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Seit gestern schickt das Video-on-demand Unternehmen Netflix die US-amerikanische Kultserie „Arrested Development“ ins Rennen. Wiederholungen? Ach wo – eine brandneue Staffel wartet darauf, von Fans (und jene, die es noch werden wollen) downgeloadet zu werden. Ganz legal, für einen sehr günstigen Preis.

Damit baut Netflix (leider noch nicht im deutschsprachigen Raum nutzbar) seinen Vorsprung als führender Online-Streaming-Service aus. Früher konnte man sich dort DVDs ausborgen und bequem nach Hause schicken lassen, was man eigentlich auch immer noch kann – aber so richtig interessieren tut das keinen mehr. Denn seit Kurzem produziert Netflix eigene TV-Serien in Kinoqualität und fordert  damit die großen TV-Sender heraus. Weil Netflix das Internet mit TV-Serien, schließlich die schönste Nebensache der Welt, verbindet.

Vom TV-Kastl zum PC-Bildschirm

Wer will sich schließlich noch dem Diktat der TV-Sender unterwerfen, will sich vorschreiben lassen, wann er wie viele Folgen seiner Lieblingsserie zu sehen hat? Und auf die kommende Folge eine Woche warten? Zudem von Werbeunterbrechungen genervt werden? Na eben. Obwohl, man könnte argumentieren, und das tun auch tatsächlich einige: Serien nur häppchenweise serviert zu bekommen und eine Woche auf die „Fortsetzung“ warten zu müssen, gehört zum Sehgenuss einfach dazu. Sich einstweilen mit anderen Fans auszutauschen, die innere wohlige Spannung, wie es wohl weitergehen wird, sieben Tage lang zu genießen. Ja, kann sein. Deshalb wird Online-TV das „normale“ Fernsehen auch nie vollends ablösen. Für viele gehört Fernsehen nach wie vor zum strukturierten Alltag. Das darf auch weiterhin so bleiben.

Dann gibt es aber die Serien-philen, die ihre Leidenschaft selbst in die Hand nehmen. Die sich an einem verregneten Wochenende eine ganze Staffel ihrer Lieblingsserie reinziehen – denn eine Staffel kann bei Netflix auf einen Schlag runtergeladen werden, kein Warten mehr. Das ist in den USA (und immer mehr auch in Deutschland) zur Gewohnheit geworden, „binge viewing“ nennt man das, also fernsehen bis zum Umfallen. Das mag schlimm klingen, ist aber für Fans ein Hochgenuss. Weil man besser in die jeweilige Serienwelt eintauchen kann, die komplexen Figuren besser kennenlernt und den zahlreichen roten Handlungsfäden schlicht und einfach besser folgen kann. Für viele bedeutet genau das „Serien-Schauen“: Teil dieser Welt zu werden.

Seriengenuss ohne Zensur

Abgesehen vom zeitlichen Aspekt und der Sehgewohnheit kann Netflix aus einem Pool von Vorteilen greifen, die den TV-Sendern verschlossen bleibt: u.a. fällt der Quotendruck weg, man ist nicht auf Verkauf von Werbung angewiesen, da sich Netflix rein über Abonnements finanziert. Heißt: die Dialoge dürfen frecher, die Storys gewagter und ausgeklügelter, die Figuren verrückter und auch unsympathischer sein. Man kann auch sagen: Seriengenuss ohne Zensur. Und somit ganz nah am realen Leben.
(Aber, mag man jetzt sagen, es gibt ja auch US-Kabelsender wie HBO oder Showtime. Die dürfen das alles auch. Stimmt. Aber da gibt’s halt kein „binge viewing“. Außer, man kauft sich die DVD-Boxen. Die oftmals nicht ganz so preiswert sind).

Herausgekommen sind bei Netflix bisher serielle Perlen wie eben eine neue Staffel von „Arrested Development“ oder allen voran die Politthriller-Serie „House of Cards“ mit Oscar-Preisträger Kevin Spacey, die Fans und Kritiker gleichermaßen begeisterte und es qualitativ mit den hochwärtigsten TV- und Kinoproduktionen aufnehmen kann. Geplant sind zudem die Frauengefängnis-Comedy „Orange is the New Black“, die dritte Staffel des Krimihits „The Killing“, die Cartoonserie „Turbo F.A.S.T.“ sowie vielleicht sogar eine Neuauflage des 80er-Kulthits „Twin Peaks“. Man darf gespannt sein.

Netflix ist der neue König

Wie viele Streaming-Abonnenten zum Start von „House of Cards“ dabei waren, ist nicht bekannt. Fakt ist aber, dass Netflix im ersten Quartal 2013 mehr als zwei Millionen neue Abonnenten allein in den USA gewinnen konnte – womit er sogar den Pay-Kanal HBO („Sex and the City“, „Game of Thrones“) überholt hat. TV 3.0 sozusagen.

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