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Dexter, Breaking Bad, HIMYM und Co: Die internationalen Kultserien der letzten Jahre verabschieden sich nach und nach vom Bildschirm. Was bleibt? Vieles. Würdige Nachfolger aber nur wenige.

Für mich persönlich hat sich 2003 die TV-Landschaft für immer verändert. Da ging die Mystery-Kritikerliebling-Genre-Mix-Serie „Buffy the Vampire Slayer“ zu Ende. Eine Serie, die mich die letzten sieben Jahre begleitet, auf erschreckend authentische Weise mein Leben wiedergespiegelt hat und meine Vorliebe für Serien (noch mehr) entfachte. Nein, für mich war nach „Buffy“, der intelligentesten TV-Serie des letzten Jahrzehnts, das TV nicht mehr dasselbe. Die Lücke konnte nicht mehr gefüllt werden.

Obwohl, das muss man sagen: das TV hat sich alle Mühe gegeben. Denn seit ca. 2004, genauer: mit dem Aufkommen des Msystery-Rätsel-Knüllers „Lost“, hat sich eine neue TV-Welt aufgetan, die sich mittlerweile etabliert hat: nämlich jene des Quality-TV. Fernsehen war nicht länger nur der kleine Bruder des Kinos. Man hat erkannt, dass hier Platz ist für innovative, mutige und vielschichtige Geschichten mit dreidimensionalen Figuren, die, im Idealfall, über Jahre wachsen und zu Freunden werden können. Der Trend hält bis heute an: Immer mehr Kinostars wechseln ins TV-Gerne, immer ausgefallener werden die Story-Ideen.

Trotzdem: bald müssen Serienfans stark sein. Denn all die Serien, die in den letzten Jahren unsere Sehergewohnheiten verändert und unseren qualitativen Anspruch steigen haben lassen, enden in der aktuellen TV-Saison. Oder haben bereits vor kurzem den seriellen Hut gezogen. „How I met your mother“ startete am Montag in seine letzte Runde, Kult-Killer „Dexter“ verabschiedete sich vergangen Sonntag nach acht Jahren vom Bildschirm, Walter White in „Breaking Bad“ tut es ihm diesen Sonntag gleich. Die Tina Fey-One-Woman-Show „30 Rock“ endete bereits im Jänner 2013, „Weeds“ überhaupt schon vergangenes Jahr (nach acht Staffeln). Von „Glee“ haben wir immerhin noch zwei gesangs-kreative Staffeln vor uns, „Mad Men“ ist ab Frühjahr 2014 sprichwörtlich Geschichte. Vom CSI-Franchise ist nur noch das Original übrig – wie lange allerdings noch, ist fraglich. „Private Practice“, wenn qualitativ auch oft fraglich, schloss Anfang dieses Jahres für immer seine Türen. Der große Bruder „Grey’s Anatomy“ läuft zwar noch, es deutet aber alles daraufhin, dass die aktuelle und brandneue zehnte Season die letzte sein wird. Die „Desperate Housewives“ haben die Wisteria Lane auch schon längst verlassen. Und obwohl Vampire immer noch angesagt sind, wird die kommende siebte Staffel des Vampir-Pornos „True Blood“ die finale sein.

Was bleibt uns also?

Natürlich eine Menge. Das Seriengeschäft boomt wie nie zuvor, serielle Unterhaltung gehört mittlerweile zum guten Ton und gilt nicht mehr als schäbiger Freizeitvertreib. Abwechslungsreicher, innovativer und kreativer präsentierte sich die Serienlandschaft selten zuvor. Und doch – Kultfaktor-Atmosphäre umgibt die wenigsten aktuellen Serien. Natürlich, es gibt Kritikerlieblinge, die auch bei den Zusehern gut ankommen. Stephen Kings „Under the dome“ zum Beispiel, „Hannibal“ und „The Bates Motel“ sowie „The Following“,„Nurse Jackie“ und „Modern Family“. Nicht zu vergessen natürlich: „Homeland“. Top-Serien, die wissen, dass sich gute und niveauvolle Unterhaltung sich nicht ausschließen. Aber: Diese Serien genießen allen voran in ihrem Mutterland USA großen Kultfaktor, international lässt der Erfolg noch auf sich warten. Genannte Serien werden im deutschsprachigen Raum zwar (bis auf Ausnahmen) durchaus positiv aufgenommen, kommen aber an den Beliebtheitsstatus a la „Grey’s Anatomy“ oder „Breaking Bad“ nicht annähernd ran. Viele der aktuellen TV-Serien sind Nischenprodukte, die a prioi nicht die große Mainstream-Masse anspricht – und sich damit durchaus wohlfühlt. Dann gibt es auch noch Serien mit einer großen (auch internationalen) Fangemeinde, wie „The Vampire Diaries“, „Supernatural“ oder „Once upon a time“. Die richten sich allerdings alle an ein bestimmtes, eingeschränktes Publikum (allein schon wegen ihres Genres) und lassen Zuseher ab 40 plus im Großen und Ganzen außer Acht.

Dann gibt es da noch „Navy:CIS“, mit dem ich mir aber schwer tue. Angeblich die erfolgreichste Serie in den USA. Auch eine der größten seriellen Erfolge in Deutschland und Österreich. Aber, mal ehrlich: Wie viele Durschnitts-TV-Zuseher schauen diverse Crime-Serien ausschließlich wegen dem aktuellen Mordfall und sind nicht an einer kontinuierlichen seriellen Unterhaltung interessiert? Schauen immer nur dann, wenn sie Lust auf einen (beliebigen) Krimi haben? Fast alle. Wie viele „Navy:CIS“-Seher kennen die Namen der Schauspieler tatsächlich, kümmern sich um das Schicksal der Figuren? Die wenigsten. Einen medialen Hype a la „Grey’s“ oder „Desperate Housewives“, die auf Soap-Elemente und auch auf Drama hinter den Kulissen setzen, kann solch eine Crime-Serie einfach nicht erreichen.

Das einzige Genre, das derzeit die Chance hat, den Kultfaktor wiederherzustellen, ist das der Comedy. „Two and a half men“ hat seine Beliebtheit seit Sheens Rauswurf aber stark eingebüßt. Der einzige wirkliche Lichtblick ist derzeit „The Big Bang Theory“, die erfolgreichste Comedy der USA und auch bei uns ein Riesenerfolg, vergleichbar mit „How I met your mother“ oder früher „Scrubs“. Die Nerds rund um Ober-Nerd Shelton haben das Comedy-Genre verändert und die TV-Welt nachhaltig beeinflusst. Denn auch das müssen Kultserien zustande bringen.
Eine Lücke wird der Abgang von „Breaking Bad“, „How I met your mother“ , „Grey’s Anatomy“ & Co. auf jeden Fall hinterlassen. Die TV-Landschaft wird einige Zeit weniger strahlen. Wird einige Zeit weniger berühren. Bis neue Kultserien daherkommen. Denn es gab ja auch eine Zeit vor „Dexter“, „CSI“ und Co., auch wenn wir das nicht mehr wissen. Irgendwann sind sie plötzlich da und bestimmen unser Leben mit.

Haben wir also ein wenig Geduld. Die letzten Jahre hat uns das TV-Biz auch nicht enttäuscht. Vor allem aber: All diese Kultserien haben die TV-Welt verändert, haben die Art und Weise, wie wir Geschichten erzählen und vor allem erzählt bekommen, maßgeblich beeinflusst. Wir wissen nun, wie gut TV sein kann. Und geben uns nicht mehr mit weniger zufrieden. Was sich unweigerlich auf die Qualität der Unterhaltung auswirken wird. Es kann theoretisch also nur besser werden.

Obwohl: Auf „Buffy – Part 2“ warte ich immer noch.

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