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Seit zwei Wochen läuft die brandneue US-amerikanische Erfolgsserie „Under the dome“, die auf einem Roman von Stephen King basiert, auch im deutschsprachigen TV. Hält die Serie, was sie verspricht?

Kultregisseur Steven Spielberg hat schon 2002 mit der Alien-Serie „Taken“ bewiesen, dass er auch in Sachen TV-Serien ein gutes Händchen beweist – auch, wenn er hier „nur“ als Ausführender Produzent tätig war. Nach den eher mittelmäßig erfolgreichen Serien „Falling Skies“, „Terra Nova“ und „Smash“ (ja, Spielberg ist anscheinend auch Musical-Fan!) ist er im TV-Geschäft nun wieder ganz dick da: Mit der SciFi-Mystery-Serie „Under the dome“, bei der er als Executive Producer fungiert, konnte er Kritiker und Publikum gleichermaßen überzeugen, die Serie gilt als eine der vielversprechendsten Neustarts der aktuellen TV-Saison (und wurde als eben diese, neben fünf anderen Kategorien, auch bei den „Critics’ Choice Television Awards 2013“ ausgezeichnet). Im Durchschnitt schalten 10 Millionen US-Fans jede Woche ein, um herauszufinden, was es mit der mysteriösen Kuppel, die sich über die Kleinstadt Chester’s Mill gelegt hat, auf sich hat. Und auch auf ProSieben ist „Under the dome“ die erfolgreichste Prime Time-Serie der letzten Monate. Zugegeben, ein allzu großes Wagnis gingen Spielberg und sein Team nicht ein, schließlich basiert „Under the dome“ auf den gleichnamigen Roman von Gruselmeister Stephen King. Der übrigens die Serie als „sehr gut“ befand und auch die zahlreichen Änderungen im Vergleich zum Buch „mit vollem Herzen unterstützt“.

Klingt doch alles toll. Aber hält „Under the dome“ wirklich, was sie verspricht? Seit zwei Wochen läuft die Serie nun im deutschsprachigen Raum (ProSieben und ORF eins), jeweils mit drei Folgen am Stück. Hier bin ich zur Abwechslung mal altmodisch und verfolge die Serie wirklich im TV, habe bisher also nur sechs Folgen gesehen. Und achte penibel darauf, im Internet jeglichen Spoilern aus dem Weg zu gehen. Weshalb meine Rezension nur auf den ersten sechs Folgen basiert – aber wenn eine Serie in diesem Zeitraum nicht überzeugen kann, hat sie sowieso schon verloren.

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Der Plot

Natürlich, eine Kleinstadt, die durch eine mysteriöse Kuppel (engl.: „dome“) komplett vom Rest der Welt abgeschnitten ist, birgt eine Menge Potenzial. Und ohne Zweifel erkennen dieses Potenzial die Autoren der Serie auch und schöpfen es voll aus: Wie verändern sich Menschen in einem Ausnahmezustand? Wer lebt wirklich Nächstenliebe und wer steht sich doch selbst am nächsten? Wie geht man damit um, wenn lebenswichtige Ressourcen wie Wasser, Lebensmittel, Strom und Medikamente ausgehen? Hat Geld noch eine Bedeutung? Und gelten jene Gesetze, die bisher das Leben in geregelter Ordnung gehalten haben? (Und wie entwischt man einem Psychopathen, wenn man die Stadt nicht verlassen kann?)

Diese Fragen werden von Beginn an in „Under the Dome“ thematisiert und sorgen auch dafür, dass man als Zuschauer mit Spannung dranbleibt. „Under the Dome“ arbeitet nicht mit Cliffhangern am Ende jeder Episode, bietet keine überraschenden Twists – und braucht sie auch nicht. Die Serie bietet mit dem Grundplot allein schon genug Spannung und Möglichkeiten, viele Geschichten zu erzählen. Dass nacheinander zahlreiche (Neben-)Figuren ihr Leben aushauchen, trägt natürlich zum Angstgefühl, dass sich nicht nur bei den Bewohnern von Chester’s Mill, sonder auch beim Zuseher einstellen soll, bei. Das schafft die Serie ganz gut, narrative Längen halten sich in Grenzen. Auch das Gefühl der Klaustrophobie überträgt sich in der einen oder anderen Szene auf das Publikum. Mehr kann man (fast) nicht verlangen.

Höchstspannend natürlich auch die diversen Storyplots, die sich wie ein roter Faden durch die Serie ziehen. Was ist die Kuppel tatsächlich? Sowas wie ein lebendiges Wesen? Was hat es mit den Teenagern Norrie und Joe auf sich, die mit der Kuppel in Verbindung zu stehen scheinen? Das war’s mit den Mytholgie-Fragen eigentlich auch schon wieder, aber die bieten reichlich Spannung. Die Frage ist, ob „Under the Dome“ es schafft, diese Fragen über einen längeren Zeitpunkt aufrecht und spannend genug zu erhalten, damit man auch dranbleibt (zum Beispiel bei der bereits angekündigten zweiten Staffel). Denn im Gegensatz zum Roman, der sich über einen Zeitraum von nur einer Woche erstreckt, soll die TV-Serien-Kuppel einige Monate über der Kleinstadt haften. Wäre hier eine Erzählweise a la „24“ angebrachter gewesen?

Metaphern

Ich vertrete fest die Meinung: Mystery-, Fantasy- und SciFi-Serien müssen mit Metaphern arbeiten, die auf die „reale Welt“ verweisen und in dieser verwurzelt sind. Das schafft Bindung zum Zuseher und lässt die fremden Welten nicht allzu fremd wirken. „Buffy“ hat dies mit Bravour vorgemacht und auch „Star Trek“ (okay, ist allem voran eine Filmreihe, aber egal) und „Dollhouse“ sind Metaphern-Meister.
Auch „Under the Dome“ schlägt sich nicht schlecht. Die Verwurzelung in der realen Welt wird im Plot selbst zum Thema gemacht, man hat also nicht das Gefühl, man befände sich in irgendeiner fernen Galaxie. Im Gegenteil: Beim Zusehen drängt sich einem unweigerlich der Gedanke auf, wie es seiner eigenen Stadt, in der man wohnt, wohl ergehen würde, wäre sie plötzlich unter einer Art Käseglocke gefangen. „Under the Dome“ vermittelt ganz klar: so eine Kuppel kann immer und überall passieren.

Vor allem aber übt „Under the dome“ gar nicht so unterschwellig Kritik an der Umwelt- und Militärpolitik der USA. Und der Welt. Gehen wir weiterhin so verschwenderisch mit unserem Planeten um, werden uns nicht nur irgendwann die Ressourcen ausgehen – der Planet wird sich auch an uns rächen. Geld ist im Grunde nichts wert, ist nicht mehr als bedrucktes Papier, wenn der internationale Handel plötzlich nicht mehr möglich ist. Was wird mit unserer Erde, wie entwickelt sie sich in den nächsten tausend (?) Jahren? Welche Auswirkungen wird das auf uns Menschen haben? Und wie weit geht das Militär und die Politik für das „allgemeine Wohl“ der Menschheit? „Under the Dome“ stellt diese Fragen nicht leise, sondern laut, gepaart mit wirklich überzeugenden Spezialeffekten. Alles, was eine gute SciFi-Serie mit Mystery-Elementen braucht.

Die Figuren

Ist „Under the dome“ also perfekte TV-Unterhaltung? Nicht ganz, leider. Denn die Schwachstelle sind eindeutig die Figuren. Trotz starkem und überzeugendem Cast, die sich halt auch nur nach der Decke (oder in diesem Fall: nach der Kuppel) strecken können, schaffen es die Figuren nicht, dass wir eine Verbindung zu ihnen herstellen. Zu viele Klischees werden hier bedient: Der korrupte Politiker, die taffe und neugierige Journalistin, der sexy, aber traumatisierte Ex-Soldat mit einem gutem Herz, das verliebte Teenager-Pärchen, das obligatorische homosexuelle Ehepaar, der etwas verrückte DJ, der weibliche übergewichtige Technik-Nerd, der fanatische Priester, die Barbesitzerin mit einem Herz aus Gold, die junge motivierte Polizistin – „Under the Dome“ bietet alles. Alles, was man schon mehrmals gesehen hat. Einzig „Junior“, der unterdrückte Sohn mit psychopathischen Zügen, der zum Cop wird, bietet Potenzial – ist aber streng genommen auch keine Neuerfindung der Serie. Viele der Figuren sind zwar nicht unsympathisch, aber eindimensional, und was mit ihnen geschieht, das berührt einem nur bedingt. Sie treiben die Story voran, sind aber keine Figuren aus Fleisch und Blut. Man will wissen, was unter der Kuppel passiert, aber es interessiert einem nur bedingt, was mit den Figuren geschieht – ein kleiner, aber entscheidender Unterschied. Ganz klar: „Under the dome“ ist plot-driven und nicht character-driven, und im Grunde ist das für eine SciFi-Serie auch in Ordnung. Ein bisserl mehr Liebe zum Detail und zur Originalität würde der Serie aber mehr als gut tun.

Fazit

„Under the dome“ bietet spannende, originelle TV-Unterhaltung, die Lust auf mehr macht und mit kritischen Untertönen zur aktuellen Weltlage nicht spart. Trotz zahlreicher Veränderungen zum Roman schafft es die Serie, den Stephen King-Flair zu vermitteln. Einzig die Figuren selbst sind ein Schwachpunkt, der aber noch ausgemerzt werden kann. Wichtig wäre dies durchaus, denn: Derzeit ist die Story rund um die Kuppel noch spannend genug, um zu fesseln und Woche für Woche einzuschalten. Doch was ist, wenn die Kuppel irgendwann zur Gewohnheit wird? Dann liegt es an den Figuren, das Leben in Chester’s Mill spannend genug zu gestalten, damit wir Woche für Woche erneut einschalten.
Vielleicht hilft da ja auch, wenn Mike Vogel alias „Barbie“ ein bisserl mehr halbnackt herumrennt. Dann würden wir uns auch unter einer Kuppel einsperren lassen. Nur seinen „Ich-kann-nicht-bis-drei-zählen“-Blick sollte er nochmal ernsthaft überdenken.

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