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Vom Netz ins TV: Die außergewöhnliche Serie „Web Therapy“ mit Lisa Kudrow revolutioniert nicht nur die Psychotherapie, sondern auch das Unterhaltungsprogramm.

Heute möchte ich auf eine US-amerikanische Serie aufmerksam machen, die nicht nur als Geheimtipp bei den Amis (und langsam, aber sicher auch bei uns) gilt, sondern die auch einen ungewöhnlichen Weg ins TV beschritt. Die Rede ist von der genialen Serie „Web Therapy“, erfunden und produziert von der ebenso genialen Lisa Kudrow, die auch die Hauptrolle spielt.

Therapie via Webcam

Seit Juli 2011 ist „Web Therapy“ auf dem US-amerikanischen Sender „Showtime“ („Dexter“, „Californiacation“) zu sehen, eine zweite Staffel ist für dieses Jahr angekündigt. Ursprünglich aber ist „Web Therapy“ eine, man mag es ahnen, Web-Serie, deren insgesamt bereits vier Staffeln sowohl auf http://www.lstudio.com/web-therapy/ als auch auf YouTube zu sehen sind.

Und darum geht’s: Psychotherapeutin Fiona Wallace (Kudrow) ist es leid, ganze 50 Minuten lang ihren Patienten zuhören zu müssen. Welche unwichtigen Dinge da auf den Tisch kommen! Also entwickelt sie das Konzept einer Drei-Minuten-Therapie-Session, welche ihre Patienten zwingt, ohne langes Drumherum zum Punkt zu kommen. Als wäre das nicht revolutionär genug, hält Wallace diese Sessions via Webcam ab, so dass sie ihren Patienten nicht mal persönlich begegnen muss. Ja, es stimmt, Fiona Wallace ist nicht die beste Therapeutin der Welt, viel zu sehr ist sie mit sich selbst beschäftigt, viel zu sehr möchte sie vor allem für sich selbst das Beste herausholen, die Patienten sind da eher nur ärgerliches Hindernis. Aber Wallace hält sich für die Beste, und darauf kommt’s schließlich an.

Kudrow brilliert als egozentrische Therapeutin

Lisa Kudrow, den meisten als durchgeknallte Phoebe Buffay aus der Hit-Sitcom „Friends“ ein Begriff, ist bekannt dafür, Rollen anzunehmen, die so ganz anders sind als ihr früheres Serien-Alter-Ego: verklemmt, egoistisch, unsympathisch. Kudrow schafft es dabei aber immer wieder, durch subtilen Humor und Gesten die Lacher auf ihrer Seite zu haben.

So funktioniert’s auch in „Web Therapy“: Fiona Wallace mag man eigentlich nicht. Und Kudrow tut nichts, um daran etwas zu ändern. Mit näselnder Stimme, genervtem Augenrollen und abwertenden Gesten tritt sie ihren Patienten gegenüber – und man liebt sie dafür. Wir kennen sympathische Psychodoktoren aus dem TV zur Genüge, Wallace ist da eine willkommene Abwechslung. Und mit ihrer Kaltschnäuzigkeit, die sie zum Teil an den Tag legt, so sehr erfrischend, dass man sich am liebsten alle Folgen am Stück ansehen möchte. Und die Probleme der Patienten sind meist auch so absurd, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt.

Stars in Therapie

Das Konzept der Webserie sprach sich schnell herum, Kudrow und die Serie selbst wurden für zahlreiche Web-Preise nominiert und auch ausgezeichnet. Bald gaben sich hochkarätige Gaststars die Klinke (oder eher die Webcam) in die Hand, um sich bei Fiona Wallace Rat zu holen: Unter anderem lieferten Courtney Cox, David Schwimmer, Alan Cummings, Victor Garbor, Jane Lynch und sogar Meryl Streep anbetungswürdige Performances ab, die „Web Therapy“ zu einem noch größeren Vergnügen machen, als es dank Kudrow sowieso schon ist. Das Besondere an den Gastspielen: Die Dialoge sind allesamt improvisiert, es ist nur ein roter Faden vorgegeben. Und das können halt tatsächlich nur die Besten der Besten.

Nicht überraschend also, dass der US-Sender „Showtime“, der für außergewöhnliche TV-Serien bekannt ist, bald zuschlug und „Web Therapy“ fürs Fernsehen adaptierte. Die Quoten sind solide, wenn auch nicht überragend. Trotzdem, man freut sich, Kudrow endlich wieder im TV bewundern zu dürfen.

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