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Die Reise mit Justin Timberlake geht weiter. Jetzt wird’s (noch mehr) erotisch.

Mit Justin Timberlake muss man sich dieses Jahr Zeit lassen. Der Sänger und Schauspieler, der alles kann und doch dann am besten ist, wenn er einfach Justin Timberlake ist, scheint auch selbst zumindest musikalisch auf den Faktor Zeit setzen – etwas, was wir bekanntlich alle nicht haben. Aber Timberlake zwingt uns, sich Zeit für ihn zu nehmen. Uns seiner Kunst zu widmen. Er ist schließlich Timberlake, der neue King of Pop, er darf das.

Im Mär dieses Jahres erschien Timberlakes erstes Album „The 20/20 Experience“. Schon allein, sich die Platte am Stück anzuhören, erfordert reichlich Zeit und Geduld, denn die kürzeste Nummer dauert fünf Minuten, die längste beinahe 10 Minuten. Das erklingt beim ersten Hören wie eine wilde Mischung aus einem heillosen Durcheinander an Bässen, Beats, Synthezisern, Klavieren, Gitarren und Timberlakes unverwechselbare Tenorstimme. Der erste Reflex: abschalten. Nein danke, zu mühsam. Erst, wenn man Timberlake beinahe schon aufgegeben hat, merkt man, dass man es hier mit einem kreativen Meisterwerk zu tun hat, wahrscheinlich Timberlakes bestem Album seiner Karriere.

Der Titel „The 20/20 Experience“ übrigens deshalb, weil Timberlake während einer 20-tägigen Jamsession 20 Songs kreierte. Die „Timberlake-Experience“, wie immer diese verstanden werden möchte, soll sich sehr langsam und häppchenweise auf den geneigten Zuhörer übertragen. Also legt Timberlake nun die zweite Hälfte dieser Jamsession nach – „The 20/20 Experience – 2 of 2“ heißt die Platte ganz simpel und folgerichtig und ist seit wenigen Tagen im Handel. Natürlich, man hätte auch gleich zu Beginn eine Doppel-CD aus dem Album machen können. Aber zwei Alben spülen halt mehr Geld in die Musikerkasse als eines.

Same Old with Same New

Im Grunde führt „2 of 2“ das Konzept seines Vorgängers nahtlos weiter. Im CD-Booklet präsentiert sich Timberlake erneut im Sinatra-Style, die Songs sind dann aber doch vor allem auf tanzbare Club-Abende und Nächste voll geilem Sex ausgerichtet. Timberlake führt seine abwechslungsreiche Reise durch die Popmusik konsequent weiter, präsentiert  zündende Hooklines, tanzbare Grooves, aber auch leise, sensible Momente. Wie schon beim ersten Teil schreckt Timberlake auch auf „2 of 2“ nicht vor mutigen Genre-Mixen und Stilbrüchen zurück: Bei „Drink you way“ verbindet er harten Country-Rock mit sanftem R’n’B, „Only when I walk away“ ist Blues gepaart mit Dub-Spielereien, die erste Singleauskopplung „Take Back The Night“ ist die musikalische Quersumme aus Michael Jacksons Album „Off The Wall“. „True Blood“ verbindet Synthie-Sirenensounds mit Bongo-Beat und transportiert, offensichtlich in Anlehnung an die gleichnamige HBO-Vampir-Serie, aggressive Sadomaso-Erotik.

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Sex statt Kuscheln

Apropos Erotik: So ganz gleich ist „2 of 2“ seinem Vorgänger dann doch nicht. War der erste Teil noch eher romantischer und chilliger ausgelegt, wird’s nun dreckiger: „2 of 2“ versteckt gar nicht, dass er der Soundtrack zu heißer Bettakrobatik sein will. Dschungel-Beats, im Unterleib pochende Bässe, Hüften-kreisen-lassende Grooves und geschickt platzierte orchestrale Arrangierungen verbinden sich vor allem zu einem einzigem Motto: Sex. Bei Teil 1 war noch eher Whiskey-Trinken an der Bar angesagt, jetzt heißt’s: Körper auf der Tanzfläche aneinander reiben, ohne dabei billig zu wirken.

Aber auch sonst kommt beim genauem und mehrmaligem Hinhören (eben: Zeit lassen!!) die Platte etwas mutiger und experimenteller daher als der Vorgänger. „Drink you away“ ist ein kongenialer Song, der im gegenwärtigen Musikbiz seinesgleichen sucht, „True Blood“ erschafft eine schaurig-düstere Stimmung wie ein Dracula-Roman. Und „Take back the night“ lässt Michael Jackson, den „alten“ King of Pop, nochmal aufleben.

Mit der Zeit wird’s besser

„The 20/20 Experience“ war bereits ein kreativer (und finanzieller) Erfolg auf der ganzer Linie, „The 20/20 Experience – 2 of 2“ setzt dem sogar noch ein kleines Sahnehäubchen drauf. Dass die Platte aber polarisiert, überrascht bei diesem Soundmix natürlich nicht: Die Kritiken reichen von „Epos“ bis hin zu „zweiter Teil einer aufgewärmten Pizza, die keiner braucht, weil’s nicht schmeckt.“

Für Justin Timberlake muss man sich eben Zeit lassen. Denn mit der Zeit wird eben alles besser. Im positivsten Sinn.

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