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Die Zeiten, in denen Carrie mit den neuesten Manolo Blahniks durch die Straßen von New York stöckelte, sind vorbei. Heute kämpft Hannah gegen Geldsorgen, nervige Freundinnen und schlechten Sex.

Anfang der Nullerjahre war es Frauen endlich auch im TV erlaubt, über Sex zu reden – nein, nicht nur darüber zu reden, ihn auch zu haben. Aber das war noch nicht alles. Anfang der Nullerjahre war das Luxusleben angesagt. Manolo Blahniks, Vogue und Cosmopolitans waren in wie nie zuvor. Der Beruf, dem man dann doch nachgehen musste, um sich die neueste Schuhkollektion leisten zu können, war viel mehr eine Berufung: Man war Schriftstellerin, PR-Managerin, Kunsthändlerin und Anwältin. Gelebt hat man natürlich in New York, der coolsten Stadt der Welt. Die Upper Class war so upper, dass einem schon mal schwindlig werden konnte.

Soweit die Lebenswelt von „Sex and the City“. Carrie, Miranda, Charlotte und Samantha haben nicht zuletzt deswegen Fernsehgeschichte geschrieben, weil sie den damaligen Zeitgeist haargenau trafen. Vier Heldinnen, die den Lifestyle nicht nur lebten, sondern ihn sogar erfanden.

Viele Jahre später

Das war einmal. Inzwischen hat man zwei handfeste Wirtschaftskrisen hinter sich, Jugendrevolten und politische Aufstände erschütterten die Welt. Für Luxus-Weibchen, die sich „von der Vogue ernähren“ (O-Ton Carrie Bradshaw), hat heute jeder nur mehr ein müdes Lächeln übrig. Oder ein genervtes Augenrollen, je nachdem. Weil der luxuriöse Lifestyle für die meisten von uns weiter entfernt ist als jemals zuvor.

Also muss sich auch das „Sex and the City“-Konzept neu erfinden, in gewisser Weise. Das tut es in Form von „Girls“, der neuen Hitserie des US-amerikanischen Kabelsenders HBO (der ehemaligen Heimat von „SATC“). Hier werden uns vier Mädchen, eben Girls, präsentiert, die sich mehr schlecht als recht durchs ganz und gar unglamouröse Leben schlagen. Das einzige, das Hauptfigur Hannah mit den „SATC“-Damen gemeinsam haben, ist, dass Hannahs Traumberuf ebenfalls Schriftstellerin ist, genau wie bei Carrie damals. Nur dass bei Hannah der Erfolg noch auf sich warten lässt, die Eltern den Geldhahn zudrehen und sie sich mit den ödesten Jobs der Welt über Wasser halten muss. Zu allem Überfluss ist das Liebesleben chaotisch und der Sex ganz und gar nicht so, wie man es sich als Teenager ausgemalt hat.

Gegenpositionierung

„Girls“ kommt also als radikale Gegenpositionierung von „SATC“ daher. War bei „SATC“ Glanz und Glamour angesagt, ist die Ästhetik von „Girls“ dem Leben des Durchschnittsbürgers in den USA und eigentlich überall auf der Welt angepasst. Witzig: Die „Girls“-Heldinnen leben zwar auch in New York, allerdings nicht im Stadtteil Manahattan, sondern in Brooklyn – jener Ort, der den „SATC“-Damen regelmäßig Schauer über den modisch gekleideten Rücken jagte.

Die Darstellerinnen von „Girls“ widersagen sich zudem dem gängigen Schönheitsideal, was sie natürlich umso authentischer macht. Authentizität ist sowieso das, worum es bei „Girls“ geht. Anstelle von Bewunderung soll beim Zuschauer nun Wiedererkennung ausgelöst werden. Und das tröstliche Gefühl, dass nicht nur das eigene Leben weit davon entfernt ist, perfekt zu sein. Zudem gliedert sich „Girls“ perfekt in das neue Schema von TV-Heldinnen, die ihre Schwächen und Fehler offen präsentieren und sich dafür nicht schämen.

Stimme der neuen Generation

Mastermind hinter „Girls“ ist Hauptdarstellerin Lena Dunham, die die Drehbücher mit autobiografischen Elementen spickt und eine „Stimme ihrer Generation“ sein will, wie sie auch in der Pilotfolge in der Rolle der Hannah sagt. Dass sie dabei auf dem richtigen Weg ist, zeigt der Erfolg von „Girls“: Kritiker lieben die Serie, derzeit wird bereits die zweite Staffel produziert.

Dass man mit Luxusweibchen keinen mehr vor die TV-Bildschirme holt, weiß übrigens auch Michael Patrick King, der Erfinder von „SATC“. Der feiert gerade mit der Sitcom „2 Broke Girls“ Beachtungserfolge. Worum es hier geht? Um zwei Girls, die sich in einem schäbigen Diner ihren Lebensunterhalt verdienen. Weit weg von (aufregendem) Sex, Manolos und Cosmopolitans.

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