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Der Online-VoD-Service Netflix liefert für Serienjunkies auch die kommenden Jahre mehr als vielversprechenden Stoff. Unter anderem sollen fünf Superhelden-Serien umgesetzt werden.

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Wenn es um aktuellen (und vor allem zukünftigen) TV-Genuss geht, kommt man am US-amerikanischen VoD-Service Netflix derzeit nicht vorbei. Die Qualitäts-TV-Serien-Plattform mischt spätestens seit der Politthriller-Serie „House of Cards“, die dieses Jahr für sagenhafte neun Emmys nominiert wurde (als erste Serie, die nicht ursprünglich für das TV kreiert wurde!), kräftig im Serienfach mit. „House of Cards“ mit den Topstars Kevin Spacey und Robin Wright  Penn setzte neue dramaturgische und narrative Maßstäbe, die Wiederbelebung der Kult-Comedy „Arrested Development“ sorgte weltweit für Begeisterungsstürme, und auch die Gefängnis-Dramedy „Orange is the New Black“ gilt unter informierten Serienfans als neues Entertainment-Juwel.

Ja, ohne Netflix geht zurzeit nix. Klar, denn der Clou des Streaming-Service trifft den aktuellen „binge viewing“-Zeitgeist derart haargenau, wie es keinem anderen TV-Sender möglich ist: Anstatt nur eine Folge pro Woche stellt Netflix die gesamte Staffel auf einen Schlag online. Womit einem „Fernschauen bis zum Umfallen“ (eben „binge viewing“) an einem verregneten Wochenende nichts mehr im Wege steht. Man kann es aber auch anders ausdrücken: Netflix ermöglicht einem, tiefer und konsequenter in die jeweilige Serienwelt einzutauchen. Sogar so tief, dass man manchmal sogar darin zu ertrinken droht. Man wird Teil seiner Lieblingsserie. Und es gibt bei weitem Schlimmeres.

Und weil Netflix in Wirklichkeit ein Drogenkartell ist, das uns regelmäßig mit süchtig machendem Stoff versorgt, der uns davon abhält, in der Realität zu leben, tut das Streaming-Portal derzeit alles, um uns an der Nadel zu halten. Und liefert Stoff. Guten Stoff. Weil sie das halt so machen, die professionellen Dealer.

Daredevil & Co: Superhelden erobern Netflix

Sogar Netflix kommt nicht am alles vereinnahmenden Comic-Trend vorbei. Die Welt braucht in Zeiten von Finanzkrisen, korrupten Politikern und sich häufenden Gewaltverbrechen eben Superhelden, die ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. Im Fahrwasser der ABC-Erfolgsserie „Agents of SHIELD“ entwickelt Netflix in Zusammenarbeit mit Marvel zurzeit vier Comic-Serien, die dem geneigten User 2015 präsentiert werden sollen. Die Serien werden jeweils 13 Folgen umfassen und sich – in dieser Reihenfolge – um die Abenteuer der Superhelden Daredevil, Jessica Jones, Iron Fist und Luke Cage drehen, die miteinander verbunden sind und somit neue Seiten des Marvel-Universums präsentieren. Die Serien gipfeln schlussendlich in der Serie „The Defenders“, die alle Helden vereinen soll – „The Avengers“ lässt natürlich grüßen. Für Marvel ist dies sein bisher größter und ambitioniertester Seriendeal. Und für Netflix wohl das größte Projekt der kommenden Jahre. Und die vielleicht größte Chance, im Mainstream-Segment mitzumischen.

Es wird wieder „gekillt“

Nachdem die Wiederbelebung von „Arrested Development“ von Kritikern und Fans gleichermaßen euphorisch aufgenommen wurde, holt Netflix eine andere Serie aus dem Totenreich zurück – und diesmal ist der Vergleich sogar ganz passend: die Krimiserie „The Killing“ wird eine neue Staffel bekommen. Diese soll allerdings nur aus sechs Folgen bestehen und nicht fortgesetzt werden. Die Freude ist trotzdem groß (zumindest bei mir …): „The Killing“, die amerikanische Fassung der dänischen Erfolgsserie „Forbrydelsen“ (dt. Titel: „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“) wurde nach drei Staffeln trotz guter Quoten von AMC abgesetzt. Schade, denn „The Killing“ hob sich angenehm vom Krimi-Einheitsbrei ab, indem jede Folge genau 24 Stunden umfasste und der Mordfall an dem jungen Mädchen Rosie aus drei Perspektiven  erzählt wurde. Deshalb: gute Entscheidung, Netflix!

SciFi & Drogenbosse

Wer Netflix nun ob der Superhelden und der Aufwärmung Wiederbelebung von abgesetzten Serien ein Mangel an Kreativität unterstellen will, der täuscht. Das Portal geht auch zukünftig den Weg grenzenüberschreitender und innovativer Storylines: Mit „Narcos“ ist für 2014 eine Dramaserie über den berüchtigten kolumbianischen Drogenboss Paplo Escobar. Für die 13-Folgen-umfassende erste Staffel arbeitet Netflix erneut mit Gaumont International Television zusammen, die bereits für die Netflix-Horrorserie „Hemlock Grove“ (mit Famke Janssen!) verantwortlich zeichnet. Man darf also gespannt (und high) sein. Und hoffen, dass die Serie besser wird das der Escobar-Movie in „Entourage“ (hihi).

Die Genrevielfalt möchte man bei Netflix anscheinend mit „Sense8“ erweitern: die Serie, die ebenfalls für 2014 geplant ist, ist im SciFi-Bereich angesiedelt und soll eine globale Story um verknüpfte Gedächtnisse und gejagte Seelen werden. Dass das gelingen könnte, versprechen die kreativen Köpfen hinter „Sense8“: für das SciFi-Spektakel zeichnen nämlich keine geringeren als J. Michael Straczynski („Babylon 5“) und den Geschwistern Andy und Lana Wachowski („Matrix“) verantwortlich. Für die Wachowski-Geschwister ist es der erste Ausflug in die Welt des Fernsehens. Mit Netflix hat man sich einen guten Mentor ausgesucht.

Eine Erfolgsgeschichte

Netflix war nicht immer schon ein big player im Seriengeschäft. Anno 1997 als Versand-Videothek gegründet, begann der Video-on-Demand-Anbieter 2011 mit der Produktion von eigenen (Qualitäts-)Serien – u. a. „House of Card“, „Arrested Development“, „Lilyhammer“ und „Orange is the New Black“. Und das mit großem Erfolg: Netflix hat aktuell weltweit 40 Millionen Abonnenten, 30 Millionen findet man davon allerdings in den USA. In Europa ist Netflix, mit Ausnahme von Großbritannien und Skandinavien, derzeit noch nicht verfügbar. Zumindest auf legale Art und Weise …

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