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Der Tod von „Glee“-Schauspieler Cory Monteith bewegt die Welt mehr, als man jemals vermutet hätte. Klar, da ist ein junges Talent gestorben, das noch dazu Teil einer beliebten TV-Serie war, und Erinnerungen an Heath Ledger, Amy Whinehouse oder sogar James Dean werden wach. Tragisch.

Noch dazu steht nun Monteiths Vergangenheit mehr denn je im Mittelpunkt: Troubled Teen, schon früh mit Drogen in Berührung bekommen, ganze dreizehn Schulen besucht, Familie und Freunde beklaut, um an Drogen zu kommen, in Reha. Und dann, mit 27, endlich eine Wende in seinem Leben: Mit „Glee“ wird der bisher sehr mäßig erfolgreiche Schauspieler und Sänger quasi über Nacht zum Weltstar. Und er findet seine große Liebe, nämlich in seiner Kollegin Lea Michele, mit der ihm auch vor der Kamera romantische Bande verknüpfen.

Alles scheint gut zu laufen. Monteith arbeitet an sich, seiner Schauspiel- und Gesangeskunst, steigert sich deutlich, ist beliebt bei Crew, KollegInnen und (wie man jetzt immer mehr erfährt) anscheinend in halb Hollywood. „One of the kindest people I’ve ever known“ hat man in den letzten Tagen von zahlreichen SängerInnen und SchauspielerInnen zu hören bekommen, Jane Lynch (Sue Silvester“) bezeichnete Monteith gar als „eins der größten Geschenke, die diese Show uns gegeben hat.“ Mit Michele war angeblich sogar schon Hochzeit geplant. Dann aber wird die Sucht wieder stärker, Monteith begibt sich in Reha, spricht offiziell über seine Probleme – und zerbricht letztendlich an ihnen.

All das ist schon News genug.

Aber noch so viel mehr wird nun, nach Monteiths Tod, sichtbar. Und noch so viel mehr ist dran, warum sein Tod die Welt bewegt. Nämlich: klarer als jemals zuvor wird den Fans (und Kritikern) nun drastisch vor Augen geführt, dass die „Glee“-Kids gar keine Kids sind, keine immerzu lustig herumhüpfenden Jugendlichen. Denn auch wenn „Glee“ sich von Beginn an nicht scheute, kontroverse Themen ins Reportoire zu nehmen: im Grunde genommen handelt es sich hier um eine lustig-bunt-fröhliche Welt, in der alles möglich ist, wenn man gute Freunde, eine gute Stimme und eine positive Weltsicht hat. Und sich selbst treu bleibt.

Monteith hat bewiesen, dass all dies manchmal nicht reicht.

Wir verstehen nun (auch dank zahlreicher News) mit deutlicher und schmerzender Gewissheit, dass die „Glee“-Darsteller junge Erwachsene sind, die ihren Ruhm auskosten, ihn genießen und sich bewusst sind, am Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere angekommen zu sein. Wir erfahren nun, dass Monteith, Michele, Colfer und Co. dem Feiern und wilden Partys nicht abgeneigt waren (und sind). Ein Foto, in der Michele eine Zigarette in den Händen hält, sorgte beispielsweise für Aufsehen. Es ist ähnlich wie mit den „Disney“-Stars: Von den „Glee“-Darstellern wird erwartet, auch im realen Leben ein kunterbuntes Musical-Leben zu führen. In Monteiths Blut aber wurden Alkohol, Heroin und „andere Drogen“ gefunden. Heroin? Sowas gibt es in der „Glee“-Welt? Whaaat???!!!

Aber, damit wir uns nicht falsch verstehen: Das „Glee“-Set war und ist kein Hort für rauschende Drogen- und Sexpartys. Es ist bekannt, dass die Darsteller allesamt höchst professionell, höchst talentiert und sehr freundlich im Umgang mit anderen sind. Und: sie sind auch im realen Leben dicke Freunde (was man auch ganz klar onscreen sieht). Teilten sich zum Teil sogar Wohnungen (Michele und Agron), verbrachten den Urlaub zusammen (Ushkowitz und McHale), sind Bros (Monteith und Salling),  BFFS (Michele und Colfer sowie Rivera und Morris) und spielen mit Freude mit der homoerotischen Ära, die sie umgibt (Colfer und Criss sowie Michele und Agron). Dass nach Monteiths Tod ein Trauerbegleiter ans Set bestellt wird; dass sich Naya Rivera, Amber Riley, Mark Salling und Co. öffentlich von Monteiths Tod zutiefst bestürzt zeigten, ist nicht gespielt. Es ist Realität.

Aber Realität ist zugleich eben auch, dass Lea Michele und Co. keine singenden Schulchöre-Kids sind, sondern erwachsene Schauspieler, die wissen, was sie tun. Und sich abseits der „Glee“-Kamera auch gerne bewusst sexy zeigen, um genau das zu betonen. Um nach dem Aus der Serie nicht in der „Glee“-Bubble gefangen zu bleiben.

Kurz: Die bunte und singende „Glee“-Welt ist in Wirklichkeit um einiges erwachsener, als man glauben mag. Das soll Monteiths Tod nicht schmälern oder rechtfertigen. Aber es öffnet dem einen oder anderen vielleicht die Augen.

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