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Allround-Talent Justin Timberlake bringt nicht nur Gutes in die Welt: Seitdem der ehemalige NSync-Sänger und Schneckerl-Boy 2002 seinen weltweiten Siegeszug angetreten hat, häufen sich die Justin Hubers, Justin Meiers, Justin Hogendobels und Justin Lugners am Spielplatz. Sei’s drum: Justin (Timberlake, nicht Huber) ist der gegenwärtig einzig würde Nachfolger des King of Pop Michael Jackson. Was er auch mit seinem neuen Album „The 20/20 Experience“ erneut beweisen möchte. So ganz gelungen ist das trotz hörbarer Innovation aber nicht.

Ganz schön klug

Blöd ist er ja nicht, der Justin. In Interviews der letzten Jahre hat er immer wieder betont, dass er auf Musik keine Lust mehr habe. Er war nun seriöser Schauspieler. Durchaus mit Erfolg, man denke an „The Social Network“ oder „Friends with benefits“. Und dann, bumm: Nach sieben Jahren musikalischer Abstinenz meldet sich Timberlake mit dem Album „The 20/20 Experience“ zurück. Ohne Vorwarnung. Ohne jeglichen Hinweis. Das Interesse ist natürlich groß, die Medien stürzen sich auf ihn, die Fans kaufen das Album massenweise. Das Ergebnis: 500.000 verkaufte Exemplare in der ersten Woche, Platz 1 in mehreren Ländern, unter anderem USA, Großbritannien, Deutschland und Österreich. Mittlerweile gingen von „The 20/20 Experience“ mehr als 1.600.000 (!) Stück über den Ladentisch, was es zum erfolgreichsten Album des Sängers macht. Nummer 1-Single („Mirrors“) inklusive.

Chillen an der Bar anstatt Party auf Tanzfläche

Ist der Hype berechtigt? Darüber lässt sich streiten. Einflüsse von Bruno Mars, Prince, Stevie Wonder und eben Jackson sind deutlich zu hören; gepaart mit Timberlakes unverkannbarer Stimme und seinem Talent, jeden noch so aufregenden Song chillig-unaufgeregt klingen zu lassen, ergibt das eine durchaus interessante, hörenswerte und innovative Mischung. „The 20/20 Experience“ kommt konsistenter daher als sein Vorgänger „FutureSexLoveSound“, allerdings fehlen der Scheibe die Hits, die sofort ins Ohr gehen und einem auf die Tanzfläche treiben. Verübeln kann man das Timberlake jedoch nicht: Als langjähriger Entertainer, der auch im Filmbiz erfolgreich Fuß gefasst hat, möchte er nun nicht mehr Club-Hits wie „Rock your body“ oder „Sexy back“ singen. Timberlake ist erwachsen geworden. Das ist zwar vielleicht nicht ganz so fetzig und pulssteigernd, dafür aber stilvoller, grooviger, charismatischer und angenehm unaufgeregt. Kurz: Bei „FutureSexLoveSound“ hat man sich noch die Seele aus dem Leib getanzt, zu „The 20/20 Experience“ swingt man amüsiert mit, während man sich an der Bar einen Whiskey gönnt und nach Eroberungen Ausschau hält. „Eine gelungene Manifestation des neuen R&B“, hat ein US-amerikanischer Kritiker das Album bezeichnet. Kommt ganz gut hin.

Überlängen

Und doch fehlt „The 20/20 Experience“ das gewisse Etwas. An viele Songs muss man sich gewöhnen, der eine oder andere wird schnell langweilig, ein klein wenig mehr Abwechslung hätte der Scheibe auch nicht geschadet. Vor allem ist Timberlakes Ehrgeiz, etwas ganz Neues schaffen zu müssen, nach hinten losgegangen: Keiner der Songs ist unter 5 Minuten lang, viele haben sogar eine Länge von 8 Minuten. Diese Überlängen nerven, man kennt es von Kinofilmen: Da gibt’s erzwungene zusätzliche Minuten, die die Handlung in die Länge ziehen, obwohl schon alles gesagt wurde. Ausgenommen der Singles Suit & Tie“ und vor allem „Mirrors“ (grandios und stark an „Cry me a river“ erinnernd) hat kein Song das Potenzial für eine 8-Minuten-Nummer. Hier wären Quickies dann doch mal besser gewesen. Wer aber auf ausdauernden, sinnlichen Sex ohne Nebenwirkungen steht, ist hier richtig.

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