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Mit „Looking“ und „Chozen“ sind zwei neue TV-Serien am Start, die schwule Figuren in den Mittelpunkt stellen. Unterschiedlicher könnten die Shows trotzdem nicht sein.

Bald haben wir alles durch. Poetische Serienkiller, kannibalische Serienkiller, moralische Serienkiller, grausige Zombies, drogen-herstellende Chemielehrer, moderne Märchenfiguren, eine nie auftauchende Mutter, aberwitzige Nerds. Die TV-Landschaft zeigt sich kreativ wie selten zuvor, aber irgendwann ist man halt am Ende der Weisheit angelangt.

Also sind jetzt die Schwulen dran.

Looking

Mit Spannung erwartet wird derzeit die neue Serie „Looking“, die auf keinem anderen Sender als HBO, der schon für Gay-Favourites wie „Sex and the City“, „Entourage“ oder „True Blood“ verantwortlich zeichnet€, am 19. Jänner 2014 Premiere feiern wird. Die als Dramedy angekündigte Serie dreht sich um eine gruppe schwuler Männer in San Francisco (wo sonst?!), die nach geilem Sex und der großen Liebe suchen. Mit allen Höhen und Tiefen, knackigen und nicht so knackigen Typen, provokativen Storylines und scharfzüngigen Dialogen. Augustin (Frankie J. Alvarez), Dom (Murray Bartlett) und Patrick (Jonathan Groff aus „Glee“) heißen die Burschen, die uns an ihrem Seelenleben teilhaben lassen werden. Ähnlich wie in „Sex and the City“ wird die Stadt die vierte Hauptrolle spielen: dass „Frisco“ jungen homosexuellen Männern mittlerweile eine große Palette an Möglichkeiten bietet, um sich in verschiedenster Art und Weise auszuleben, soll hinlänglich thematisiert werden. „This is San Francisco; that’s why I live here. If I didn’t want to have a life, I’d move to L.A.“, stellt Patrick, das Herz der Gruppe, schon im Trailer zur Serie klar. Und dass es, man will ja keine Vorurteile fördern, nicht nur um promiskuitiven Sex geht, daran lässt der Trailer auch keine Zweifel: „You have to find someone who understands you“, wird einem von der Midlife Crisis gebeutelnden 40-Jährigen geraten. Und Patrick macht am Ende der Episode allen naiven Romantik-Gedanken seufzend ein Ende: „That’s not easy to find.“ Auch die Frage, warum es jungen Leuten heutzutage so schwer fällt, außerhalb des Berufs ein Leben zu haben, wird in den ersten Folgen thematisiert werden.

Klingt also tatsächlich sehr nach „Sex and the City“ (passt ja schon mal von der Zielgruppe her), aber auch etwas nach „How to make it in America“ und „Friends“. Nur halt auf schwul. Wie genau der „Nur halt auf schwul“-Aspekt umgesetzt wird, darf gespannt erwartet werden. Dass man vor schwulem Sex und Romantik nicht zurückschrecken wird, liegt natürlich in der Natur der Sache und kann von einem Pay-Sender wie HBO, dessen Butter am Bot Provokation und mutige Storylines sind, auch erwartet werden. Nach all den freundschaftlichem Getue zwischen zwei schwulen Verliebten, wie wir es von „Glee“ oder „Brother & Sisters“ kennen, wird es Zeit, endlich wieder eine Serie mit schwulen Charakteren, die die Dinge beim Namen nennt (und nicht den buchstäblichen Schwanz einzieht), präsentiert zu bekommen. Im Jahr 2013. Wohlgemerkt.

Ein ersten kleinen Skandal hat „Looking“ zumindest schon: Innerhalb der US-amerikanischen LGBTQ-Community wird die Serie heftig dafür kritisiert, keinen farbigen Schauspieler in den Hauptcast aufgenommen zu werden. Denn wenn man Diversity schon zelebrieren möchte, dann aber richtig. (Auffällig dafür, dass man anstatt auf Jungspunde auf g’stande Mannsbilder setzt. Bart statt Bubi also. Gut so.)

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Chozen

Eine vollkommen andere Richtung schlägt FX mit der animierten Serie „Chozen“ ein (US-Premiere: 13.1. 2014). Während bei „Looking“ wahrscheinlich (und irgendwie auch hoffentlich) penibel darauf geachtet werden wird, keine Klischees zu bedienen, setzt man bei der Animations-Serie-für-Erwachsene offensichtlich auf gewagte Selbstironie. Und worum geht’s überhaupt? Chozen ist ein weißer schwuler Rapper, der nach Jahren endlich wieder in die „reale Welt“ entlassen wird. Und damit natürlich das eine oder andere Problem hat. Hip Hop und Homosexualität? Eine Mischung, die für humorvolle und hoffentlich auch grenzenüberschreitende Storyplots sorgen dürfte. „In Hip Hop you’re on top … or on your own buttom“,  heißt es provokativ bereits im Trailer. Dieser lässt zudem auf popkulturelle Anspielungen und Gesellschaftskritik hoffen. Wer also auf Animations-Serien á la „Family Guy“ steht, die sich kein Blatt vor den Mund nehmen und den Großteil der Witze unter der Gürtellinie ansiedeln, wird hier seinen Spaß haben.

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Queer as Folk & Co

Schwule (und Lesben) sind im TV natürlich nix Neues mehr, klar. Während bis in die Anfänge der 1990er schwule Figuren in Serien vor allem entweder verzweifelte Jungs oder für billige Gags herhaltende Tunten waren, begann sich im Laufe der 90er eine Wandlung in der Darstellung von Homosexualität im TV einzustellen. Die preisgekrönte Comedy „Will & Grace“ war hier sicherlich eine der Vorreiter, wenngleich sie die schwule Hauptfigur Will derart schmerzlich in die Hetero-Schiene drängte, dass man dann doch lieber mit dem (wiederum zu sehr) tuntigen Sidekick Jack seine Vorliebe nahm. Eine starke Wendung gab’s dann allerdings mit „Queer as Folk“ (Showtime) im Jahr 2000. Die Dramaserie stellte in 5 Staffeln eine Gruppe schwuler Männer in den Mittelpunkt und zeigte den schwulen Lifestyle mitsamt schwulen Sex schonungslos, offen und ehrlich wie keine andere Serie zuvor (wenngleich aus heutiger Sicht viele Klischees in „QAF“ Eingang fanden). Kein Thema – und kein Typ – war der Serie zu heiß. Bald darauf kam die noch erfolgreichere (und stylishere!) Serie „The L-Word“ um eine lesbische Clique in L.A., die mit solch Lust und Laune intrigierte, wie man es später nur noch in „Desperate Housewives“ sehen sollte.

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Let’s look, where „Looking“ takes us

Abwarten, ob „Looking“ („Chozen“ rennt wohl eher außer Konkurrenz, würd ich mal sagen) in die Fußstapfen von „Queer as Folk“ tritt und Schwulen endlich mal wieder eine ihnen gebührende mediale, wenn auch fiktionale Plattform bietet. Eine Plattform, die „alternative Lebensweisen“ nicht als alternativ, sondern als selbstverständlich präsentiert, und dies wirklich aus Herzen tut. Die Charaktere mit Ecken und Kanten bietet, jenseits schwuler Stereotypen, und die das Thema Homosexualität nicht in jeder Szene in den Mittelpunkt stellt. Es hat durchaus Versuche in den letzten Jahren gegeben – „The New Normal“ zum Beispiel, das aber am so festgebissenen Versuch, offen und „normal“ zu sein, erst recht wieder künstlich und hysterisch daherkam. Also: let’s look where „Looking“ takes us. (Boah, wenn das kein cooles Wortspiel war!)

Die Welt scheint dafür bereit zu sein: Auf Twitter treibt bereits seit Längerem ein beliebter Hashtag sein Unwesen. Der Name? #TheGaysAreComing.

Wird „Looking“ …

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… das neue „Queer as Folk“?!

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„Looking“ schreckt vor schwulem Sex nicht zurück …

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… „Queer als Folk“ damals bekanntlich auch nicht.

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