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Julian Laidig hat verstanden, worum es in der Fotografie geht: Um Schönheit. Um Eleganz. Um Gefühle. Um Geschichte. Um Solidarität. Um Mut. Um Zivilcourage. Und ja, seine Models sehen schon richtig gut aus.

 

_MG_4132In schwulen Kreisen (darf man das sagen? Gay Community? Schwuler Tantentratsch? Schwule Szene?) kennt man Julian Laidig schon viele Jahre. Weil er sich binnen kürzester Zeit mit seinen ästhetischen Fotos attraktiver Männer einen Namen machte. Und damit hatte er beim starken Geschlecht schon mal einen großen Stein im Brett.

Sexy Typen fotografieren. Hm. Das gefällt doch per se, möchte man nun meinen. Vielleicht. Aber Laidigs Porträts blicken hinter die Fassade des Models, fangen die Gefühle, die Geschichte ein – also all das, was einen Menschen ausmacht. Das sieht man auch an den Fotoserien, die Laidig kokett nach den Vornamen seiner Models nennt: Da gibt es Anton, der uns ein bisschen in die 50er Jahre zurück versetzt und der verträumt und selbstsicher zugleich zu sein scheint. Der weiß, dass er alle haben kann, und doch nach THE ONE sucht. Dann gibt es Felix, den urban guy, der aber früher mal am Land gelebt zu haben scheint und sich selbst gerade in der big city neu entdeckt. Oder Thomas, der sich irgendwie in unsere Zeit verirrt hat und nicht genau weiß, was er mit all der Chaos und dem Irrsinn um ihn herum anfangen soll.
Natürlich fotografiert Laidig auch Frauen, und das nicht mit weniger Talent: Martina zieht einen sofort in ihren Bann, die lebendige Skulptur, die unnahbare Diva, die nicht von diesem Stern zu sein scheint. Oder Tereza, die avantgardistische Künstlerin, mit der man sich besser nicht anlegen sollte.

Bei all den eingefangenen Gefühlen, all den ins Bild gepressten Lebensgeschichten ist es eigentlich eine logische Konsequenz, dass Laidig sich nicht damit zufrieden gibt, schöne Menschen abzubilden. Er will mit seinen Werken in das gesellschaftliche System eingreifen, die Welt verändern (wie das die jungen Leut‘ halt so gern tun!). Schon zu Beginn seiner Karriere erregte er mit der HIV-Präventions-Kampagne besafe viel Aufsehen. Und, spätestens jetzt ziehen wir den imaginären (oder auch nicht, kann ja sein…) Hut: Im September diesen Jahres wurde Laidig und seinem Team im Rahmen der „reminders night 2013“ der Zivilcouragepreis verliehen – für das Projekt www.open-your-mouth.eu. Worum’s da geht? Um das Zur-Wehr-Setzen gegen die homophoben gesellschaftlichen und rechtlichen Entwicklungen in Russland. Da ließen sich sogar Promis wie Thomas Hermanns, Patrice, Rolf Scheider oder Gabi Decker nicht lange bitten, um zu sagen, was gesagt werden muss. Kompliment!

Aktuell ist Julian Laidig als selbstständiger Fotograf in Berlin tätig.

 

Name: Julian Laidig

Alter: 23

Fotograf bin ich seit: 2005. 

Wie geht es Dir: Der Jahreszeit entsprechend ganz gut.

Das fotografiere ich am liebsten:  Ausdrucksstarke Gesichter.

Fotografie bedeutet für mich …: Geschichten zu erzählen.

Meine Fotos sind…: reduziert und schlicht.

Erotik ist für mich…: Spannung zu erzeugen. 

Hast Du an Deiner Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Deine Arbeit zu Deiner Karriere geführt?
Soweit ich mich erinnern kann, habe ich schon als Kind versucht, die Pfade zu legen, die ich später mal gehen werde. Bis jetzt hat es ganz gut funktioniert.

Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg – was ärgert Dich mehr und warum?

Erfolg ist oft das Ergebnis seiner vorhandenen Kontakte. Ich würde sagen ungerechtfertigte eigene Misserfolge ärgern mich mehr, steigern allerdings auch meinen Ehrgeiz.

Was macht Dich trauriger – unerfüllte Träume, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?
Weder das Eine, noch das Andere. Unerfüllte Träume könnten noch wahr werden, erfüllte Träume haben mir doch bisher ein schönes Leben bereitet.

Das ist neu und gut: Die Erfahrungen, die ich tagtäglich sammle.

Das ist neu und schlecht: Die gesellschaftliche „Entwicklung“ in Russland.

Das letzte Mal habe ich gelacht, als…:  … sich jemand über mich – auf freundliche Art und Weise – lustig gemacht hat.

Das letzte Mal habe ich geweint, als …: 
… nach der Abschlusskundgebung der Demo „Enough is Enough – Open Your Mouth“ gegen Homophobie in Russland, die ich zusammen mit sechs Freunden organisiert habe, einige der über 9000 Demonstration zu uns gekommen sind um sich persönlich bei uns für diesen Tag bedankt haben.

Wie leicht fällt es Dir, mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihm im Bett wäre?
Berufsbedingt sehr leicht. Wenn ich mir jedes Mal vorstelle, wie eines meiner Models im Bett wäre, dann könnte ich 1. nicht konzentriert arbeiten und 2. wäre meine Seriosität dann wohl auch dahin.

Lebenslanger aufregender, absolut geiler Sex , dafür Führerschein aufgeben. Oder Führerschein behalten inklusive tolles Auto – was würdest Du wählen? Oder gibt es einen fairen Deal?
Von einem Führerschein inklusive einem tollen Auto hätte ich mehr.

Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?
Nachforschen. Ob das allerdings die ultimative Lösung ist, sei dahin gestellt.

Besitzt der Mensch einen freien Willen? Gibt es Deiner Meinung nach einen Beweis dafür?
Ich glaube an Schicksal, welches uns bestimmt und durch das Leben leitet.

Das gibt es beruflich Neues bei mir:  Ich bin am Ausprobieren verschiedener Dinge. Um was es sich genau handelt, will ich aber momentan nicht verraten.
www.julianlaidig.com

 

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