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Wie sehr sich Britney Spears (und wie die Gesellschaft sie wahrnimmt) seit ihrem Karrierestart 1998 verändert hat, wird wohl am deutlichsten, dass sich die Sängerin nun am liebsten „bitch“ nennt und mit dem Slogan „It’s Britney, bitch!“ (aus ihrem Song „Gimme, gimme more“) ihren Kritikern den Wind unter den Flügeln nimmt und ihre Fans zu Begeisterungsstürmen hinreißt. „Selbstironie“, könnte man sagen, wenn man der Popprinzessin wohlgesinnt ist. „Gefährlich nah am Trash-Abgrund“ könnte man aber genauso in den Raum werfen. Mit dem alten Popgirlie-virgin-Image hat das alles aber herzlich wenig zu tun.

Ähnlich geht es einem, wenn man Britneys neuen Song „Work Bitch“ hört. Nichts erinnert mehr an die süße „I’m not a girl, not yet a woman“-Sängerin. Überraschend harte Technobeats prallen einem gleich in den ersten Sekunden des Songs entgegen. Britney ist die Club-Queen der Nullerjahre, und diesen Status will sie sich auch zukünftig nicht nehmen lassen. Zu „Britney-Bitch“ soll abgetanzt werden, soll man Sex haben – aber bitte nicht irgendeinen kritischen Gedanken in seinem hübschen Köpfchen aufkommen lassen. Oberflächlichkeit bis zur Schmerzgrenze zelebriert Britney auch in „Work bitch“: statt Seele sind Tanzbeats angesagt. Man hat nichts anderes erwartet, also Schwamm drüber. Übrigens: Britneys Stimme ist auch in diesem Song nicht wieder zu erkennen. Aber auch das sind wir ja schon gewöhnt. Was „Work Bitch“ nicht weniger schmerzhaft macht, denn von der Person Britney ist hier schon lang nichts mehr zu spüren. Auch der so ins Ohr gehende Hook, der zum Mitsingen motivierende Refrain, der beinahe alle Britney-Songs ausmacht, sucht man hier vergebens. Nichtsdestotrotz wird der Song seine Fans finden. Und Britney wieder Geld einbringen. Und darauf kommt es ja an.

Übrigens: dass „Work Bitch“ zeitgleich zu Lady Gagas Comeback-Versuch erscheint, ist natürlich kein Zufall. Im Netz werden schon Vergleiche zwischen „Applause“ und „Work Bitch“ gezogen, und meistens zieht Gaga hier den Kürzeren. Ist aber eigentlich egal. Kommerziell und seelenlos sind beide Songs.

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