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Da sitzt man nichts ahnend im Zug, scrollt gelangweilt durch die Facebook-App (man hat ja nichts besseres zu tun), und dann, plötzlich, einfach so: ein Bild von Christina Aguilera und Lady Gaga. Zusammen. Live. Auf der Bühne. „Fake“, denk ich mir, aber Journalist, wie ich nun mal bin, recherchiere ich gleich mal. Auf YouTube.

Und tatsächlich: Christina „The Voice“ Aguilera und Lady „Gaga“ Gaga, zwei der größten Diven der Musikgeschichte, live zusammen auf der Bühne. Geschehen, gesehen und gehört am Dienstag, 17.12., beim Finale der fünften THE VOICE-Staffel in den USA. Dort performte Lady Gaga nämlich ihren neuesten Hit „Do what u want (with my body)“. Was wie ein weiterer und altbekannter Gaga-Auftritt beginnt (witzige Posen, aberwitzige Mimik, irrwitzige Kostüme, schlechter Song, tolle Stimme), wandelt sich plötzlich zum Pop-Ereignis der Superlative. Denn da erscheint Aguilera auf der Bühne und stimmt in den Gaga-Hit mitein. Einfach so.

Hätte ich mir nicht gedacht, dass ich das noch erleben darf.

Denn, um meiner Gossip-Leidenschaft jetzt mal nachzugeben: Die beiden galten lange Zeit als erbitterte Rivalinnen. Geschimpft sollen sie über die jeweils andere haben, die Ideen geklaut, den Thron streitig gemacht haben. Legendär damals Aguileras Reaktion, was sie so von „dieser neuen Sängerin“, dieser Gaga, so halte: „Gaga who?!“ Und, so meint es zumindest Überdrüber-Klatschtante Perez Hilton, soll Gaga auch noch Aguileras Karriere boykottiert haben und schuld am (leider auch legendären) „Bionic“-Flop gewesen sein.

Aber: what’s past is past. Let’s live the moment.

Und der schaut so aus: Aguilera und Gaga präsentieren sich als Retro-Pop-Diven-Twins, die irgendwo (zumindest stylish) zwischen den 70ern und der 80ern stecken geblieben sind und locker im „Studio 54“ Karriere hätten machen können. Beinahe hypnotisierend bewegen sie sich zur Melodie, sind stets im Takt, verpassen keinen Rhythmus. Sie vervollständigen die Performance der anderen, ohne zu rivalisieren. Die Stimmen (und auch die Körper) umschmeicheln einander, und fast wartet man auf einen zweiten „Britney-Madonna-Kuss“. Der nicht kommt, Gott sei Dank. Wäre dann doch zu sehr „Been there, done that“ gewesen. Dafür gibt’s demonstratives Händchenhalten und am Ende sogar Brüder…ähm…Schwesternschaft-Trinken.

Klar, man will uns hier zeigen: Sehr her, die ganze Rivalität, die war immer nur erfunden. Wir sind Freundinnen, wir unterstützen einander, wie es starke Frauen nun mal tun. Nichts als Respekt hier. Das mag man glauben oder nicht, die Message stimmt jedenfalls und kommt, liest man sich die Reaktionen der Fans im Netz durch, auch an. Es herrscht Ausnahmezustand. Everybody talks about it. Den Karrieren der beiden wird es nicht schaden.

Das Interessanteste aber: Wer von den beiden singt denn nun besser? Hat die bessere Stimme? Da gehen die Meinungen natürlich auseinander, teilen sich in „Team Xtina“ und „Team Gaga“. Das ist okay so. Fakt ist: Gaga kann überraschend mit Aguileras Powerstimme mithalten, auch wenn es manchmal ein bisschen zu bemüht klingt und Aguilera sich bewusst zurückzuhalten scheint (ist ja auch Gagas Song und gehört sich einfach so). Trotzdem: überraschend harmonisch klingen die Stimmen zusammen, das Gesangsduett bewegt sich auf gleich hohem Niveau wie Gagas Kollaboration mit Beyonce („Telephone“). EIn bisschen wirkt Aguilera wie Gagas große Schwester, die „erste Gaga“, die, das darf man auch sagen, ihr den Weg geebnet hat. Und so einiges Gaga schon vorweg nahm (verrückte Outfits zum Beispiel oder sich bei jeder Möglichkeit auszuziehen). So ist sie es auch, die Gaga dann beschützend auf der Bühne in den Arm nimmt. Und wenn man von Aguilera als Wegbereiterin spricht, dann kommt man sich durchaus alt vor („Genie in a bottle“ debuttierte vor 14 Jahren!)

Also, ich geb’s zu: Ich bin begeistert. Und schaue mir den Auftritt immer und immer wieder an. Weil hier zwei Damen auf der Bühne stehen, die jede für sich mehr Bühnenpräsenz hat als all ihre Pop-Tralala-Kolleginnen zusammen. Bravo, Ladys. Ich warte auf weitere Zusammenarbeit.

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