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Bei der 65. Primetime Emmy Awards-Verleihung siegten Altbekannte über Newcomer. Serienrevolutionen aus dem Netz ließ man keine Chance.

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Ich mag die Emmys. Sie sind nicht so stocksteif und langweilig wie die Oscars, hier rennt der Schmäh um einiges lockerer und die Stars nehmen sich nicht ganz so ernst (after all, es handelt sich ja hier immer noch „nur“ ums TV!). Deshalb bin ich Jahr für Jahr gerne dabei. Weil die Emmys immer unterhaltsam sind. Sich nicht ändern.

Und genau das scheint auch das Motto der diesjährigen Awardverleihung gewesen zu sein: Bloß nix ändern! Altbekanntes in den Vordergrund stellen und so junge, neumoderne Revoluzzer gar nicht erst zu viel aufbegehren zu lassen.

Neil Patrick Harris kann’s halt

Das fing schon mit der Wahl des Moderators an: Mit Allround-Talent und „HIMYM“-Star Neil Patrick Harris geht man absolut kein Risiko ein. Niemals. Keine Beleidigungen a la Ricky Gervais, keine Witze, die zu sehr unter die Gürtellinie gehen, dafür Unterhaltungs- und Entertainmentfaktor on top. Harris enttäuschte nicht, sein Opening mit all den Flashback diverser TV-Serien war ein spannender Einstieg in den Abend, und als ihn kurz darauf all die früheren Emmy-Hosts (von Jimmy Kimmel über Conan O’Brien bis hin zu Tina Fey) ihm das Scheinwerferlicht stehlen wollten (alles akribisch geplant, eh klar!) erwies er sympathische Selbstironie. Zusammen mit Jane Lynch gab’s sogar eine kleine Selbst-Veräppelung in Sachen Homosexualität. Diverse Twerks-Anspielungen sowie Broadway-würdige Gesangs- und Tanzeinlagen durften bei Harris natürlich auch nicht fehlen. Da kann man also nix aussetzen. Gut gemacht, Barney!

Altbewährtes und (fast) keine Überraschungen

Die unterhaltsame Moderation schaffte es aber nicht, den Ärger vergessen zu machen, den wohl viele Zuseher vorm TV-Bildschirm immer mehr in sich aufsteigen fühlten, je mehr der Abend voranschritt. Denn bald war klar: Etablierte Stars wurden von der Emmy-Jury eindeutig der Vorrang gegeben. Das fing bei der erneuten Auszeichnung von Clare Danes (Beste Hauptdarstellerin in einer Drama-Serie, „Homeland“) und Jim Parsons (Bester Hauptdarsteller in einer Comedy-Serie, „The Big Bang Theory“) an und ging mit Julia Louis-Dreyfus (Beste Hauptdarstellerin in einer Comedy-Serie, „Veep“) und „Modern Family“, welche als beste Comedy-Serie ausgezeichnet wurde, weiter. Preisträger, die schon die Jahre zuvor für ihre Arbeit ausgezeichnet wurden. Nicht zu Unrecht, klar, aber eben Altbewährtes.

Keine Überraschung war es auch, dass der Emmy für die beste Drama-Serie an „Breaking Bad“  ging – befindet sich diese Ausnahmeserie doch in ihrer letzten, hochgelobten Season, die finalen Folgen werden von Kritikern, Fans und nicht zuletzt diversen Stars mit Spannung erwartet. Ein hübsches Abschiedsgeschenk also. Allerdings: Ann Gunn wurde endlich und wider Erwarten als Beste Nebendarstellerin ausgezeichnet. Überfällig!

Keine Macht den Jungen!

Der Netflex-Serie „House of Cards“, die mit neun Nominierungen als eine der großen Favoriten ins Rennen ging, ging bis auf einen Preis komplett leer aus, wurde in den wichtigen HauptdarstellerInnen- und Genre-Kategorien übergangen. Wer die Serie gesehen hat, weiß allerdings: Kevin Spacey und Robin Wright haben die beste Leistung diese TV-Saison abgeliefert, die Serie selbst ist ein Juwel in der TV-Landschaft. Selbst „Breaking Bad“-Mastermind Vince Gilligan war überrascht, dass r gegen „House of Cards“ gewann.

Fast scheint es, als ob die Emmy-Jury (und somit das Fernsehen selbst) seinen Ruf als beste Talentschmiede verteidigen wollte. Denn auch die Krimiserie „Top oft he Lake“ des Sundance Channel wurde trotz mehrfacher Nominierungen komplett ignoriert. Die von Netflix wiederbelebte Comedy „Arrested Development“ die neue Maßstäbe in Sachen Gag-Dichte und Sperrigkeit fürs Genre setzte, wurde in den wichtigsten Kategorien gar nur mit einer Nominierung für den besten Hauptdarsteller abgespeist.

Dass der Internet-Paychannel Netflix bei den diesjährigen Emmys kräftig mit mischte (zumindest bei den Nominierungen), sorgte im Vorfeld für Aufsehen. Man glaubte bereits, ein neues Zeitalter in der seriellen Unterhaltung hätte begonnen; TV und Internet verschmelzen nicht nur, sondern treten als Medium an sich in den Hintergrund: „Es ist nicht wichtig, ob die jeweilige Serie nun fürs TV oder das Netz produziert wurde – Hauptsache, das Endergebnis überzeugt.“ War leider nicht so. Das US-TV, regiert von grauhaarigen, gewohnheitsliebenden Männern, scheint sich vom „neumodernen Monster“ Internet bedroht zu fühlen, ist nicht bereit, mit ihm das Feld zu teilen – oder ihm dieses gar zu überlassen. Nominierungen? Ja, gut und schön, so tolerant war man noch. Aber dann auch noch Preise verleihen? No way!

TV statt Kino

Auch in der Rubrik „Miniserie und TV-Film“ war die Emmy-Jury augenscheinlich bemüht, hervorzuheben, dass TV doch immer noch die beste Heimat für all die großen Stars der Gegenwart sei. Das Liberace-Biopic „Behind the Candelabra“ wurde zweimal ausgezeichnet: Steven Soderbergh bekam den Preis als Bester Regisseur, Michael Douglas wurde als „Bester Hauptdarsteller in einem TV-Film“ geehrt (inklusive einer herrlich homoerotischen Dankesrede an Co-Star Matt Damon!) geehrt. Das Besondere: „Behind the Candelabra“ war als Kinofilm geplant, wurde als solcher allerdings als „zu schwul“ (…) angesehen und fand seine Heimat schließlich beim Paychannel HBO.

Zudem wurde David Fincher für seine Regiearbeit bei „House of Cards“ ausgezeichnet. Dass der Starregisseur („Se7en“, „Fight Club“, „The Social Network“) eher einen Emmy als einen Oscar als bester Regisseur gewinnt, dürften nicht wenige als richtungsweisend erachten.

Und sonst?

Ansonsten warteten die Emmys doch noch mit dem einen oder anderen Highlight auf. Country-Star Carrie Underwood zum Beispiel gab ein hinreißende Version des Beatles-Klassiker „Yesterday“ zum Besten. Den TV-Stars James Gandolfini („The Sopranos“) und Cory Monteith („Glee“) wurden von ihren Kolleginnen Edie Falco und Jane Lynch auf eine sensible, aber nicht kitschige Art und Weise Tribut gezollt. Und „Nurse Jackie“-Star Merrit Wever geht wohl in die Emmy-Geschichte ein: als „kürzeste Dankesrede aller Zeiten.“ Süß und mutig! Wenigstens irgendwer an diesem Abend.

Die Liste mit allen Nominierten und Gewinnern gibt es hier.

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