilzchen in Wirklichkeit ….
Nur soviel, es sollen ja keine Inhalte verraten werden: Im „OUAT“-Universum sind irgendwie alle miteinander verwandt. So sehr, dass es die Figuren manchmal selbst nicht mehr ganz verstehen.

Zudem gibt es herrliche Metaphern, an denen Philosophen ihre größte Freude hätten: Im „OUAT“-Universum wird das Herz buchstäblich aus dem Körper gerissen, in den Händen des Feindes gelegt, was zwar schmerzt, einen aber nicht tötet. Was ist das „wahre Ich“, gibt es einen „echten“ Identitätskern? Sind wir alle nur „gut“ oder „böse“? Folgen wir einem vorbestimmten Lebensweg oder haben wir unser Schicksal selbst in der Hand? Fragen, die „OUAT“ seit der ersten Episode an bestimmen.

4. When actors go to fairy land

Mit Überzeugung Rotkäppchen oder die Böse Königin zu spielen, ist sicher nicht immer einfach. Und könnte sehr leicht schiefgehen, zu einer billigen Satire verkommen. Der Cast von „OUAT“ überzeugt aber auf ganzer Linie und ist bis in die kleinste Nebenrolle nahezu perfekt besetzt. Trotzdem stechen vor allem Lana Parrilla als „Evil Queen“, Colin O’Donoghue als „Captain Hook“ sowie die Kinostars Robert Carlyle („Rumpelstilzchen“) und Ginnifer Goodwin („Schneewittchen“) heraus, die ihre Rollen mit Leib und Seele verkörpern und den bekannten Märchenfiguren ein neues Gesicht verleihen, das man von Beginn an nicht nur akzeptiert, sondern lieb gewinnt. Oder mit Liebe hasst, wie es bei der Bösen Königin der Fall ist. Sie, aber auch der Rest des Casts geben den Figuren Ecken und Kanten und erlösen sie aus der schwarz/weiß-Zeichnung der jeweiligen Ursprungsgeschichte. Keine der Figuren ist weder gut noch böse (wie man es bei einer Serie über Märchen erwarten würde), was über die oftmals erzwungenen Dialoge hinwegsehen lässt. Und nie gab es eine epischere Love-Hate-Beziehung als jene zwischen Schneewittchen und der Bösen Königin.

5. Fairy tales are sexy

Ja, ich gebe es zu: „OUAT“ ist verdammt sexy. Was zum Funfaktor nicht unerheblich beiträgt, auch das gebe ich zu. Die Böse Königin war wohl die Carrie Bradshwaw in der Märchenwelt, so ausgefallen und auch aufreizend sind ihre Kostüme. Und all die sexy und knackigen Prinzen, Sheriffs, Jäger und Captains tun das Übrige, um „OUAT“ nicht zum Kindergeburtstag verkommen zu lassen. Josh Dallas als Prince Charming und Colin O’Donoghue alias Cpt. Hook gehören zum Feinsten, was die aktuelle TV-Landschaft an männlichen Helden zu bieten hat. Übrigens ist auch Jamie Dornan, der kommende „Christian Grey“, (wiederkehrender) Teil des Märchen-Casts. Was wohl schon ziemlich viel aussagt.

Ob also der Bad Boy, der mit einem auf seinem Piratenschiff durchbrennt, der beschützende sexy Sheriff oder der sprichwörtliche Märchenprinz – hier gibt’s für alle das passende Eye Candy. Denn man wird ja noch träumen dürfen.

 

 

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