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Was könnte man jetzt alles über TV-Serien schreiben. Die beste narrative Erzählweise, um in menschliche Seelen zu blicken, um Handlungsstränge mit immer neuen (und oft immer verückteren) Plots zu verbinden und um Geschichten erzählen zu können, die einfach nicht Platz haben in einem Zwei-Stunden-Format. Außerdem machen Sie süchtig, sind Gesprächsstoff im sozialen Umfeld (sollte man als TV-Series-Addict ein solches überhaupt noch haben) und zeigen zumeist bildschöne Menschen, die man einfach nur zu gern Woche für Woche in sein Wohnzimmer einlädt. Serien entführen nicht nur in fremde Welten, sie stellen einem eine vollends neue Welt auf eine Art und Weise vor, als sei es die eigene, und erweitern zudem den eigenen Horizont. Wie sagen die Experten so schön? „Kinofilme sind für Bilder, TV-Serien für Geschichten da“. Und ich unterschreibe das ohne zu zögern.

Was sogenanntes „Quality TV“ ausmacht, darüber kann man nicht nur stundenlang diskutieren, sondern auch wissenschaftlich fachsimpeln (was erstaunlich viele auch tun!). Ob man überhaupt zwischen „good TV“ und „bad TV“ unterscheiden sollte (zumindest, was Serien betrifft), das ist wieder ganz ein anderes Thema.
Ich traue mich trotzdem, ein paar Kriterien zu nennen, die m.E.n. „Quality TV“ ausmachen. Da wären: Identifikationsmöglichkeit mit den Figuren – was nicht bedeutet, dass diese nicht ganz und gar „crazy“ sein dürfen. Plots, die aus dem Leben gegriffen sind, aber trotzdem eine eigene Realität erschaffen. Mut, narrative und visuelle Grenzen zu überschreiten. Klug eingearbeitete  und sorgsam verwendete Metaphern, die es unaufdringlich schaffen, über die Serie und im besten Fall über das eigene Leben nachzudenken. Figuren und Plots, die sich weiterentwickeln, ohne den basic core der Serie zu vergessen. Intelligente Dialoge. Das Talent, Gefühle bei den Zusehern auszulösen. Eine dark und twisted Hauptfigur.

So ähnlich dürfte auch die Writers Guild of America, East gedacht haben. Dieser Verband aus Screenwritern und Drehbuchautoren von TV- und Webserien bzw. –shows hat die „101 best written TV Series“ gewählt. Sehr interessant, aber im Großen und Ganzen keine Überraschung. „Die Sopranos“ sind – na no na net – auf Platz 1, man darf ja fast gar nichts anderes schreiben, denn die Mafia-Serie gilt seit Jahren als Non-Plus-Ultra der niveauvollen (schon wieder dieses Wort!) TV-Unterhaltung. Es folgen die Serien „Seinfeld““ (najaaa), „The Twilight Zone“ (aha), „All in the family“ (noch nie gesehen) und „M.A.S.H.“ (ganz okay). Was mich besonders freut, ist, dass so geniale Serien wie „Six feet under“, „Friends“ (bin trotzdem überrascht, zugegeben), „Arrested Development“, „The X-Files“ (ist ja klar!!), „Mad Men“ und „Buffy“ (YAY!!!! Aber wieso nicht unter den Top 5???) Einzug in die Liste gefunden haben. Schade aber, dass Serien wie  „Web Therapy“, „Ally McBeal“ (wurde während ihrer running time als „klügste Serie am TV-Bildschirm“ betitelt) und allen voran „Angel“ (hallooo…. Buffy??!!) und „How I met your mother“ (welche andere Serie tollt sonst so vergnügt auf der narrativen Spielwiese herum?!) fehlen. Aber naja, auch eine Writers Guild macht Fehler.

Die komplette Liste (plus Begründungen) findet man hier: http://www.wgaeast.org/index.php?id=566

Hätte ich anders gewählt? Auf jeden Fall. Du auch? Ganz sicher. Aber das Schöne an solchen Listen ist ja, dass sie jedem zum Experten machen.

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