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Warum mich der abflauende 3D-Boom nicht überrascht.

Ich geb’s ja zu: Ich bin ein Mensch, der gerne „Ich hab’s ja gesagt“ sagt. Nicht sehr sympathisch, ich weiß. Aber, so ist’s nun mal, auch befriedigend. Für einen selbst. Deshalb fühle ich mich derzeit umso befriedigter, wenn ich mir das Filmbiz und die Kinotrends ansehe.

What the fuck is that?!

Denn: Die Flut an 3D-Movies nimmt eindeutig ab. Die Neugier ist weg, das Interesse sinkt. Und ich schreie wohltuend: „Ich hab’s ja gesagt!“ Nicht, dass (fast) keiner mehr an 3D interessiert ist. Sondern, dass 3D eben nicht das Nonplusultra des Kinos ist, nicht das Alpha, aber auch nicht das Omega. Sondern nur eine weitere technische Spielerei. Oder, besser: Ein weiterer Meter (oder eher Kilometer) in Richtung jenes Kinos, das in Zukunft immer an einen Attraktionsort erinnern wird, ähnlich dem eines Jahrmarktes, ähnlich den Filmanfängen Anfang des 20. Jahrhunderts. Auch damals wurden die ersten Filme regelrecht „inszeniert“, mit Live-Musik oder einem Zugwaggon an Zuschauerort, weil es im Film um einen dahin rasenden Zug ging (das Publikum muss sich damals genauso gefühlt haben wie wir, als wir das erste Mal „Avatar“ gesehen haben: What the fuck is that?!). Weil schließlich muss man heutzutage für gute Geschichten nicht mehr die eigenen vier Wände verlassen, immer größer werdende Flatscreens und Rund-Um-Soundanlagen sei Dank. Nein, sorry, stimmt so nicht. Es muss heißen: Heutzutage SOLLTE man nicht mehr die eigenen vier Wänden verlassen, um gute Geschichten erzählt zu bekommen.

Technik statt Story

Im Kino setzt man immer mehr auf Action-Blockbuster-Movies (eben: ‚Aktionsfilme‘), die mit sich selbst übertrumpfenden Special Effects nur so gespickt sind. 3D gehört da eben auch dazu. Und, wohin hat uns das gebracht? Zu einer Filmkultur, die krachende und grellbunte Bilder mehr schätzt als narrativen Mut, gute Dialoge und dreidimensionale Figuren. Kurz: Die Geschichten sind scheiße, aber Hauptsache, wir sitzen mit komischen, nicht-sitzenden Brillen im Kinosaal. Denn sein wir uns mal ehrlich: Wer hat „Avatar“, „Transformers“ oder „Iron Man“ schon wegen der Story geschaut? Na, eben. Und das finde ich zutiefst schade. Denn für mich bedeutet ein Film immer noch, mich mit seiner Geschichte in den Bann zu ziehen, über die Dialoge nachzudenken, mich über die diegetische Story hinaus zu beschäftigen und mich an der Gefühlswelt der Figuren teilhaben zu lassen.

Verzauberung gibt’s nicht

All das vermisse ich bei 3D-Movies. Ein Film, der mit  bereits allen möglichen technischen Schnick-Schnack arbeitet, verzaubert mich nicht. Im Gegenteil. Bei den 3D-Movies, die ich bisher gesehen habe, wurde mir mehr denn je bewusst, „nur“ einem Film beizuwohnen, einer Welt, die ausschließlich am Computer entstanden ist. Diverse Green-Screens waren da für mich beinahe schon greifbar. 3D soll ja bekanntlich das genaue Gegenteil erzeugen, einen in den Film, in dessen Welt hineinziehen. Bei mir hat’s nicht geklappt. Ich möchte dreidimensionale Figuren, nicht dreidimensionales Kino.

Natürlich mag auch ich Blockbuster, dagegen ist nichts einzuwenden. Nur am Ende des Tages sind es jene Streifen, die sich auf die Figuren konzentrieren anstatt auf riesengroße Roboter, die mich vor angenehmer Erregtheit nicht schlafen lassen. Die kleinen Nuancen, die sorgsam versteckten Hinweise zwischen den Zeilen, Dialoge, die unter die Haut gehen. Schauspielerische Meisterleistungen. Das können eben nur Filme, die wissen, dass das Drehbuch und nicht sündteure Special Effects-Computerprogramme das Herz einer jeder Erzählung sind. Bisher ist mir kein 3D-Film untergekommen, der die Story an erster Stelle gesetzt hat. „Avatar“ ist flach und storytechnisch belanglos, „Man of Steel“ plätschert dahin, „Die Schlümpfe“ sind pseudo-lustig und von der „Transformers“-Reihe rede ich erst gar nicht. Spart doch bei den Special Effects und steckt das Geld lieber in richtig gute Drehbuch-AutorInnen, liebe Hollywoodianer!

Serien stillen Bedürfnis nach hochwertiger Unterhaltung

Einziges Land, in dem der 3D-Boom weiterhin anhält, ist China. Kein Wunder, die Menschen dort sind auch sehr, sagen wir mal, Technik-versiert. Dafür haben die Europäer und Amerikaner mittlerweile den kleinen Bildschirm bei sich zuhause (wieder) entdeckt. TV-Serien wie „Mad Men“, „Boardwalk Empire“, „Game of Thrones“ oder „Downtown Abby“ (interessanterweise fast  alle in der Vergangenheit angesiedelt) bieten uns das, was das Kino uns verwehrt: Immer durchdachtere (und kompliziertere) Handlungsbögen, die eine hohe Aufmerksamkeitsspanne erfordern und die und seine Figuren als komplexe Wesen präsentieren. Sie unterhalten, ohne im Meer der technischen Fremdbestimmung unterzugehen. Fast schon ein Gegentrend also, dem sich immer mehr Menschen anschließen. Wie man auch an den Überrachungserfolgen „Silver Linings Playbook“, „Hangover“ oder „Lincoln“ sieht. Filme, die den Menschen anstatt die Technik in den Mittelpunkt stellen.

Ein Film ist dann eine Bereicherung, wenn es ihm gelingt, einem über das Leben nachdenken zu lassen. Ein 3D-Film bewirkt bei mir nur, mich zu erinnern, in meiner nächsten Kolumne „Ich hab’s ja gesagt!“ zu schreien.

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