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Liebe GLEE-Schreiberlinge, Lieber Ryan Murphy,

heute möchte ich Euch mal einen offenen Brief schreiben. Weil mir halt so danach ist. Weil ich Lust drauf hab. Macht zwar keinen Sinn, aber macht ja nix. Aber Euch muss ich das ja sicher nicht erklären.

Ihr übt ja eine große Faszination auf mich aus. Während der ersten Staffel, irgendwann, da habt ihr mich gehabt, ab da war ich GLEE-Fan, ein „Gleek“. Das hat sich seitdem nicht geändert. Obwohl ihr so viel falsch macht, immer wieder, und Eure Entscheidungen öfters so keiner, aber wirklich gar keiner nachvollziehen kann. Manchmal glaube ich ja, bei Euch im Writers Room geht’s genauso zu wie in der McKinley High: Ihr tanzt, singt, lacht, wann immer ihr wollt. Und habt so gar nicht nachvollziehbaren Sex miteinander. Das kann manchmal das Urteilungsvermögen beeinflussen, das Gehirn lahm legen. Ich drücke mich freundlich aus, ich möchte nicht von lustig-machenden Substanzen reden, wir sind ja hier eine Kids-friendly Show.

Man könnte auch von einer Hassliebe zwischen uns sprechen (na gut, Ihr kennt mich gar nicht, aber egal, Gefühle können bekanntermaßen ja auch einseitig sein). Nachdem Ihr einen so tollen und vielversprechenden Season-Start dieses Jahr hingelegt habt, habt ihr mit „A Katy or a Gaga“ („Bist Du eine Katy? Oder eine Gaga? Katy oder Gaga? Katy? Gaga? Katy? Gaga?“ – Honestly, I don’t give a f***!) und „The End of Twerk“ wiedermal einen Tiefstand erreicht (was sich auch quotenmäßig gezeigt hat). Ich hatte also keine großen Hoffnungen mehr.

Aber dann, eben ganz unserer Beziehung entsprechend, folgte „Movin Out“ und ein neues Hoch. Ja, das war eine gute Episode. Keine überragende, keine weltbewegende, aber endlich wiedermal eine GLEE-Episode, bei der man vor Ärger nicht zum nächsten Beauty-Botox-Doc rennen möchte, um sich die Zornesfalte zwischen den Augen weg zu botoxen. (Insider. Sorry. Der Guido versteht mich!)

Ich möchte Euch hier gar nicht mit einer Analyse der Episode meinerseits nerven. Ich hab’s aufgegeben, GLEE analysieren zu wollen. Weil eben, gegen eure Substanzen gute Laune-Stimmung komme ich einfach nicht an. Aber ich möchte ein paar Gedanken mit Euch teilen, die mir während der Episode so durch den Kopf gingen:

 

– Blaine in NYC?! YES!! Endlich! Danke, dass ihr uns Fans erhört habt. So zwischendurch. Verbockt es jetzt bitte nicht. Nein, Blaine ist alles, nur kein Arzt. Und lasst ihn doch seinen Erfolg erkämpfen. Er tritt einmal in einem Diner auf, singt ein abgelutsches Liedchen und das gesamte Restaurant ist hin und weg?! C’mon! Blaine ist talentiert. Aber wir reden hier von NYC!

– Apropos Blaine: der Schnucki ist immer noch Teil von Klaine. Und wir wollen endlich Klaine wieder sehen! Kurt und Blaine sind verlobt – bitte lasst sie auch so agieren! Wenn sich zwei Liebende nach Wochen wiedersehen, umarmen sie sich nicht nur, sie küssen sich. Sie halten Händchen. Sie reden nicht nur. They do stuff. Warum so schreckhaft vor ein bisserl schwuler Romantik?!

– Santana ist derzeit Euer bestes Pferd im Stall. Also satteln und richtig los galoppieren bitte! Obwohl ihre Screentime am Minimum war, rockte Naya Rivera die Episode und stahl ihren Co-Stars in allen gemeinsamen Szenen die Show. Ja, sogar Lea Michele.

– Bitte lasst Rachel und Sam nicht zu einem Paar werden! Nein, nein, nein! Auch wenn Sam dadurch ein bisschen mehr an Profil gewinnen würde und nicht mehr gar so elend langweilig wäre, wäre dieses Coupling endgültig ein jump the shark-Moment für Euch. Ehrlich. Zugegeben, ich mochte die Szenen, in denen sich Rachel und Sam voneinander angezogen fühlten. So ganz unaufgeregt, ohne Worte, nur heiße Blicke. Nett. Es zeigt auch, dass Rachel immer noch am Leben ist, buchstäblich, nachdem sie Finn verlieren musste. Also lasst da bisschen was aufkeimen zwischen den beiden, aber Rachel schlussendlich dann doch einen Rückzug machen – weil sie „noch nicht bereit“ ist. Das wäre eine gute und authentische Storyline und ein respektvoller Umgang mit dem Tod von Finn/Cory Monteith.

– Ach ja: Lea Michele hat selbst bereits öffentlich kund getan, dass Rachel diese Season keinen Boyfriend mehr haben wird. Haltet Euch also daran. Weil: Don’t mess with your diva!

– Vergesst bitte nicht auf Adam Lambert und Demi Lavato. Die besten Neuzugänge seit Langem. Langem. (Abgesehen von Dean Geyer. Natürlich).

– Steckt Artie öfter in die rote Lederjacke. Da wird sogar er vom Nerd zum Hottie.

– Übertreibt bitte nicht mit den Tribut-Folgen. Wir hatten jetzt schon einige. Britney, Madonna, Gaga, Beatles, Whitney. Alles gut. Billy Joel hat auch noch funktioniert. Aber jetzt ist es auch gut. Wir wollen wieder die musikalische Vielfalt der Serie sehen. Und hören.

– Obwohl: Eine Marilyn Manson-Tribut-Glee-Folge, das wäre schon was. Wie auch Kitty bemerkte. Ja, das wäre tatsächlich was. Aber wirklich.

– Süß, die Becky-Story. Wirklich. Da kam wieder mal GLEE-Feeling auf. Weil die Außenseiter wieder eine Stimme bekamen. Und Sue menschlich sein durfte.

– Mehr Bichette bitte! Tyra Banks nailed it!! Da ist sogar der Sam ganz lustig.

– Und: bitte mehr von dem Typen im Bus, mit dem Sam und Blaine nach New York düsten. Der zeigte sich genauso genervt von all dem 24-Stunden-gut gelaunten-Rumgehüpfe von Blaine, wie wir es vorm TV-Bildschirm auch oft sind. Von dem wollen wir unbedingt mehr sehen. Als Running Gag oder so. Der Typ ist cool.

– Aber, bitte, was ist denn mit Tina? Die Gute ist die Einzige, von der wir immer noch nicht wissen, was sie nach der High School mit ihrem Leben anfangen möchte. Und darum ging es doch in „Movin Out“. Warum also eine so kontinuierliche Ignoranz Tina gegenüber? Hat die Kleine Euch was getan? Grade mal einen Satz durfte sie während der ganzen Episode sagen und dazwischen ein bisserl böse schauen. Oder ist das alles Teil von einem großen Masterplan? Dann habt ihr mich auf jeden Fall an der Angel.

– Just get rid of Marley, Ryder und Unique. Wir haben es probiert. Aber es klappt einfach nicht zwischen uns. Und mit den anderen GLEE-Fans klappt’s bei denen auch nicht so wirklich. Wer dafür Potenzial hat? Jake und Kitty. Als Liebespaar. Die wären sowas wie Blair&Chuck, nur halt als GLEE-Version.

– Hört bitte nicht auf all die Stimmen, die meinten, GLEE würde zu sehr sexy werden, zu freizügig, zu gewagt, zu anzüglich. NEIN! Den SchauspielerInnen nimmt man sowieso schon längst keine Teenies mehr ab. Und irgendwann müsst sogar Ihr erwachsen werden. Also traut euch was, seit sexuell ruhig ein bisserl ambivalent, mutig, provozierend. Das bringt übrigens auch Quoten. Aber auch gute Storys und erinnerungswürdige One-Liner: „My junk is as big as a car. And I look at it. And it’s awesome.“ Danke, Sam. Da warst sogar du endlich mal nicht eine Parodie deiner selbst. Naja, eigentlich schon. Aber diesmal war’s wirklich witzig.

– Und zum Abschluss: Vergesst die McKinley High, vereint Rachel, Kurt, Blaine, Santana, Artie und Tina in NYC; holt Mercedes, Brittany und Quinn zurück und holt aus NYC alles raus, was geht. Das Video oben zeigt: NYC is all we need. Is all the show needs. Dass es eigene YouTube-Videos gibt, die nur die NYC-Szenen der jeweiligen Episoden vereinen und den Rest erbarmungslos raus schneiden, sollte Euch einiges sagen. Nehmt euch Euren Episodentitel zu Herzen: Let GLEE move out!
Deshalb: Erfindet euch neu. Auch in der vorletzten Staffel. Es ist noch nicht zu spät. Noch. Nicht.

In Hassliebe,
Euer Manuel

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