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Während der (ehemalige?) Musical-Hit in seinem vierten Jahr viele, viele dramaturgische Fehler gemacht hat (mal ehrlich: interessiert sich irgendwer für die neuen Figuren?!) und noch mehr Fans verloren hat, bewies er vergangene Woche mit der Episode „Shooting Star“ (4×18) nach langer Zeit doch wieder, dass Humor und Sozialkritik nirgends mit einer derartigen Leichtigkeit verbunden werden wie in „Glee“. Und immer noch, man hat die Hoffnung als Fan aufgrund von ständig wiederholender Storylines schon aufgegeben, weiß die Serie zu überraschen: Ein Attentäter auf der McKinley High? Seriously?! Sue Silvester wird gefeuert? Und Sam darf mal mehr sein als der hohle Surferboy? Wow. „Glee“ hat endlich zu sich selbst wiedergefunden.

„Glee“ found it’s voice again

Oder besser: Glee hat seine Stimme wiedergefunden. Genau diese nämlich war die Serie in den ersten zwei Jahren für alle Außenseiter da draußen, für alle Nerds, für alle, die anders waren. „Glee“ gab ihnen eine Stimme, mehr noch: eine Bühne mit vielen locker-flockigen Popsongs. Dann wurden die Kids vom „Glee“-Chor immer cooler, die Weirdo-Credibility war verspielt. Bis jetzt. Bis ein (vermeintlicher) Attentäter die ansonsten immer fröhlich und umher springenden Glee-Kids in Angst und Schrecken versetzt. Sie zwingt, über deren Leben nachzudenken, Abschiedsworte an ihre Familien zu richten. Vielleicht sind es nicht die Schwulen, die Nerds, die Streber, die Magersüchtigen, die Dyslexie-Erkrankten, die Transgender-Personen, die hier eine Stimme bekommen. Es sind dafür all die Opfer, die bei den realen Amokläufen in US-amerikanischen Schulen ihr Leben lassen mussten.

Dunkelheit statt Regenbogen

Das ist von „Glee“ umso mutiger, da das Thema aktueller denn je ist und viele fiktionale Programme sich davor hüten, sich an dieser Problematik die Finger zu verbrennen. Dass dann gerade eine Musical-Comedy sich dieser Thematik annimmt, ist bemerkenswert. Noch dazu, da die Episode derart schräg beginnt (Brittany singt ihrem Kater ein Liebeslied), dass die plötzlich in den Schulräumen wiederhallenden Schüsse auch für den Zuschauer überraschend und schockierend zugleich kommen. Aus einer Comedy wird binnen Sekunden ein Psycho-Thriller, der einem nicht mehr loslässt. Die grellen Farben der „Glee“-Welt weichen einer alles umgebenden Dunkelheit, laut trällernde Songs werden von einer brutal absorbierenden Stille abgelöst. Die Welt von Teenagern wird schonungslos mit Füßen getreten. Realer war schon lange keine TV-Serie mehr.

Schulchor vs. Waffenlobby

Wenn Brittany, ausgerechnet jene Figur, die ausnahmslos das Gute in der Welt sieht, sich tränenüberströmt vor dem Killer in der WC-Kabine versteckt, überträgt sich der Schmerz auch auf die andere Seite des Bildschirms. Und man weiß: „Glee“ tut es gut, auch mal seine dunkle Seite zu umarmen, sich selbst ernst zu nehmen. Man hat es schon zu Beginn der vierten Staffel und zum Teil bereits im dritten Jahr gesehen: Wird „Glee“ dramatischer, düsterer und v. a. schockierender, wird das tatsächliche Potenzial der Serie ausgeschöpft. Dann sind es plötzlich keine Teens mehr, die lachend und singend auf der Bühne herumhüpfen. Dann sind es talentierte Schauspieler, die sich im Showbiz behaupten können. Nur gegen die US-Waffenlobby werden auch sie nichts ausrichten können. Probiert haben sie’s zumindest. Die verrückten Kids eines Schulchors.

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