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Auf ihrem vierten Album „Immer in Bewegung“ schlagen die Jungs von Revolverheld ruhige und melancholische Töne an.

In den letzten Jahren hat sich in der Musikszene die „… wie du nur kannst“-Regel durchgesetzt: Sei so rockig, wie du nur kannst! Sei so crazy. wie du nur kannst! Sei so sexy, wie du nur kannst! Sei so clubtauglich, wie du nur kannst! Sei so laut, wie du nur kannst!

Das Problem ist nur: Viele – zu viele – kriegen das einfach nicht hin. Besonders deutsche Künstler versuchen oft etwas zu sein, das sie einfach nicht sind. Sogenannte Rockbands zum Beispiel. Aber, sorry: ein bisschen härter in die Gitarrensaiten zu greifen ist noch lange kein Rock!

Also versuchen es Revolverheld gar nicht erst.

Melancholie statt Lebensfreude

Revolverheld, das ist jene deutsche (sexy) Männerband, deren Alben regelmäßig oben in den Charts zu finden sind, die aber noch nie einen so richtig großen Hit hatten. Mit „Immer in Bewegung“ haben Johannes, Kristoffer, Niels und Jakob (erstmals ohne Flo) ihr bereits viertes Album am Start. Wenn Künstler sagen, sie wollen auf der nächsten Platte etwas ganz anderes machen, dann klingt das gut, ist aber oftmals nicht mehr als gepflegte Selbstüberschätzung. Revolverheld liefert mit „Immer in Bewegung“ jedoch tatsächlich eine Scheibe ab, die sich vom Vorgänger „In Farbe“ nicht stärker unterscheiden könnte. Denn:

Die Lebensfreude ist der Melancholie gewichen.

Entschleunigung

Strotzte „In Farbe“ noch vor trotzigen Mittelfingern, lebensbejahenden Partysongs und lauten Mitgröl-Liedern, präsentiert sich „Immer in Bewegung“ trotz seines Titels überraschend leise, sanft, melancholisch, ja beinahe schon traurig. „Entschleunigung war noch nie so nah“ singt Johannes einmal in einem Song, und es könnte als Motto des Albums gelten: Bei Revolverheld wird Entschleunigung, die Ruhe, das Finden zu sich selbst groß geschrieben. Die Themen, die hier musikalisch verarbeitet werden, unterscheiden sich nicht stark von den Alben-Vorgängern, werden aber fast ausschließlich in eine dichte, melancholische Watte gepackt: Freundschaft, Aufbruch, alles hinter sich lassen, der Jugend nachtrauern, Erwachsenwerden und natürlich die Liebe. Auch, dass die Jungs überall anders lieber als in Deutschland wären (in diesem Fall in Schweden oder New York), betonen sie auf der neuen Scheibe erneut sehr gern und ohne Scham. Wäre da nicht doch der eine oder andere (Pseudo-)Rocksong dabei („Immer in Bewegung“, „Wir schmeißen unsere Herzen ins Feuer“), man würde sich um die Jungs Sorgen machen. Aber: Auch Leading Man Johannes Strate hat auf seinem Solo-Album schon eine ähnliche sehr ruhige und nachdenkliche Kugel geschoben. Das hat sich nun anscheinend auch auf seine Band Revolverheld übertragen.

Lagerfeuer anstatt Rockhallen

Man kann das alles als weichgespült und langweilig beschreiben. Man könnte es aber auch als mutiges und erwachsenes (obwohl: heißt „erwachsen-sein“ „melancholisch-sein“?) Experiment bezeichnen, das sich angenehm vom Immer-Lauter-Bunter-Greller-Härter-Trend angenehm absetzt. Berechtigt sind beide Argumente. Große Hallen werden Revolverheld mit ihren neuen Songs wahrscheinlich nicht füllen. Dafür intime Unplugged-Clubs, Alternative-Zeltfeste oder gemütliche Lagerfeuer-Runden.

Leise-Sein kann Aufmerksamkeit schaffen. Ist man zu leise, geht man allerdings auch leicht unter – ohne dass es jemand merkt.

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