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Während Stars wie Jennifer Aniston oder natürlich Ryan Gosling mehr oder weniger erfolgreich versuchen, ihr Image mit riskanten, außergewöhnlichen Rollen in eine andere Richtung zu bewegen, steckt Johnny Depp fest. Hollywood kann manchmal aber auch gemein sein: Denn gerade Depps mutiger Hang zu exzentrischen Rollen, der ihm zu einem der bestbezahltesten Schauspieler der Gegenwart machte, wird ihm nun zum Verhängnis.

Transformation

Gute Schauspieler müssen wandelbar sein, müssen jeder Rolle Leben einhauchen, zum Teil ihrer Selbst machen können. Johnny Depp wurde von Beginn seiner Karriere an für den Mut, sich nicht in eine Rollenecke stecken zu lassen, von allen Seten gelobt. Er vollzog scheinbar mühelos und mit strategisch gut ausgewählten, weil immer vollkommen unterschiedlichen, Rollen einen Wandel vom glatten Poster-Teeniestar („21 Jump Street“) zum hochdotierten und geschätzten Charakterdarsteller, dem keine Welt fremd und kein Film zu crazy ist. Die Titelrolle in „Edward mit den Scherenhänden“ (1990) – auch nicht gerade eine Rolle, die bei der Oma genauso gut ankommt wie beim rebellischen Teenager-Töchertlerin – machte Kritiker und Publikum gleichermaßen auf ihn aufmerksam. So richtig ab mit seiner Karriere ging’s dann aber erst 2003 mit dem Disney-Piratenfilm „Fluch der Karibik“, dem noch drei weitere Fortsetzungen folgen sollten und aus Depp einen Blockbuster-Megastar machten. Obwohl Disney zuvor Bedenken hatte, Depp die Rolle des extrovertierten Piraten Jack Sparrow überhaupt zu geben: Zu exzentrisch sei seine Interpretation der Figur, zu sehr kantig, zu sehr anstößig, zu sehr … schwul (ja, das hat Disney’s damaliger Chef Michael Eisner tatsächlich gesagt)!

Bereut dürfte Eisner seine Entscheidung nicht haben, spülte die „Karibik“-Reige doch insgesamt sensationelle 3,72 Billionen US-Dollar weltweit in die Kinokassen. Klar, Depp trug die Filme; von seiner ruhelosen und mutigen Darstellung von Sparrow, der sämtliche Piraten-Klischees mit Freude über Bord warf (haha, Wortspiel!), hing der Erfolg jedes einzelnen Films ab. Bekanntlich ging das gut, aktuell befindet sich der bereits fünfte Teil in Pre-Production. Natürlich wieder mit Depp in der verrückten Hauptrolle.

Gar nicht mal so unterschiedlich

Und genau hier kommt wieder der fahle Nebengeschmack auf, den man automatisch verspürt, wenn man gegenwärtig von Depp und seinen schauspielerischen Leistungen spricht. Denn man kommt nicht über den Eindruck hinweg, der 50-Jährige habe sich da in etwas verfahren, befindet sich in einer Sackgasse, aus die er nicht mehr raus kann. Vor allem aber auch gar nicht mehr raus MÖCHTE.

Denn so unterschiedlich, wie man leichthin behauptet, sind Depps Rollen gar nicht. Seit „Fluch der Karibik 1“ wiederholt sich Depp nur noch in seinem Rollentypus. Egal ob „Sweeny Todd“, „Alice im Wunderland“, „Charlie und die Schokoladenfabrik“, „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ oder „Dark Shadows“: Depp ist immer der schräge Vogel, der seine Sache zwar gut macht, in seinem Reportoire aber nichts mehr Neues zu bieten hat. Wir wissen, dass er einen Hang zu Außenseitern, zum Verrückten hat. Wir haben es oft genug gesehen, jetzt ist es nur noch langweilig. Sogar den Animationsfilm „Rango“, dessen Hauptfigur an Depps Mimik angelehnt ist und auch von ihm gesprochen wird, wollte keiner sehen. Weil es am Ende doch wieder nur darum geht, wie crazy und überdreht der Depp nicht wieder war, wie oberflächlich allerdings die Story dahinplätscherte. Been there, done that.

Je schräger, desto besser

Vor allem aber: Man weiß Depps Schauspielkunst nicht mehr zu schätzen. Ließ er seiner wilden, verrückten Seite zwar auch schon früher in Kassen- und Kulthits wie „Fear and Loathing in Las Vegas“, „Sleepy Hollow“ oder eben „Edward mit den Scherenhänden“ freien Lauf, so war das für den Zuschauer doch noch etwas Besonderes, da man kurz darauf Depp wieder in ernsten und anspruchsvolleren Rollen sah, wie zum Beispiel in „Gilbert Grape“, „Chocolat“, „The Astronaut’s Wife“ oder sogar „Blow“. Kurz nach dem ersten Teil von „Fluch der Karibik“ veröffentlichte Depp zwar noch die wunderbaren melancholisch-leisen Filme „Das geheime Fenster“ und „Wenn Träume fliegen lernen“, bald darauf aber verschrieb er sich vollkommen dem Motto „Je schräger die Rollen, desto besser“. Dass Depp im Laufe dieser Jahre zu Tim Burtons Lieblingsschauspieler wurde, verwundert da nicht. Da haben sich zwei wohl einen Touch zu viel gegenseitig beeinflusst.

„Lone Ranger“ ist Flop des Jahres

Dass Depps Außenseiter-Rollen beim Publikum nicht mehr ankommen, beweist sein aktueller Film „Lone Ranger“, in dem Depp sich als etwas anderer Indianer versucht und dabei kläglich scheitert. Man lacht nicht mehr, man amüsiert sich nicht mehr, man rollt nur noch genervt mit den Augen. Ein langweiliges Drehbuch, nicht überzeugende Co-Stars, aufgeblasener Action-Overkill und ein Genrechaos sind weitere Gründe, warum „Lone Ranger“, der am 3. Juli in den USA startete und aktuell bei uns in den Kinos zu sehen ist, als einer der größten Flops des Jahres 2013 gilt. Und das, obwohl „Lone Ranger“ dem Western-Genre wieder zu neuer Popularität verhelfen sollte. Hat nicht geklappt.

Übrigens: Für den Film zeichnet dasselbe Team (plus Regisseur) verantwortlich, das auch hinter den Kameras der „Fluch der Karibik“-Reihe steht. Wird auch ganz stolz im Trailer angekündigt. Für mich klingt das eher wie eine Drohung. Auch das US-Magazin „Rolling Stone“ bezeichnete kürzlich Depp und seine Rollen der letzten Jahre gar als „rubbish“.

Mut zur Unspektakulärtheit

Während man bei anderen SchauspielerInnen also sehnlichst drauf wartet, dass sie sich aus ihrer Sicherheitszone hinausbewegen und außergewöhnliche Rollentypen verkörpern, wünsch man sich bei Johnny Depp beinahe schon das Gegenteil. Bei ihm wäre es fast schon spektakulärer, er würde eine unspektakuläre Rolle spielen. Und den Depp dabei mal daheim lassen.
Denn ausschließlich möglichst außergewöhnliche Rollen zu spielen macht noch lange keinen hervorragenden Schauspieler aus.

(Dasselbe gilt übrigens auch für Robert Downey Jr., aber das ist eine andere Geschichte).

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