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Drei Jahre hat man von Christina Stürmer, Österreichs erfolgreichstem Pop-Export der Neuzeit, nichts mehr gehört. Seitdem hat sich einiges in der österreichischen Musiklandschaft verändert – oder zumindest hat man es probiert. Vor allem Trackshittaz mit Lukas Plöchl haben unser Land ordentlich aufgewirbelt und gezeigt, dass man in den Charts auch erfolgreich sein kann, wenn man von der akustischen Norm abweicht. Zudem sorgt die neue Song Contest-Euphorie dafür, dass junge Nachwuchskünstler eine Plattform bekommen, um sich der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Wie also will sich da der alte Bühnen-Hase Christina Stürmer behaupten? Ganz einfach – sie verlässt sich auf Altbewährtes. „Ich hör auf mein Herz“ heißt die neue Platte, die es bereits bis an die Spitze der heimischen Hitparade und bis auf Platz Vier in den deutschen Charts geschafft hat. Die Lead-Single „Millionen Lichter“ ist ein Ohrwurm und rangierte ebenfalls auf den vorderen Chartplätzen. Am 17. Mai ist Stürmer sogar Vorband von Bon Jovi – und präsentiert ihre Songs vor 50.000 Menschen. Eine Ehre. Eine Chance. Man könnte sagen, das Comeback ist gelungen.

Schaut – oder eher hört –  man sich „Ich hör auf mein Herz“ genauer an, ist’s dann so gelungen doch nicht, zumindest aus kreativer Sicht. Stürmer und ihre Jungs wollen rockiger daherkommen (das zeigt auch der etwas gewöhnungsbedürftige neu tätowierte  Oberarm der Sängerin) als auf dem Vorgänger „Nahaufnahme“, was über weite Strecken auch durchaus funktioniert. Vor allem der Opener „Auf und davon“ und der Song „Unendlich“ machen Laune und – ja, fetzen durchaus. Zu einer richtigen Rocknummer fehlt dann aber doch noch die eine oder andere Stufe. Die Herzstücke des Albums sind jedoch ohnehin die ruhigen Nummern, die stillen Momente. Die Songs „Himmel ins All“, „Was machst du wenn die Stadt schläft“, „Wieviel wiegt ein Herzschlag“ und allen voran „Ohne dich (ist alles nichts“) zeigen, worin Stürmer und Band seit jeher am besten sind: emotionale Unverstellbarkeit und Authentizität. Hier wird nicht versucht, Aha-Effekte zu erzielen, vielmehr nehmen sich Stürmer und Band angenehm zurück – und erzeugen gerade so eine unvorstellbare Intensität. Genau diese Songs beweisen auch, dass die Stürmer längst nicht mehr „die Christl“ ist, die irgendwann mal irgendeine Castingshow fast nicht gewonnen hat. Ihre Stimme ist voluminöser geworden, die Texte reifer, die Gelassenheit nicht mehr gespielt. Der Titel des Albums scheint tatsächlich Programm zu sein, ob nun rockig oder sanft: Christina lässt ihr Herz singen. Christina ist angekommen.

Und genau das hat auch ein bisschen einen fahlen Nebengeschmack. Denn viele der Songs auf der Platte sind Füller, die man so oder so ähnlich schon x-beliebig mal gehört hat – von anderen Künstlern, aber vor allem von Stürmer selbst. Das ist nicht besonders schlimm und durchaus legitim, von einer dreijährigen Schaffenspause hätte man sich jedoch etwas mehr erwartet. Aber nach all dem Trackshittaz-Trubel braucht die heimische Popszene eh wieder ein bisserl mehr Bodenständigkeit. Nur führt die leider so manches Mal zu Stillstand.

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